Spina bifida (offener Rücken): Definition

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (07. April 2016)

Die Spina bifida (offener Rücken) ist eine Fehlbildung im Bereich der Wirbelsäule und des Rückenmarks. Der lateinische Begriff Spina bifida bedeutet wörtlich übersetzt gespaltenes Rückgrat. Da sich die Wirbelsäule und das Rückenmark beim Embryo aus dem sogenannten Neuralrohr entwickeln, handelt es sich um einen sogenannten Neuralrohrdefekt. Neuralrohrdefekte sind nach Herzfehlern die zweithäufigsten angeborenen Fehlbildungen.

Wie entsteht eine Spina bifida?

Während der Embryonalentwicklung verschmelzen die beiden Bogenanteile der Wirbel normalerweise und bilden mit dem Wirbelkörper einen Ring, der das Wirbelloch nach hinten begrenzt. Im Wirbelloch selbst liegt das Rückenmark, umgeben von den Rückenmarkshäuten. Eine Spina bifida entsteht, wenn dieser Bogenschluss eines oder mehrerer Wirbel ausbleibt und ein Spalt entsteht. Durch diesen Spalt können sich die Rückenmarksanteile und Nerven sackförmig vorwölben (Zele). Lendenwirbelsäule und Kreuzbein sind häufiger betroffen als Brust- oder Halswirbelsäule: Meistens bildet sich ein offener Rücken am Übergang zwischen fünftem Lendenwirbel und erstem Kreuzbeinwirbel.

Die Spina bifida tritt in verschiedenen Formen auf:

  • Spina bifida occulta (lat. occulta = verborgen):
    Hierbei sind nur Wirbelbögen gespalten – das Rückenmark ist nicht beteiligt. Diese meist bedeutungslose Form der Fehlbildung ist sehr häufig; Ärzte entdecken sie meist zufällig auf Röntgenaufnahmen.
  • Spina bifida aperta (lat. aperta = offensichtlich vorhanden):
    In diesem Fall sind neben den Wirbelbögen auch Rückenmarkshäute und/oder das Rückenmark in die Spaltbildung einbezogen.

Um die möglichen Ausprägungen der Spina bifida aperta zu unterscheiden, unterteilt man sie in folgende Erkrankungsbilder:

  • Rhachischisis: Dies ist eine andere Bezeichnung für die Spina bifida aperta und bedeutet wörtlich Wirbelsäulenspalt. Den Begriff verwenden Mediziner jedoch häufig für besonders schwere Befunde, bei denen das Nervengewebe völlig bloßgelegt ist und ein Hautüberzug fehlt.
  • Meningozele: Hierbei wölben sich lediglich die Rückenmarkshäute (Meningen) durch den Wirbelbogenspalt unter der Haut vor. Das Rückenmark befindet sich in seiner normalen Lage. Die Meningozele macht etwa zehn Prozent der Fälle einer Spina bifida aus.
  • Meningomyelozele: Hierbei befinden sich sowohl die Rückenmarkshäute (Meningen) als auch das Rückenmark außerhalb des Wirbelbogens, was als Vorwölbung (Zele) unter der Haut sichtbar ist.

Häufigkeit

Die Häufigkeit von Neuralrohrdefekten wie der Spina bifida ist von Land zu Land unterschiedlich: Sehr häufig tritt ein offener Rücken beispielsweise in Nord-Irland auf, wo 10 von 1.000 Schwangerschaften betroffen sind. In Mitteleuropa sind 1 bis 2 von 1.000 Schwangerschaften betroffen, in den USA 1 bis 5 von 1.000 Lebendgeburten.

Je mehr Familienangehörige einen Neuralrohrdefekt haben, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass deren zukünftige Kinder den Defekt auch entwickeln. Kommt in einer Familie ein Kind mit Spina bifida zur Welt, beträgt das Risko, dass weitere Kinder ebenfalls betroffen sind oder eine Anenzephalie (Hirnfehlbildung) haben, 1,5 bis 3 Prozent. Beim weiblichen Geschlecht ist ein offener Rücken etwas häufiger zu finden als beim männlichen.


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