Taubheit, Gehörlosigkeit: Verlauf

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (30. Dezember 2015)

Eine frühe einseitige Taubheit stört – anders als eine völlige Gehörlosigkeit – den Verlauf der Sprachentwicklung nicht unbedingt. Wie sich eine frühe beidseitige Taubheit bei Kindern auf den normalen Spracherwerb auswirkt, hängt vom Zeitpunkt des Hörverlusts ab:

  • Ist ein Kind vor dem Erwerb der Muttersprache auf beiden Ohren taub, ist keine normale Sprachentwicklung möglich.
  • Ein beidseitiger Hörverlust vor dem siebten Lebensjahr kann ohne Gegenmaßnahmen den vollständigen Verlust des bis dahin erworbenen Sprachwortschatzes bedeuten.
  • Tritt die Gehörlosigkeit erst nach dem siebten Lebensjahr ein, bleibt der Wortschatz erhalten.

Eine frühe Diagnose und entsprechende Maßnahmen können bei beidseitiger Taubheit den Verlauf des Spracherwerbs günstig beeinflussen: Zum einen kann der frühzeitige Einsatz einer Innenohrprothese (sog. Cochlea-Implantat) die Sprachfähigkeit eines Kleinkindes positiv beeinflussen. Mithilfe dieser Maßnahme haben in den letzten Jahren viele Betroffene die Fähigkeit zu hören erlangt. Zum anderen wirkt es sich positiv auf die Beherrschung von Sprache aus, wenn gehörlose Kinder so früh wie möglich (am besten ab der Geburt) die Chance erhalten, die Gebärdensprache zu lernen: Dies macht auch das Erlernen der Lautsprache leichter.

Bei Behandlung einer Taubheit mit einem Cochlea-Implantat ist zu beachten, dass ein derartiges Gerät mit etwa 20 Elektroden nur begrenzt die Funktion des gesunden Ohrs mit beispielsweise 30.000 Nervenfasern übernehmen kann. Das Hören mit einem Cochlea-Implantat nach einer Gehörlosigkeit ist demnach nicht mit dem normalen Hörempfinden vergleichbar. Da das Implantat die akustischen Reize in weniger Tonhöhen und -tiefen umwandelt, gleicht das Hörerlebnis eher einer metallenen Computerstimme. So ist es beispielsweise praktisch unmöglich, unerwünschte Nebengeräusche herauszufiltern.

  • Kinder, die nie gehört haben, sondern von Geburt an auf beiden Ohren taub sind, werden sich daran wenig stören.
  • Wenn die Taubheit erst im Verlauf des Lebens entsteht, haben die Betroffenen (v.a. Erwachsene) hingegen anfangs häufig Probleme mit der Umstellung.

Ohne intensive Förderung bedeutet beidseitige Taubheit, dass die lautsprachliche Kommunikation eingeschränkt ist oder völlig verloren geht. So kann Gehörlosigkeit in unserer besonders auf das Hören und Sprechen ausgerichteten Gesellschaft dazu führen, dass die Betroffenen vereinsamen, aus dem Kreis derer, die die Gebärdensprache nicht beherrschen, zunehmend ausgeschlossen sind und sogar ihren Arbeitsplatz und Freundschaften verlieren.


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