Taubheit, Gehörlosigkeit: Was ist das?

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (30. Dezember 2015)

Taubheit ist ein Hörverlust, der einseitig oder beidseitig auftreten kann. Ist nur ein Ohr taub, ist die Fähigkeit beeinträchtigt, Richtung und Entfernung einer Schallquelle festzustellen. Sind beide Ohren taub, liegt eine Gehörlosigkeit vor: Dann sind Geräusche und Töne nicht mehr wahrnehmbar.

Bei Gehörlosigkeit bezieht sich die medizinische Definition nur auf das Hörvermögen. Dabei unterscheiden Mediziner zwischen absoluter und praktischer Taubheit:

  • Absolute Taubheit bedeutet einen Hörverlust von mehr als 60 Dezibel (dB) im Bereich zwischen 125 und 250 Hertz (Hz) sowie von mehr als 100 dB im restlichen Frequenzbereich.
  • Praktische Taubheit bedeutet, dass Hörverluste zwischen 85 und 100 dB vorliegen. Diese sogenannte Resthörigkeit oder an Taubheit grenzende Schwerhörigkeit ermöglicht noch eine Wahrnehmung einzelner Töne oder Geräusche (sog. Hörreste).

Daneben definiert die Gemeinschaft der Gehörlosen die Gehörlosigkeit auch über sprachliche und kulturelle Identität: Demnach sind Gehörlose Hörbehinderte, die vorzugsweise in Gebärdensprache kommunizieren und sich als Teil dieser Sprachgemeinschaft und deren Kultur sehen. Auch wer selbst nicht von Taubheit betroffen ist, aber die Gebärdensprache beherrscht, kann sich als Mitglied dieser Sprachgemeinschaft und Kultur verstehen.

Eine beidseitige Taubheit kann schon bei der Geburt bestehen (angeborene Taubheit oder Gehörlosigkeit) oder sich erst im Lauf des Lebens entwickeln (erworbene Taubheit). Abhängig davon, zu welchem Zeitpunkt das Hörvermögen verloren geht, sind folgende Formen zu unterscheiden:

  • Prälinguale Taubheit: Die Betroffenen sind schon gehörlos, bevor sie eine Sprache entwickeln können.
  • Postlinguale Taubheit: Die beidseitige Taubheit stellt sich erst nach erfolgter Sprachentwicklung ein.

Diese Unterteilung ist wichtig hinsichtlich der Folgen, die eine beidseitige Taubheit für den normalen Spracherwerb eines Kindes haben kann:

  • Macht ein Hörverlust ein Kind schon vor dem siebten Lebensjahr auf beiden Ohren taub, ist dies ohne Gegenmaßnahmen meist mit dem vollständigen Verlust des bis dahin erworbenen Sprachwortschatzes verbunden.
  • Tritt die Gehörlosigkeit erst nach dem siebten Lebensjahr ein, bleibt der Wortschatz erhalten.

Eine frühe einseitige Taubheit hingegen beeinträchtigt das Kind nicht in seiner Sprachentwicklung.

Häufigkeit

In der Bundesrepublik Deutschland sind etwa 80.000 Menschen von beidseitiger Taubheit oder Gehörlosigkeit betroffen, was einer Häufigkeit von etwa 0,1 Prozent entspricht. Jedes Jahr kommen ungefähr 600 bis 800 Kinder in Deutschland gehörlos zur Welt.

Historisches

Seit dem 17. Jahrhundert sind die Zusammenhänge zwischen Gehör und Sprechen bekannt – und somit die möglichen Folgen von Taubheit oder Gehörlosigkeit. Diese Erkenntnis bildete die Voraussetzung dafür, Schulen für Gehörlose zu schaffen. Die Gründung der ersten Gehörlosenschule fand in Deutschland als Taubstummen-Anstalt 1788 in Berlin statt.


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