Sonnenallergie (polymorphe Lichtdermatose) – was tun?

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (20. Juni 2017)

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Die Sonnenallergie (polymorphe Lichtdermatose) tritt in Deutschland klimabedingt überwiegend von März bis Juni auf. Bei Reisen in sonnenreiche Regionen kann sie sich hingegen jederzeit ausbilden. Den Betroffenen kann sie die Freude an Sonne ganz schön vermiesen. Doch wer ein paar Tipps beherzigt, kann den Symptomen der Sonnenallergie erfolgreich vorbeugen!

Was ist eine Sonnenallergie?

Mit Sonnenallergie ist in der Regel die polymorphe Lichtdermatose (bzw. Photodermatose: griech. photo = Licht) gemeint. Dies ist eine krankhafte Reaktion der Haut, die bei empfindlichen Menschen auf ungewohnt hohe UV-Strahlung entsteht – zum Beispiel nach einem ausgiebigen Sonnenbad.

  • Das aus dem Griechischen stammende Wort polymorph bedeutet vielgestaltig und bezieht sich darauf, dass die von der Sonnenallergie hervorgerufenen Hautveränderungen unterschiedlich ausgeprägt sein können.
  • Das aus dem Griechischen abgeleitete Wort Dermatose bedeutet Hautkrankheit (griech. derma = Haut).
  • Die volkstümliche Bezeichnung Sonnenallergie rührt daher, dass ihre Symptome den Hautreaktionen ähneln, die infolge einer Allergie auftreten können. Allerdings ist die polymorphe Lichtdermatose keine allergische Reaktion im eigentlichen Sinne.

(UV-)Licht kann verschiedene Erkrankungen der Haut auslösen, die man als Lichtdermatosen oder Photodermatosen zusammenfasst. Die Sonnenallergie ist die häufigste Photodermatose: Etwa 20 Prozent der Deutschen haben eine polymorphe Lichtdermatose, wobei Frauen öfter betroffen sind.

Sonnenallergie (polymorphe Lichtdermatose): Ursachen

Worin genau die Sonnenallergie (polymorphe Lichtdermatose) ihre Ursachen hat, ist unbekannt. Auslöser der Hautreaktionen ist aber immer eine ungewohnt intensive UV-A- und / oder UV-B-Strahlung – zum Beispiel durch ausgiebiges Sonnenbaden im Urlaub:

  • In etwa 75 Prozent der Fälle entsteht eine Sonnenallergie durch die Einwirkung von UV-A-Strahlung.
  • In rund 10 Prozent der Fälle steckt UV-B-Strahlung hinter den Hautveränderungen.
  • In den restlichen 15 Prozent löst eine Kombination aus UV-A- und UV-B-Strahlen die polymorphe Lichtdermatose aus.
Entsprechend gilt die Sonnenallergie als eine primäre idiopathische Lichtdermatose.
  • Primär bedeutet, dass die Sonnenstrahlung der entscheidende ursächliche Faktor für die krankhafte Hautreaktion ist,
  • idiopathisch heißt, dass die genaue Ursache dafür nicht bekannt ist.

Eine Frau sonnt sich in einem Liegestuhl am Strand. © Jupiterimages/Brand X Pictures

UV-Strahlung kann eine Sonnenallergie auslösen – besonders im Urlaub, wenn die Sonnenstrahlung stärker ist als gewohnt.

Bei der als Mallorca-Akne bekannten Sonderform der Sonnenallergie kommen neben der UV-Strahlung noch weitere Auslöser hinzu: verschiedene Inhaltsstoffe von Kosmetikprodukten (wie Sonnencreme). Die typischen Anzeichen (wie rote Flecken, Knötchen, Papeln, manchmal Quaddeln und starker Juckreiz) zeigen sich also nur, wenn UV-Licht auf Haut trifft, auf die entsprechende Produkte aufgetragen wurden.

Zum genauen Entstehungsmechanismus der Sonnenallergie gibt es verschiedene Erklärungsansätze: So machen zum Beispiel einige Wissenschaftler das Immunsystem für die polymorphe Lichtdermatose verantwortlich, während andere die Ursachen in einem Ungleichgewicht zwischen Oxidantien und Antioxidantien vermuten.

Sonnenallergie (polymorphe Lichtdermatose): Symptome

Die mit der Sonnenallergie (polymorphe Lichtdermatose) verbundenen Symptome treten mit Verzögerung auf: Nach der ursächlichen Sonneneinstrahlung können wenige Stunden bis Tage vergehen, bis die Haut auf das UV-Licht reagiert. Erste Anzeichen für die krankhafte Hautreaktion sind:

Typisch dabei ist die örtliche Begrenzung der Sonnenallergie: Symptome entwickeln nur die Hautbereiche, die besonders häufig der Sonne ausgesetzt sind – also vor allem Hals, Dekolleté, Arme, Handrücken, Beine und Gesicht (in absteigender Häufigkeit).

Eine Frau kratzt sich am Hals. © Jupiterimages/iStockphoto

Typisch für die Sonnenallergie: Die Symptome treten nur an den Stellen auf, die besonders viel Sonne abbekommen – am häufigsten an Hals, Dekolleté und Armen.

Im weiteren Verlauf entstehen infolge der Sonnenallergie Hautveränderungen. Diese Symptome können von Person zu Person unterschiedlich aussehen – daher heißt die Sonnenallergie auch polymorphe Lichtdermatose (griech. polymorph = vielgestaltig).

Aber: So vielgestaltig sich die Hautveränderungen bei verschiedenen Menschen auch entwickeln können – bei einer einzelnen Person verursacht die Sonnenallergie stets die gleichen Symptome!

Je nachdem, wie die von der Sonnenallergie ausgelösten Symptome auf der Haut aussehen, unterscheiden Mediziner drei Hauttypen der polymorphen Lichtdermatose:

  • Papulöser Typ (= Typ mit kleinen Hautverdickungen): Die meisten Menschen mit Sonnenallergie entwickeln kleine Hautverdickungen (sog. Papeln), deren Ausprägung und Form unterschiedlich sein kann. Bei diesem Typ kann man zwei Untergruppen unterscheiden:
    • Die Papeln sind sehr klein (1 bis 3 mm) und stehen meist dicht beieinander: sog. kleinpapulöser Typ.
    • Es kommt zu kleinen punktförmigen Einblutungen in die Haut: sog. hämorrhagischer Typ (sehr selten).
  • Plaque-Typ (= Typ mit flachen Hautveränderungen): In manchen Fällen verursacht die polymorphe Lichtdermatose flache Hautveränderungen (sog. Plaques), die je bis zu zwei Zentimeter groß sind.
  • Papulovesikulöser Typ (= Typ mit Hautverdickungen und Bläschen): Hierbei ist die Sonnenallergie durch eine Kombination aus Papeln und verschieden großen Bläschen (Vesikel, Bullae) gekennzeichnet. Es sind zwei Formen möglich:
    • Iktus-Typ: durch quaddelartige Papeln gekennzeichnet, in deren Mitte meist ein Bläschen sitzt
    • vesikulobullöser Typ (extrem selten): ausschließlich mit Bläschen und Blasen verbunden

Sonnenallergie (polymorphe Lichtdermatose): Diagnose

Bei Verdacht auf eine Sonnenallergie (polymorphe Lichtdermatose) stellt der Arzt zunächst Fragen zum Verlauf der Hautveränderungen und zum Auftreten der Symptome (z.B. im Urlaub): Diese sogenannte Anamnese liefert wertvolle Hinweise für die Diagnose.

Um eine Sonnenallergie diagnostizieren zu können, ist es zudem wichtig, andere Ursachen für die Hautsymptome auszuschließen. Denn: Eine polymorphe Lichtdermatose kann mit sehr vielgestaltigen Hautveränderungen einhergehen, die anderen Hautkrankheiten ähneln können. So können zum Beispiel auch Insektenstiche, ein photoallergisches Ekzem oder andere Reaktionen der Haut auf UV-Licht hinter den Beschwerden stecken.

Um die Sonnenallergie sicher festzustellen, kann der Arzt gezielt einen Hautbereich (z.B. den Oberarm) mit UV-Licht bestrahlen: Wenn eine polymorphe Lichtdermatose vorliegt, löst die UV-Bestrahlung die typischen Symptome aus. Dieses Verfahren heißt Photoprovokation.

Sonnenallergie (polymorphe Lichtdermatose): Behandlung

Gegen eine Sonnenallergie (polymorphe Lichtdermatose) stehen zur Behandlung verschiedene Maßnahmen zur Verfügung, die zwei unterschiedliche Ziele verfolgen:

  1. akute Beschwerden der Sonnenallergie lindern (sog. symptomatische Behandlung)
  2. den Ausbruch der Sonnenallergie verhindern (sog. prophylaktische Behandlung)

Akute Sonnenallergie – was tun?

Die wichtigste Maßnahme gegen akute Symptome der Sonnenallergie lautet: Sonnenschutz! Wenn Sie eine weitere Einwirkung von UV-Strahlung so weit wie möglich verhindern, können Sie damit rechnen, dass Ihre Beschwerden schnell nachlassen.

Beschleunigen können Sie die Heilung der Sonnenallergie durch eine örtliche Behandlung mit einer Creme oder Lotion, die Kortikoide (z.B. Hydrokortison) enthält. Den durch die polymorphe Lichtdermatose verursachten Juckreiz können Sie mit Antihistaminika lindern.

Wie lassen sich weitere Ausbrüche verhindern?

Eine akute Sonnenallergie ist leicht zu behandeln. Deutlich aufwendiger sind wirksame vorbeugende Maßnahmen gegen die polymorphe Lichtdermatose. Das Wichtigste, was Sie hierzu tun können, ist:

  • sich möglichst langsam an starke Sonnenstrahlung gewöhnen und
  • sich immer ausreichend vor der Sonne schützen.

Eine Frau am Strand cremt sich ein. © Jupiterimages/Purestock

Sowohl bei akuten Beschwerden einer Sonnenallergie als auch vorbeugend lautet die wichtigste Maßnahme: ausreichender Sonnenschutz!

Um die Sonnenallergie vorbeugend zu behandeln, ist es unerlässlich, dass Sie ausreichend Sonnencreme verwenden: Achten Sie darauf, dass Ihr Sonnenschutzmittel einen UV-A- und UV-B-Filter enthält, und wählen Sie einen möglichst hohen Lichtschutzfaktor (30 bis 50). Auch hautbedeckende Kleidung ist wichtig, um die polymorphe Lichtdermatose zu verhindern. Diese Maßnahmen schützen gleichzeitig vor Sonnenbrand.

Ein weiteres sinnvolles Mittel gegen Sonnenallergie ist das Antioxidans AGR (Alpha-Glucosylrutin) – zusätzlich auf die Haut aufgetragen oder in Sonnenschutzmitteln enthalten: AGR kann die vorbeugende Wirkung des Sonnenschutzmittels gegen die polymorphe Lichtdermatose unterstützen.

Wenn Sie zum Beispiel im Winter einen Urlaub in einer sonnenreichen Region planen, ist es eventuell nicht möglich, sich vorher langsam an natürliches UV-Licht zu gewöhnen. In diesem Fall bietet sich eine Phototherapie an, um der Sonnenallergie vorzubeugen. Dabei wird der ganze Körper wiederholt mit UVA- und / oder UVB-Licht bestrahlt – wobei das UV-Licht in der Regel anfangs niedrig dosiert ist und sich die Dosis dann schrittweise steigert: So gewöhnt sich Ihre Haut vorab an das stärkere Sonnenlicht – und Sie haben gute Chancen, dass die polymorphe Lichtdermatose nicht ausbricht.

Alternativ können Sie sich auch einer sogenannten Photochemotherapie (PUVA) unterziehen, um das Risiko einer Sonnenallergie zu verringern: Hierbei verabreicht der Arzt zuerst eine Substanz, die die Haut für Licht empfindlicher macht, und bestrahlt die Haut dann mit UV-A-Licht.

Um die UV-Belastung in der Gewöhnungsphase so gering wie möglich zu halten, ist es ratsam, nicht ins Solarium zu gehen, sondern zu einem Facharzt, der Phototherapien zur Vorbeugung einer Sonnenallergie anbietet.

Hilfe bei Sonnenallergie versprechen auch Omega-3-Fettsäuren: Ihre Einnahme kann unter Umständen dazu beitragen, dass die polymorphe Lichtdermatose geringer ausfällt. Obwohl oft als Mittel gegen Sonnenallergie empfohlen, zeigen Calcium und Vitamin B3 hingegen keine vorbeugende Wirkung. Und auch Antioxidantien (wie Betacarotin oder Vitamin E ) in Form von Nahrungsergänzungsmitteln scheinen gegen die Sonnenallergie unwirksam zu sein.

Sonnenallergie (polymorphe Lichtdermatose): Verlauf

Die Sonnenallergie (polymorphe Lichtdermatose) tritt in der Regel dann auf, wenn die Sonneneinstrahlung ungewohnt hoch ist – wie zum Beispiel im Frühjahr / Sommer oder zu Beginn des Urlaubs. Die Symptome verschwinden innerhalb der nächsten Tage von selbst wieder, ohne Spuren auf der Haut zu hinterlassen. Voraussetzung hierfür ist jedoch, dass die Haut keiner weiteren UV-Bestrahlung ausgesetzt ist.

Ist die Haut mehrfach hintereinander so der Sonne ausgesetzt, dass sich die Sonnenallergie bemerkbar macht, führt das meistens dazu, dass sich die Haut im Verlauf des Sommers oder Urlaubs an die UV-Strahlung gewöhnt: Die polymorphe Lichtdermatose fällt dann im Allgemeinen zunächst immer schwächer aus, bis schließlich auch hohe Strahlendosen keine Hautreaktionen mehr hervorrufen.

Insgesamt verläuft die Sonnenallergie allerdings chronisch: Wer einmal eine polymorphe Lichtdermatose hatte, kann damit rechnen, dass sie in den nachfolgenden sonnenreichen Jahreszeiten oder Urlauben immer wieder aufs Neue ausbricht – meist über Jahrzehnte. Das erste Mal tritt die Sonnenallergie überwiegend bei Kindern oder jungen Erwachsenen auf.

Eine Frau sitzt mit einem Laptop in einer Hängematte. © Jupiterimages/Goodshoot

Ist die Haut nicht an starke Sonnenstrahlung gewöhnt, kann es zu einer Sonnenallergie kommen.

Sonnenallergie (polymorphe Lichtdermatose): Vorbeugen

Wenn Sie einer Sonnenallergie (polymorphe Lichtdermatose) vorbeugen möchten, bedeutet das vor allem: Achten Sie auf ausreichenden Sonnenschutz! Hierzu geeignet sind zum Beispiel:

  • hautbedeckende Kleidung
  • Hüte
  • Sonnenschutzmittel mit hohem Lichtschutzfaktor (30 bis 50)

Einer Sonnenallergie vorbeugen bedeutet auch, die Haut schrittweise an das Sonnenlicht zu gewöhnen und Sonnenbäder nur langsam in ihrer Stärke zu steigern. Für empfindliche Menschen ist es zudem empfehlenswert, beim Sonnenbaden möglichst auf Parfüms, Kosmetika und Deos zu verzichten, da sie eine polymorphe Lichtdermatose begünstigen können.

Vor allem bei der als Mallorca-Akne bezeichneten Sonderform der Sonnenallergie ist es vorbeugend ratsam, schon einige Tage vor einer erhöhten Sonneneinstrahlung – zum Beispiel vor einem Urlaub – die gesamte Pflegekosmetik auf fett- und emulgatorfreie Körperpflegeprodukte umzustellen.

Das Bild zeigt eine Frau mit Sonnenhut. © Jupiterimages/BananaStock

Wer zu Sonnenallergie neigt, sollte vorbeugen: Schützen Sie sich vor starker Sonnenstrahlung!

Sonnenallergie (polymorphe Lichtdermatose): Weitere Informationen

ICD-10-Diagnoseschlüssel:

Hier finden Sie den passenden ICD-10-Code zu "Sonnenallergie (polymorphe Lichtdermatose)":

Onmeda-Lesetipps:

Sonnenallergie vorbeugen

Sonnenschutztest – welcher Hauttyp sind Sie?
Mallorca-Akne

Linktipps:

www.bfs.de
Der UV-Index des Bundesamts für Strahlenschutz gibt in den Sommermonaten die aktuellen UV-Belastungen in Deutschland und weltweit an.

Quellen:

Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Abrufdatum: 20.6.2017)

Online-Informationen des Deutschen Allergie- und Asthmabunds e.V. (DAAB): www.daab.de (Abrufdatum: 20.6.2017)

Leitlinien der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG): UV-Phototherapie und Photochemotherapie. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 013/029 (Stand: August 2015)

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Aktualisiert am: 20. Juni 2017

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