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Tinnitus (Ohrgeräusche): Behandlung

Veröffentlicht von: Dr. rer. nat. Geraldine Nagel (21. Mai 2015)

Subjektiver Tinnitus

Bei einem subjektiven Tinnitus, also Ohrgeräuschen, die nur der Betroffene wahrnimmt, richtet sich die Behandlung nicht allein nach der Ursache, sondern vor allem nach der Dauer seines Bestehens. Innerhalb der ersten drei Monate (akuter Tinnitus) sind die Aussichten darauf, dass der Tinnitus wieder weggeht, am besten. Die Heilungschancen für Betroffene sind daher umso besser, je früher sie zum Arzt gehen.

Besteht ein subjektiver Tinnitus bereits länger als drei Monate (chronischer Tinnitus), geht man davon aus, dass die Ohrgeräusche nicht mehr im eigentlichen Sinne weggehen, da sie sich zu diesem Zeitpunkt in der Regel bereits verselbständigt haben. Dennoch gibt es auch hier Möglichkeiten zur Behandlung. Sie basieren vor allem darauf, die Aufmerksamkeit vom Tinnitus wegzulenken und diesem eine andere, weniger belastende Bedeutung zu geben. Vielen Betroffenen gelingt es dadurch, den Tinnitus immer weniger wahrzunehmen oder sogar gar nicht mehr zu "hören", sodass der Eindruck entsteht, der Tinnitus sei weg – auch wenn die Ohrgeräusche im Grunde weiterhin bestehen.

Wichtig für die Behandlung ist auch, ob neben dem Tinnitus eine Hörminderung vorliegt. Gleicht man diese mit einem Hörgerät aus, lässt sich ein Tinnitus so häufig schon eindämmen oder gar beseitigen, da Geräusche, die "verloren" waren, wieder bewusst wahrgenommen werden.

Die tägliche Einnahme von Magnesium kann sich sowohl bei akutem als auch bei chronischem Tinnitus positiv auswirken. Denn der Mineralstoff wirkt auf bestimmte Rezeptoren ein, die einen übermäßigen Einstrom von Calcium in die Haarzellen im Innenohr verhindern. Ein übermäßiger Calciumeinstrom gilt als schädigender Faktor für die Haarzellen.

Wie ein subjektiver Tinnitus behandelt wird, hängt vor allem davon ab, wie lange er bereits besteht.

Wie ein subjektiver Tinnitus behandelt wird, hängt vor allem davon ab, wie lange er bereits besteht.

Akuter subjektiver Tinnitus

Ein akuter Tinnitus besteht seit höchstens drei Monaten und wird, wenn seine Ursache im Innenohr liegt oder unbekannt ist, in der Regel zuerst mit Infusionen mit gefäßerweiternden Mitteln (teilweise kombiniert mit entzündungshemmenden Wirkstoffen) oder mit gerinnungshemmenden Mitteln behandelt. Die Infusionstherapie mit solchen Mitteln beruht auf der Annahme, dass eine gestörte Durchblutung des Innenohrs die Ursache des Tinnitus ist, in deren Folge die dort gelegenen Haarzellen mangelernährt werden: Die Haarzellen selbst werden nicht im eigentlichen Sinne durchblutet – sie werden vielmehr aus der Gewebeflüssigkeit ernährt, die sie umgibt. Wie wirksam solch eine Infusionstherapie bei Tinnitus im  Einzelfall ist, lässt sich nicht genau sagen. Dennoch scheint sie bei manchen Betroffenen zu wirken, auch wenn der genaue Grund hierfür bisher wissenschaftlich nicht ergründet werden konnte.

Besteht die Ursache des akuten Tinnitus in einem Ohrschmalzpfropf (häufige Ursache), so kann der Arzt diesen umgehend schmerzfrei entfernen.

Bei Tinnitus bestehen die größten Erfolgsaussichten, wenn eine Behandlung so früh wie möglich, günstigstenfalls innerhalb der ersten 24 bis 48 Stunden nach dem Tinnitus-Ereignis, durchgeführt werden. Ein Tinnitus ist jedoch kein Notfall, sondern ein sogenannter Eilfall. "So früh wie möglich" heißt also nicht unbedingt "sofort".

Verfallen Sie daher bei einem plötzlich auftretenden Ohrgeräusch nicht in Panik, sondern versuchen Sie Ruhe zu bewahren. In der Regel ist es kein Problem, die kommende Nacht darüber zu schlafen – häufig verschwinden die Ohrgeräusche auch bis zum nächsten Morgen. Sollten die Ohrgeräusche am Morgen doch noch da sein, sollten Sie möglichst zeitnah einen Hals-Nasen-Ohren-Arzt zurate ziehen – spätestens jedoch nach zwei Tagen.

Falls Sie zusätzlich zum Tinnitus das Gefühl haben, schlechter zu hören, gehen Sie möglichst sofort zum HNO-Arzt.

Hyperbare Sauerstofftherapie

Falls eine Infusionstherapie keine Besserung bringt, kann ein akuter Tinnitus auch mit der sogenannten hyperbaren Sauerstofftherapie behandelt werden,– allerdings ist diese Form der Behandlung umstritten und wird auch von den gesetzlichen Krankenkassen nicht bezahlt.

Die hyperbare Sauerstofftherapie beruht auf der Annahme, dass bei Tinnitus ein Sauerstoffmangel im Innenohr vorliegen kann. Beim Aufenthalt in einer Überdruckkammer atmet der Betroffene Sauerstoff über eine Atemmaske ein. Mithilfe des erhöhten Drucks gelangt mehr Sauerstoff ins Gewebe und Blut, sodass auch das Innenohr mit mehr Sauerstoff versorgt wird. Sofern die Ursache des Tinnitus eine Durchblutungsstörung ist, lassen sich die Ohrgeräusche auf diese Weise in einigen Fällen mindern. Bei chronischem Tinnitus zeigt die hyperbare Sauerstofftherapie dagegen selten eine Wirkung.

Chronischer subjektiver Tinnitus

Auch bei einem Tinnitus, der bereits drei Monate oder länger besteht, verabreicht der Arzt bei der erstmaligen Behandlung teilweise Infusionen mit gefäßerweiternden Mitteln (teilweise kombiniert mit entzündungshemmenden Wirkstoffen wie Glukokortikoiden) oder mit gerinnungshemmenden Mitteln.

Daneben spielt Entspannung bei der Behandlung von chronischem Tinnitus eine große Rolle. Mithilfe von regelmäßig durchgeführten Entspannungsübungen sollen die Betroffenen lernen, einerseits Stresssituationen besser zu beherrschen und andererseits den Tinnitus zu überhören. Letzteres geschieht, indem man sich zum Beispiel auf andere Geräusche in der Umgebung konzentriert. Denn beim Versuch, einen Tinnitus zu kontrollieren, fixieren sich Betroffene oft sehr stark auf die Ohrgeräusche, die sich dadurch noch mehr in den Vordergrund drängen. Entspannungstechniken wie autogenes Training, progressive Muskelentspannung oder Yoga können dabei helfen, Anspannung und Konzentration auf die Ohrgeräusche allmählich abzubauen.

Eine kognitive Verhaltenstherapie kann dabei helfen, mit dem Tinnitus und mit Stresssituationen besser umgehen zu können und dadurch Erleichterung schaffen.

Tinnitus-Retraining-Therapie (TRT)

Eine recht erfolgreiche Behandlungsmöglichkeit bei chronischem Tinnitus ist die sogenannte Tinnitus-Retraining-Therapie (TRT). Grundlage dieser Behandlung ist die Erkenntnis, dass es möglich ist, den Tinnitus aus dem Bewusstsein zu verdrängen und den Betroffenen dadurch zu entlasten. Eine Heilung im eigentlichen Sinne ist mithilfe der TRT jedoch nicht möglich.

Ein subjektiv empfundener Tinnitus kann unterschiedlich laut sein. Wie laut die zunächst harmlosen Ohrgeräusche wahrgenommen werden, kann die Folge eines ungünstigen Lernprozesses sein: Weil man dem Geräusch immer mehr Aufmerksamkeit schenkt, nimmt man es immer stärker wahr und empfindet es zunehmend als unangenehm und laut – auch wenn es im Grunde sehr leise ist. Das Geräusch verselbstständigt sich. So löst der Tinnitus schließlich körperliche Stressreaktionen aus, welche wiederum den Tinnitus verstärken können – ein Teufelskreis.

So, wie es möglich ist, durch negative Lernprozesse eine Tinnitus-Wahrnehmung zu verstärken, ist es jedoch auch möglich, zu lernen, sich an die Ohrgeräusche zu gewöhnen, sodass man sie kaum noch wahrnimmt beziehungsweise sie nicht mehr als störend empfindet. Auf diese Weise kann eine Tinnitus-Retraining-Therapie den Teufelskreis unterbrechen.

Normalerweise filtert das Gehirn Hintergrundgeräusche aus unserer Wahrnehmung raus. Beim Tinnitus scheint dies jedoch nicht richtig zu funktionieren. Mithilfe einer Tinnitus-Retraining-Therapie kann eine normale Geräuschverarbeitung wieder hergestellt und die akustische Wahrnehmung im Gehirn wieder umtrainiert (retrainiert) werden.

Bei der Tinnitus-Retraining-Therapie arbeiten in der Regel ein HNO-Arzt, ein Psychologe und ein Hörgeräteakustiker mit dem Betroffenen zusammen. Die TRT besteht zunächst aus:

  • den sogenannten Counselings (Beratung und Aufklärung),
  • damit verbundenen diagnostischen Verfahren,
  • einer psychologischen Betreuung sowie
  • einer Abschwächung der Stressreaktionen durch Entspannungstechniken.

Im Counseling erfährt der Betroffene, welche Ursachen sich hinter dem Tinnitus verstecken. Eventuelle Fehlinformationen, die der Betroffene vielleicht zum Thema Tinnitus hat, können hier berichtig werden. Es wird darüber aufgeklärt, dass das Retraining zwar nicht dazu führt, dass die Ohrgeräusche beseitigt werden, aber in den meisten Fällen eine Besserung in dem Sinne erreicht wird, dass man den Tinnitus mehr oder weniger vergisst und er in diesem Sinne auch "verschwinden" kann.

Ein wichtiges Element des Retrainings ist das Erlernen und Ausüben von Methoden, die insgesamt dazu dienen, sich vom Tinnitus abzulenken, Stress zu reduzieren und das persönliche Wohlbefinden zu steigern. Häufig besitzen Betroffene das hierfür nötige Wissen zum Teil schon, müssen sich dessen aber erst bewusst werden.

Zusätzlich werden in vielen Fällen sogenannte Rauschgeräte angepasst. Rauschgeräte sind Tongeber, die die Betroffenen wie kleine Hörgeräte hinter oder im Ohr tragen. Sie produzieren ständig ein leises, breitbandiges Rauschen (sog. weißes Rauschen, engl. white noise), das den Tinnitus absichtlich nicht verdeckt, aber vom Tinnitus ablenkt und dem Gehirn so eine Gewöhnung an die Ohrgeräusche ermöglicht. (Inzwischen gibt es auch Apps mit weißem Rauschen fürs Smartphone.) Denn insbesondere bei Stille, wie etwa abends beim Einschlafen, nehmen Betroffene den Tinnitus stärker und dadurch auch als störend wahr. Liegt beim Betroffenen eine Hörminderung vor, lassen sich die Rauschgeräte mit einem Hörgerät kombinieren. Die Tongeber kann man selbstständig einstellen, sie sollten jedoch generell nur so laut oder leise eingestellt sein wie die Ohrgeräusche wahrgenommen werden, da der Tinnitus sonst nicht effektiv abtrainiert werden kann.

Durch die Kombination von Beratung, Stressminderung und Rauschgeräten lernt das Hörsystem im Gehirn, auf akustische Reize wieder normal zu reagieren, sodass der Tinnitus seine negative Bedeutung verliert. Die Tinnitus-Retraining-Therapie kann ambulant durchgeführt werden und dauert zwischen ein und zwei Jahren.

Weitere Therapiemöglichkeiten

Bei einem chronischen Tinnitus können je nach Ursache weitere Therapiemöglichkeiten in Erwägung gezogen werden:

  • Halswirbelsäule: Hängt der Tinnitus mit Veränderungen oder Muskelverspannungen im Bereich der Halswirbelsäule (HWS) zusammen, kann eine Behandlung mittels manualmedizinischer oder osteopathischer Methoden sinnvoll sein.
  • Kiefergelenke / Kauapparat: Auch Veränderungen im Bereich der Kiefergelenke bzw. des Kauapparates können einen Tinnitus hervorrufen. Hier sollten im Rahmen einer Behandlung entsprechende Experten hinzugezogen werden, z.B. ein Kieferorthopäde oder ein Zahnarzt mit funktionstherapeutischer Ausrichtung.

Ginkgo biloba

Ginkgo-biloba-Präparate sollen unter anderem die Durchblutung fördern. Aus diesem Grund kommt Ginkgo immer wieder auch bei Tinnitus zum Einsatz. Ob er tatsächlich wirkt, ist jedoch fraglich, denn Studienergebnisse zur Wirkung von Ginkgo bei Tinnitus sind widersprüchlich. So kommen neuere große Studien sowie vergleichende Analysen anderer Studien (Metanalysen) beispielsweise zu dem Schluss, dass Ginkgo bei Tinnitus im Grunde kaum besser als ein Placebo (Scheinmedikament) wirkt.

Objektiver Tinnitus

Bei einem objektiven Tinnitus hängt die Behandlung davon ab, welche anatomischen oder physiologischen Ursachen hinter den Ohrgeräuschen stecken. Eine Beseitigung der Ursache ist nicht allen Fällen möglich.



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