Stottern, Poltern und Stammeln: Definition

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (15. Dezember 2015)

Stottern, Poltern und Stammeln sind verschiedene Störungen des Sprechens und / oder der Sprache:

  • Bei Sprechstörungen sind Redefluss und Lautbildung beziehungsweise Aussprache (Artikulation) der Sprache gestört – Fähigkeiten, für die eine koordinierte Zusammenarbeit der motorischen und sensorischen Sprachregion des Gehirns, des Sprechapparats und der Stimme nötig ist. Eine Sprechstörung geht mit einer beeinträchtigten motorischen Lauterzeugung einher und kann die mündliche (verbale) Verständigung behindern. Sprechstörungen sind in der Regel bis zu einem Alter von fünf Jahren in einem gewissen Ausmaß normal.
  • Bei Sprachstörungen sind Sprachentwicklung und Sprachverständnis nicht altersgerecht entwickelt. Unter anderem können einzelne körperliche Erkrankungen, besonders des Nervensystems, die normale Entwicklung der Sprache verlangsamen oder eine bereits erlernte Sprachfähigkeit wieder vermindern. Daher können Sprachstörungen bei Kindern Anzeichen für seltene und komplexe Krankheiten sein.

Stottern (auch Balbuties genannt) ist eine Sprechstörung, bei welcher der Redefluss durch Verspannungen der Sprechmuskulatur und / oder schnelle Wiederholungen von Lauten, Silben oder Wörtern unterbrochen ist – es entstehen stottertypische Sprechunflüssigkeiten. Etwa 5 Prozent der 5-jährigen Jungen und 2 Prozent der 5-jährigen Mädchen sind Stotterer.

Poltern ist eine Kombination aus Sprachstörung und Sprechstörung, bei der das Sprechtempo überstürzt und unregelmäßig ist und das Sprechen mit vielen Fehlern einhergeht, sodass die Verständlichkeit beeinträchtigt ist. Die Störung liegt nicht im Sprechvorgang selbst, sondern in der gedanklichen Vorbereitung. Das Poltern kommt bei etwa 1 bis 1,5 Prozent der 7-jährigen Kinder vor.

Stammeln (auch Dyslalie genannt) ist ebenfalls eine kombinierte Sprach- und Sprechstörung – wer stammelt, macht Fehler in der Lautbildung, die für das Entwicklungsalter nicht normal sind. Etwa 7 Prozent der 5-jährigen Jungen und 2 Prozent der 5-jährigen Mädchen haben eine solche deutlich ausgeprägte Lautbildungsstörung.

Sprachentwicklung

Sprach- und Sprechstörungen wie Stottern, Poltern und Stammeln können entstehen, wenn bei Kindern keine normale Sprachentwicklung stattfindet.

Sprache ist unser wichtigstes Mittel zur Kommunikation mit der Umwelt. Die "normale" Sprache entsteht durch ein erstaunliches Zusammenspiel von Muskeln, Knochen, Bindegewebsapparat, Zahnstellung und Form der Stimmbänder. Der Sprechvorgang ist zwar untrennbar mit unseren Gefühlen verbunden, für seine Steuerung ist trotzdem das Gehirn zuständig. Die Sprachentwicklung von Kindern läuft so ab:

  • Zwischen dem 3. und 5. Lebensmonat beginnt die wahrnehmbare Sprachentwicklung mit der Bildung von ersten Vokalen und Blas- sowie Schreilauten.
  • Danach verwenden Kinder zunehmend mehr Konsonanten.
  • Ab dem 6. Monat beginnen Kinder, Sprache nachzuahmen. Lange Zeit ist dabei das Sprachverständnis (rezeptive Sprache) weiterentwickelt als der sprachliche Ausdruck (expressive Sprache).
  • Zwischen 12 und 18 Monaten sprechen Kleinkinder die ersten Wörter.
  • Im Alter von 2 Jahren sind Zweiwortsätze die Regel.
  • Ab dem Kindergartenalter können sie sich dann in vollständigen und grammatikalisch meist richtigen Sätzen unterhalten, auch wenn sie teilweise noch Schwierigkeiten mit der richtigen Aussprache haben.


Wenn ein Kleinkind sprechen lernt, sind Stottern, Poltern oder Stammeln oft auffällige Anteile der normalen Sprachentwicklung – bald lassen sie von selbst wieder nach. In manchen Fällen treten jedoch Mängel in der Sprachentwicklung auf, die zu Sprachstörungen und Sprechstörungen im Kindesalter führen: Dann ist eine geeignete Behandlung nötig.

Sprechen erscheint für den Gesunden ganz einfach – es geschieht fast wie von selbst. Jedoch sind bei einem so komplexen System viele Störungen, Behinderungen und Einflüsse möglich, die uns "die Sprache verschlagen" können. Um Störungen des Sprechens und der Sprache – wie Stottern, Poltern oder Stammeln – bei Kindern zu erkennen und zu behandeln, ist es je nach Fall wichtig, dass Fachleute verschiedener Bereiche zusammenarbeiten: Dies sind zum Beispiel Kinderärzte, Kinder- und Jugendpsychiater, Hals-Nasen-Ohren-Ärzte, Neurologen oder Sprachheiltherapeuten (Logopäden).


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