Spina bifida (offener Rücken): Therapie

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (07. April 2016)

Bei einer Spina bifida (offener Rücken) richtet sich die Therapie nach Art und Ausmaß der Wirbelsäulenfehlbildung:

  • Die leichte Form der Fehlbildung, die Spina bifida occulta (d.h. die verborgene Form), macht in einigen Fällen gar keine Behandlung notwendig, da sie teils keinerlei Auswirkungen hat.
  • Bei der Spina bifida aperta (d.h. der offenen Form) kann der Defekt hingegen deutlich ausgeprägt sein. Dann ist eine mikrochirurgische Operation spätestens innerhalb von 48 Stunden nach der Geburt ratsam, um Rückenmark und Nerven zu schützen.

Eine ausgeprägte Spina bifida operativ zu behandeln kann die Überlebenschancen deutlich bessern. In manchen Kliniken ist es auch möglich, einen offenen Rücken schon vor der Geburt operativ verschließen zu lassen. Vorteil ist, dass die betroffenen Rückenmarksanteile und Nerven des Kindes so schon im Mutterleib geschützt sind, sodass die Nervenfunktionen besser erhalten bleiben. Vorgeburtliche Eingriffe können allerdings auch ein erhöhtes Risiko – beispielsweise für eine Frühgeburt – bedeuten.

Nach der operativen Behandlung einer Spina bifida bilden sich an der Operationsstelle meist Narben, die das Rückenmark anheften und so während des Wachstums behindern können (sog. Tethered Cord): Dies macht später eventuell einen weiteren Eingriff nötig, um das Rückenmark wieder zu lösen.

Wenn die Zirkulation der Hirn- und Rückenmarksflüssigkeit durch die Spina bifida gestört ist, kann das Kind einen Wasserkopf (sog. Hydrocephalus) entwickeln. Dann ist es notwendig, einen sogenannten Shunt zur Entlastung anzulegen: Dazu setzt der Arzt operativ einen Katheter ein, der die Hirnflüssigkeit (Liquor) von den Hirnventrikeln in die vom Bauchfell (Peritoneum) ausgekleidete Bauchhöhle ableitet.

Ist die Spina bifida mit Entleerungsstörungen der Blase verbunden, kommen dagegen sowohl Medikamente als auch eine Katheterisierung (d.h. Harnableitung durch einen in die Blase eingeführten Schlauch) oder eine Operation in Betracht. Die Therapie soll in jedem Fall verhindern, dass infolge der Blasenentleerungsstörung aufsteigende Infektionen entstehen, die sich auf die Nieren ausbreiten und dort Schäden verursachen könnten.

Um Gelenkdeformierungen infolge einer Spina bifida entgegenzuwirken, können eine Krankengymnastik (bzw. Physiotherapie) und orthopädische Hilfsmittel (z.B. Korsetts oder speziell angefertigte Schuhe) hilfreich sein. Häufig sind auch hier Operationen nötig, um gute Behandlungsergebnisse zu erzielen. Der Zweck dieser Maßnahmen besteht darin, die durch den offenen Rücken eingeschränkten Funktionen möglichst auszugleichen.

Vollständig heilbar ist die Spina bifida jedoch nicht – einige Betroffene benötigen eine lebenslängliche medizinische Betreuung. Dabei ist es wichtig, dass – neben den ganzen nötigen körperlichen Behandlungsmaßnahmen – auch die geistige und seelische Ebene nicht zu kurz kommen. Die Intelligenz der Kinder kann sich aber normal entwickeln – spezielle Programme zur geistigen Förderung sind daher nur nötig, wenn ein offener Rücken zusammen mit Hirnfehlbildungen auftritt und darum die Intelligenz gemindert ist.


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