Anzeige

Anzeige

Schwindel (Vertigo): Vier typische Schwindelarten

Veröffentlicht von: Till von Bracht (18. Juli 2016)

Schwindel (Vertigo) tritt in verschiedenen Formen auf: So kann man zum Beispiel folgende vier Schwindelarten unterscheiden:

Attackendrehschwindel

Ein plötzlicher und heftiger Schwindel, der nur Sekunden oder wenige Minuten andauert, ist ein Attackendrehschwindel. Die Betroffenen verspüren dabei ein heftiges Drehgefühl mit Fallneigung und manchmal auch Übelkeit.

Ein möglicher Grund für diese Form von Schwindel ist der Morbus Menière, der meist zwischen dem 40. und 60. Lebensjahr auftritt. Zu dessen Diagnose ist eine gründliche Befragung der Betroffenen wichtig: Meist äußert sich der Morbus Menière in einem akuten Drehschwindel mit begleitender Fallneigung, Blässe, Schweißbildung, Übelkeit, Erbrechen und Augenbewegungen (Nystagmus). Darüber hinaus entsteht neben dem Attackendrehschwindel typischerweise ein Druckgefühl auf einem Ohr, verbunden mit einer verminderten Hörfähigkeit und Tinnitus (Ohrgeräusche). In den meisten Fällen verläuft der Morbus Menière günstig und die Drehschwindelattacken verschwinden spontan innerhalb von etwa neun Jahren.

Tritt im jüngeren Erwachsenenalter wiederholt Schwindel in Form von Drehschwindelattacken auf, ist bei der Diagnose vor allem auch Migräne in Betracht zu ziehen. Im höheren Lebensalter dagegen liegen der Vertigo häufig Durchblutungsstörungen im Gehirn zugrunde. Darüber hinaus kann auch multiple Sklerose zu Attackendrehschwindel führen.

Anhaltender Drehschwindel

Wenn ein Schwindel über Stunden oder Tage anhält und mit Fallneigung, Augenzittern (Nystagmus), Übelkeit und Erbrechen einhergeht, lautet die Diagnose anhaltender Drehschwindel. Seine Ursachen hat dieser Schwindel meist in einer Funktionsstörung des Gleichgewichtsorgans. In der Regel ist hierfür ein entzündeter Gleichgewichtsnerv (Neuritis vestibularis) verantwortlich. Dabei fällt das Gleichgewichtsorgan einseitig aus. Die Beschwerden klingen meist nach etwa ein bis zwei Wochen wieder ab.

In selteneren Fällen ist es möglich, diese Form von Schwindel bei der Diagnose auf Schädigungen zentraler Strukturen im Gehirn zurückzuführen. Ein so entstandener anhaltender Drehschwindel kann vielfältige Ursachen haben, die von Ausfällen von Hirnnerven durch Hirntumoren über Durchblutungsstörungen bis hin zu Entzündungen reichen. Auch der Morbus Menière kann vereinzelt zu dieser Form von Vertigo führen.

Diese Schwindelart tritt meist zwischen dem fünfzigsten und sechzigsten Lebensjahr auf. Frauen haben häufiger anhaltenden Drehschwindel als Männer.

Lagerungsschwindel

Ein Schwindel (Vertigo) in Form von einem Lagerungsschwindel (bzw. Kopflageschwindel) tritt typischerweise auf, wenn die Betroffenen den Kopf zur Seite neigen. Der Lagerungsschwindel ist durch kurze Schwindelanfälle gekennzeichnet, bei denen sich die Umgebung zu drehen scheint. Meist treten diese Anfälle von Schwindel beim Aufstehen (bzw. beim Aufrichten nach dem Nachtschlaf) oder nachts beim Herumdrehen im Bett auf. Besonders in den ersten Wochen sind neben dem Schwindel auch Übelkeit, Erbrechen, Schweißausbrüche und Angst möglich. Da meist dieselbe Kopfbewegung den Schwindelanfall auslöst, entwickeln die Betroffenen mit der Zeit Strategien, mit denen sie die entsprechende Kopfhaltung vermeiden. Dennoch kann es beim Lagerungsschwindel gelegentlich auch zu Stürzen kommen.

Lässt sich der Schwindel bei der Diagnose auf eine sogenannte Cupulolithiasis (Cupula = Kuppel, Lithiasis = Steinleiden) zurückführen, liegt ein gutartiger Lagerungsschwindel vor: Dann haben sich im Gleichgewichtsorgan des Innenohrs kleine Kalksteinchen aus dem hinteren Vorhofsäckchen (Utriculus) gelöst und an der Kuppel des hinteren Bogengangs angelagert, was eine Funktionsstörung des Gleichgewichtsorgans verursacht. In der Regel klingt die Vertigo innerhalb von Wochen oder Monaten spontan wieder ab. Nur in seltenen Fällen hält der gutartige Lagerungsschwindel über Jahre an.

Besteht der Verdacht, dass der Lagerungsschwindel zentrale Ursachen hat (die Gründe für den Schwindel also im Gehirn zu finden sind), ist bei der weiteren Diagnose zu prüfen, ob eine Schädigung im Bereich des Kleinhirns durch Tumoren, Blutungen, Durchblutungsstörungen oder Entzündungen vorliegt.

Im Erwachsenenalter ist von allen Schwindelarten ein gutartiger Lagerungsschwindel oder auch benigner paroxysmaler Lagerungsschwindel am häufigsten. Er tritt in jedem Alter auf, ist mit zunehmendem Alter jedoch häufiger – der Häufigkeitsgipfel liegt zwischen dem 60. und 80. Lebensjahr. Frauen sind öfter betroffen als Männer.

Schwankschwindel

Ein Schwindel, der mit Stand- und Gangunsicherheiten und einer hohen Fallneigung einhergeht, ist ein Schwankschwindel oder Benommenheitsschwindel. Anders als bei anderen Schwindelarten sind Übelkeit und Erbrechen bei dieser Form von Schwindel eher selten.

Für den Schwankschwindel kommen als Ursachen sowohl Schädigungen zentraler Strukturen im Gehirn (z.B. Epilepsie, Vergiftungen) infrage als auch Erkrankungen anderer Organe (z.B. Herz-Kreislauf-Erkrankungen). Auch ein visuell ausgelöster Schwindel gehört zum Schwankschwindel: Ein Beispiel hierfür ist die optokinetische Bewegungskrankheit. Hierbei entsteht durch großflächige Bewegungsreize – etwa in Großleinwandkinos oder in Flugsimulatoren – ein Widerspruch zwischen den über das Auge aufgenommenen Bewegungsreizen und der gleichzeitig erwarteten, aber fehlenden Körperbeschleunigung. Dieser Widerspruch führt zu einem Schwankschwindel mit Erbrechen.

Meistens tritt der Schwankschwindel jedoch als phobischer Schwankschwindel auf. Dabei zu einem plötzlichen Schwindelanfall mit Benommenheit sowie Stand- und Gangunsicherheiten, der anfangs nur wenige Sekunden andauert. Die Betroffenen erleben diese Anfälle als sehr bedrohlich und entwickeln eine ängstliche Erwartungshaltung vor der nächsten Attacke. Häufig lösen besondere Situationen den Schwankschwindel aus – wie Autofahren, Überqueren von Brücken, Treppensteigen, leere Räume oder bestimmte soziale und kommunikative Anforderungen.er Schwindel mit Benommenheit sowie Stand- und Gangunsicherheiten; dabei dauert der Schwindel anfangs nur wenige Sekunden an.

Frauen entwickeln diesen Schwindel meist zwischen dem 30. und 40. Lebensjahr, Männer zwischen dem 40. und 50. Lebensjahr. Dabei gibt es keine Häufigkeitsunterschiede zwischen den Geschlechtern.

Überwiegend ergibt die körperliche Untersuchung bei Menschen mit dieser Form von Schwindel keine krankhafte Veränderung. Die Diagnose zeigt jedoch typischerweise eine zwanghafte Persönlichkeitsstruktur. Der phobische Schwankschwindel ist meist durch eine Verhaltenstherapie beeinflussbar.

Wie steht es um Ihre Gesundheit?



Apotheken-Notdienst

Anzeige