Sonnenstich: Wenn Sonne die Hirnhäute reizt

Veröffentlicht von: Wiebke Raue (12. Juni 2017)

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Ein Sonnenstich (Insolation) entsteht durch eine länger andauernde, direkte und intensive Sonneneinstrahlung auf Kopf, Hals oder Nacken. Ob ein Tag am Strand, eine Wanderung in der prallen Sonne oder eine Sportveranstaltungen im Freien: Wer den Kopf- und Nackenbereich nicht ausreichend schützt, riskiert die typischen Symptome eines Sonnenstichs. Dazu zählen heftige Kopfschmerzen, ein steifer Nacken, Übelkeit und Schwindel.

Was ist ein Sonnenstich?

Ein Sonnenstich gehört, wie auch der Hitzschlag und die Hitzeerschöpfung, zur Gruppe der Hitzeschäden. Ein Sonnenstich entsteht, wenn Sonnenstrahlen die unter der Schädeldecke liegenden Hirnhäute reizen. Mediziner bezeichnen einen Sonnenstich auch als „Insolation“"Heliosis" oder "Ictus solis".

Bestimmte Personengruppen sind besonders gefährdet für einen Sonnenstich. Hierzu zählen

  • Kleinkinder,
  • hellhäutige Personen,
  • ältere Menschen und
  • Personen mit wenig Kopfhaar.

Hat eine Person mit Sonnenstich das Bewusstsein verloren oder ist ihr  Bewusstsein deutlich getrübt, müssen Sie umgehend einen Notarzt alarmieren und Erste Hilfe leisten!

Sonnenstich: Typische Symptome

Je nach dem Ausmaß des Sonnenstichs können die Symptome unterschiedlich stark ausgeprägt sein. Ein besonders charakteristisches Anzeichen für einen Sonnenstich ist ein heißer, hochroter Kopf beziehungsweise Nacken – die restliche Hautbereiche erscheinen dagegen unauffällig.

Typische Symptome für einen Sonnenstich sind:

Die Körpertemperatur ist bei einem Sonnenstich häufig normal. Vor allem kleine Kinder können jedoch auch Fieber bekommen. Bei einem schweren Sonnenstich kann ein Krampfanfall entstehen. Dies passiert, wenn der Druck im Gehirn zu sehr ansteigt.

Beachten Sie: Die für einen Sonnenstich typischen Symptome treten oft erst Stunden nach dem Aufenthalt in der Sonne auf. Vor allem bei Kindern setzen die Symptome häufig erst verzögert ein; die Kinder bekommen zum Beispiel plötzlich Kopfschmerzen und müssen sich übergeben. Möglicherweise befindet sich die betroffene Person also längst wieder im Schatten, wenn die Beschwerden einsetzen. Daher sollten Sie auch dann einen Sonnenstich in Betracht ziehen, wenn die Symptome erst nach dem Sonnenbad einsetzen.

Eine von der Hitze erschöpfte junge Frau © Jupiterimages/iStockphoto

Wer nach dem Sonnenbad über Symptome wie Kopfschmerzen und Schwindel klagt, könnte einen Sonnenstich erlitten haben.

Sonnenstich: Ursachen

Ein Sonnenstich (Insolation) entsteht, wenn intensive Sonneneinstrahlung über längere Zeit direkt auf den ungeschützten Kopf trifft. Durch die pralle Sonne wird das Gehirn stärker durchblutet und es dehnt sich aus. Die Folge: Die unter der Schädeldecke liegenden Hirnhäute (Meningen) werden gereizt.

Ein Sonnenstich tritt oft im Rahmen länger andauernder Aktivitäten im Freien auf – etwa während eines Aufenthalts am Strand oder bei Sportveranstaltungen in der prallen Sonne. Auch Bauarbeiter, die im Freien arbeiten, sollten darauf achten, dass sie sich vor intensiver Sonne schützen. Wanderer und Bergsteiger können ebenfalls leicht einen Sonnenstich bekommen.

Ein Sonnenstich ist die Folge eines langen Aufenthalts in der prallen Sonne ohne ausreichenden Kopfschutz.

Sonnenstich: Daran erkennt man ihn

Woher weiß man, dass eine Person – oder man selbst – einen Sonnenstich hat? Erste Hinweise auf einen möglichen Sonnenstich sind Beschwerden, die nach einem längeren Aufenthalt in der prallen Sonne auftreten, insbesondere, wenn der Kopf nicht gut vor der Sonne geschützt war.

Typische Beschwerden wie ein geröteter und heißer Kopf, Kopfschmerzen, Übelkeit oder Schwindel legen nahe, dass es sich tatsächlich um einen Sonnenstich handelt. Beachten sollten Sie, dass diese Symptome auch noch Stunden nach der eigentlichen Sonneneinstrahlung auftreten können, etwa in der Nacht.

Unterschiede zu Hitzschlag und Hitzeerschöpfung

Der Sonnenstich zählt zu den Hitzeschäden – genau wie etwa

So können Sie Hitzschlag, Hitzeerschöpfung und Sonnenstich unterscheiden:

  • Beim Hitzschlag sind alle Hautbereiche des Körpers heiß, gerötet und trocken. Die Körpertemperatur ist stark erhöht, sie kann auf über 40 Grad Celsius steigen.
  • Beim Sonnenstich sind nur Kopf, Nacken oder Hals heiß und gerötet, der Rest der Körpers erscheint unauffällig. Fieber tritt nur selten auf.
  • Personen, die unter Hitzeerschöpfung leiden, haben hingegen eine blasse, feuchte und kühle Haut. Die Körpertemperatur ist in der Regel nicht erhöht.

Sonnenstich: Therapie

Welche Behandlung bei einem Sonnenstich geeignet ist, richtet sich insbesondere nach dem Zustand des Betroffenen.

Ist die Person bei Bewusstsein, sind folgende Sofortmaßnahmen zu empfehlen:

  • Bringen Sie den Betroffenen sofort in den Schatten und beruhigen Sie ihn.
  • Ist die Person bei Bewusstsein, sollte sie flach liegen, wobei Kopf und Oberkörper leicht erhöht gelagert werden sollten.
  • Entfernen oder öffnen Sie Kleidungsstücke, die den Betroffenen beengen könnten.
  • Kühlen Sie Kopf, Hals und Nacken mit kalten, feuchten Tüchern.
  • Hilfreich ist es, zusätzlich Luft zuzufächeln, etwa mit einem Ventilator.
Ein Ventilator in einem schattigen Raum. © Jupiterimages/Moodboard

Bei einem Sonnenstich ist Kühlen besonders wichtig.

Hat der Betroffene das Bewusstsein verloren oder ist sein Bewusstsein deutlich getrübt, müssen Sie umgehend einen Notarzt alarmieren und Erste Hilfe leisten. Lagern Sie die Person in stabiler Seitenlage, kontrollieren Sie regelmäßig Atmung und Puls.

Ein Kind, das einen Sonnenstich hat, sollte vorsichtshalber immer von einem Arzt untersucht werden.

Sonnenstich: Verlauf

Die Symptome eines Sonnenstichs (Insolation) können auch erst mehrere Stunden nach der Sonneneinstrahlung auftreten. Häufig bemerken die Betroffenen zunächst nicht, dass ihr Kopf zu lange der Sonne ausgesetzt war.

Dauer des Sonnenstichs

In den meisten Fällen bilden sich die Beschwerden wieder vollständig zurück, wenn der Betroffene die Sonne meidet und der Kopf gekühlt wird. Die Dauer des Sonnenstichs kann variieren. Wie lange die Beschwerden anhalten, richtet sich unter anderem danach, wie stark der Sonnenstich ist und ob ein Kind oder ein Erwachsener betroffen ist. In der Regel klingen die Symptome nach einigen Stunden bis höchstens zwei Tagen wieder ab.

Komplikationen

Durch die lange und starke Sonneneinstrahlung kann sich in schweren Fällen Flüssigkeit im Hirngewebe ansammeln – ein Hirnödem entsteht. Durch die Flüssigkeit erhöht sich der Druck im Schädelinneren. Dies kann zu einem Krampfanfall führen oder, wenn wichtige Steuerungszentren des Gehirn eingeklemmt werden, zum Atemstillstand oder Koma. Ein solcher Zustand ist lebensgefährlich und erfordert die sofortige Betreuung durch einen Notarzt.

Vor allem bei kleinen Kindern kann durch die Sonnenstrahlung eine Hirnhautentzündung entstehen. Diese kann bleibende Hirnschäden nach sich ziehen und lebensbedrohlich sein.

Sonnenstich: So beugen Sie vor!

Einem Sonnenstich (Insolation) können Sie vorbeugen:

  • Schützen Sie Kopf und Nacken vor längerer direkter und intensiver Sonneneinstrahlung und halten Sie sich im Schatten auf.
  • Ist es beispielsweise aus beruflichen Gründen nicht möglich, die Sonne zu meiden, sollten Sie unbedingt eine Kopfbedeckung tragen.
  • Bei starker Sonneneinstrahlung sollten Sie möglichst körperliche Anstrengungen meiden und ausreichend Flüssigkeit zu sich nehmen.

Vor allem kleine Kinder sowie Personen mit keinem oder wenig Kopfhaar sollten auf einen ausreichenden Schutz von Kopf und Nacken achten und sich zumindest nicht der prallen Mittagssonne aussetzen.

Eine Mutter hält am Strand ihr Baby auf dem Arm, das einen Sonnenhut auf hat. © Jupiterimages/iStockphoto

Insbesondere kleine Kinder reagieren besonders empfindlich auf Sonneneinstrahlung.

Sonnenstich: Weitere Informationen

ICD-10-Diagnoseschlüssel:

Hier finden Sie den passenden ICD-10-Code zu "Sonnenstich (Insolation)":


Onmeda-Lesetipps:

Linktipps:

www.dwd.deWetterwarnungen des Deutschen Wetterdiensts

Quellen:

Insolation. Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Stand: 12.3.2017)

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Karutz, H. et al.: Kursbuch Erste Hilfe. Deutscher Taschenbuch Verlag, München 2011

Malteser Hilfsdienst (Hg.): Erste-Hilfe-Handbuch. Dorling Kindersley, München 2010

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Keggenhoff, F. Handbuch zur Ersten Hilfe. Deutsches Rotes Kreuz e. V., Berlin 2007

Aktualisiert am: 12. Juni 2017

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