Speiseröhrenkrebs (Ösophaguskarzinom): Diagnose

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (22. Januar 2015)

Um bei Speiseröhrenkrebs (Ösophaguskarzinom) eine Diagnose zu stellen, fragt der Arzt zunächst nach den Beschwerden.

Hat der Patient Schluckstörungen (Dysphagien) und zudem an Gewicht verloren, ist Speiseröhrenkrebs eine mögliche Ursache. Starker Alkohol- und Tabakkonsum sowie eine schleichende Entwicklung der Beschwerden stützen den Verdacht auf Speiseröhrenkrebs.

Zur weiteren Diagnose kommen verschiedene Untersuchungen infrage, die den Verdacht auf Speiseröhrenkrebs entkräften oder bestätigen können. Ist die Diagnose "Ösophaguskarzinom" gesichert, kann der Arzt mithilfe dieser Methoden zudem feststellen, um welche Krebsart es sich handelt und ob sich der Krebs bereits ausgebreitet hat. So kann er anschließend die beste Therapie auswählen.

Speiseröhrenspiegelung (Ösophagoskopie)

Bei der Speiseröhrenspiegelung untersucht der Arzt die Speiseröhre mit einem dünnen, flexiblen Schlauch mit integrierter Kamera (Endoskop). Für die Untersuchung muss der Patient den Schlauch wie bei einer Magenspiegelung "schlucken". Normalerweise ist dies schmerzfrei – jedoch für die meisten Untersuchten eine unangenehme Vorstellung. Aus diesem Grund bietet der Arzt dem Betroffenen in der Regel vorbeugend ein leichtes Schmerz- und/oder Beruhigungsmittel an.

Mit dem Endoskop betrachtet der Arzt die Schleimhaut der Speiseröhre und entnimmt gegebenenfalls kleine Proben (Biopsien) aus auffälligen Bereichen. Diese Proben sind notwendig, um den jeweiligen Tumortyp bei Speiseröhrenkrebs zu bestimmen und so die Diagnose zu sichern. Außerdem liefert die Speiseröhrenspiegelung Antworten auf folgende Fragen:

  • In welchem Abschnitt der Speiseröhre ist die Schleimhaut betroffen?
  • Liegen mehrere Krebsherde in der Schleimhaut vor?
  • Ist die Speiseröhre eingeengt?

In manchen Fällen kann der Arzt Speiseröhrenkrebs, der in die Speiseröhre vorragt und die Nahrungspassage behindert, bei dieser Untersuchung gleich oberflächlich entfernen.

Röntgenuntersuchung

Kontrastmitteldarstellung der Speiseröhre

Mithilfe eines breiförmigen Kontrastmittels, das der Betroffene zuvor schluckt, kann der Arzt bei einer Röntgendurchleuchtung sehen, ob die Speiseröhre verengt ist, zum Beispiel durch eine Geschwulst. Die Untersuchung wird auch Ösophagusbreischluck genannt.

Computertomographie

Eine Computertomographie (CT) des Brustkorbs und eventuell auch des Halses zeigt, ob sich der Krebs in die Umgebung der Speiseröhre ausgebreitet hat – beziehungsweise ob Lymphknoten oder andere Organe befallen sind.

Endosonographie

Die Endosonographie ist eine spezielle Form der Ultraschalluntersuchung. Das Vorgehen ähnelt der Speiseröhrenspiegelung, weil der Patient hierbei auch einen kleinen Schlauch schlucken muss. An dessen Spitze ist ein Ultraschallgerät befestigt, mit dem der Arzt die Speiseröhre dann "von innen" untersuchen kann.

Kernspintomographie

Die Kernspintomographie (Magnetresonanztomographie, MRT) ist eine Schichtbilduntersuchung, mit welcher der Arzt den Tumor sehr gut von gesundem Gewebe abgrenzen kann. Dies erlaubt ihm, noch exakter zu bestimmen, wie sich der Speiseröhrenkrebs innerhalb der Speiseröhrenwand und deren Umgebung ausgebreitet hat.

Lungenspiegelung (Bronchoskopie)

Eine Lungenspiegelung (Bronchoskopie) ist eine Sichtuntersuchung der Luftröhre und Bronchien mithilfe eines schlauchförmigen Instruments mit integrierter Kamera (Bronchoskop). Sie ermöglicht dem Arzt, Schleimhautveränderungen der Luftröhre und der nachfolgenden großen Bronchien zu erkennen und gegebenenfalls Gewebeproben für eine mikroskopische Untersuchung zu gewinnen (Biopsie). Verursacht eine Geschwulst Atembeschwerden, kann der Arzt während der Lungenspiegelung diesen Knoten oft teilweise entfernen und so die Beschwerden lindern.

Bauchhöhlenspiegelung (Laparoskopie)

In manchen Fällen ist auch eine Spiegelung der Bauchhöhle angezeigt (Laparoskopie), etwa wenn das Ösophaguskarzinom den unteren Bereich der Speiseröhre befällt und in den Magen hineinwächst. Mittels dieses bildgebenden Verfahrens kann der Arzt beurteilen, ob der Speiseröhrenkrebs bereits Tochtergeschwulste im Bauchraum und den dort liegenden Lymphknoten gebildet hat. Findet der Arzt auffällige Geschwulste, kann er die Laparoskopie auch dazu nutzen, um kleine Gewebeproben für eine feingewebliche Untersuchung unter dem Mikroskop zu entnehmen.

Bestimmung des Krebs-Stadiums (Staging)

In welchem Stadium sich der Speiseröhrenkrebs befindet, erkennt der Arzt daran, wie er feingeweblich unter dem Mikroskop aussieht und wie weit er sich im Körper ausgebreitet hat.

Bei der Stadienbestimmung (Staging) teilt der Arzt ein Ösophaguskarzinom in die sogenannte TNM-Klassifikation ein:

  • T: Ausdehnung des Tumors in die Tiefe der Speiseröhrenwand
  • N: Anzahl der befallenen Lymphknoten (engl. nodes)
  • M: Befall weiter entfernt liegender Organe durch Tochtergeschwulste (Metastasen)

T – Größe des Tumors:

  • Tx = Tumor kann nicht beurteilt werden
  • T0 = Kein Anhalt für einen Tumor
  • Tis = Carcinoma in situ: kleinste Stufe; der Tumor liegt ganz oberflächlich, ohne in tiefere Schichten der Speiseröhrenwand einzuwachsen
  • T1 = Tumor wächst in innere Wandschichten ein
  • T2 = Tumor wächst in mittlere Wandschichten ein
  • T3 = Tumor wächst in äußere Wandschichten ein
  • T4 = Tumor wächst außerhalb der Speiseröhre in Nachbarstrukturen ein, z.B. in das Brust- oder Zwerchfell oder den Herzbeutel

N – Befall von Lymphknoten in der Umgebung des Tumors:

  • Nx = Lymphknoten können nicht beurteilt werden
  • N0 = Keine regionalen Lymphknotenmetastasen vorhanden
  • N1 = Regionale Lymphknotenmetastasen vorhanden

M – Befall weiterer Organe (Metastasen):

  • Mx = Kann nicht beurteilt werden
  • M0 = Keine Fernmetastasen
  • M1 = Fernmetastasen vorhanden

Der Arzt teilt die Krankheitsstadien nach diesen Kriterien folgendermaßen ein:

  • Stadium 0: Tis, N0, M0
  • Stadium I: T1, N0, M0
  • Stadium IIA: T2-3, N0, M0
  • Stadium IIB: T1-2, N1, M0
  • Stadium III: T3, N1, M0 oder T4 Njedes, M0
  • Stadium IV: Alle Kombinationen mit M1

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