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Immunsystem: Aufbau

Spezifische Immunabwehr

Stand: 30. November 2012Autor: Onmeda-Redaktion

Anders als beim unspezifischen (angeborenen) Immunsystem geschieht der Aufbau des spezifischen Teils des Immunsystems erst im Lauf des Lebens: Die spezifische Immunabwehr lernt der Organismus erst im Lauf des Lebens durch die direkte Auseinandersetzung mit einem bestimmten Krankheitserreger, weshalb man sie auch als erworbene Immunabwehr bezeichnet.

In diesem Lernprozess zum Aufbau des spezifischen Immunsystems entstehen beim ersten Kontakt mit einem Erreger besondere Abwehrmechanismen, die ganz gezielt gegen diesen bestimmten Krankheitserreger gerichtet sind: Durch Anpassung (lat. = Adaption) an den jeweiligen Erreger entwickelt das Immunsystem eine sogenannte adaptive Immunantwort. Die während der Immunantwort gebildeten Gedächtniszellen beugen einem erneuten Angriff desselben Erregers vor. Darüber hinaus kann die spezifische Immunabwehr krankhafte körpereigene Zellen wie Tumorzellen erkennen und angreifen.

Eine wichtige Rolle beim Aufbau des spezifischen Immunsystems spielen Immunzellen oder auch Lymphozyten (lat. lympha = klares Wasser, griech. kytos = Zelle): Diese Zellen sind zu immunologischen Reaktionen fähig – sie vermitteln die spezifische Immunabwehr. Lymphozyten sind die kleinsten weißen Blutkörperchen. Ihr Anteil an der Gesamtmenge der weißen Blutkörperchen im Blut beträgt etwa ein Viertel. Allerdings befinden sich 98 Prozent der Lymphozyten nicht im Blut, sondern in den lymphatischen Organen (Lymphknoten, Lymphbahnen, Milz) und im Knochenmark. Von dort aus gibt der Körper ständig einen kleinen Teil der Zellen ins Blut ab. Die Lebensdauer der Lymphozyten beträgt zehn Tage bis mehrere Jahre. Die Abwehrzellen entwickeln sich zunächst im Knochenmark und im Thymus (d.h. in den primären Organen des Immunsystems). Von dort aus besiedeln sie die sekundären Immunorgane wie Lymphgewebe und Milz. Zum spezifischen Immunsystem gehören verschiedene Typen von Lymphozyten:

  • T-Lymphozyten: Aufgabe dieser Immunzellen ist es, zwischen körpereigenen und körperfremden Strukturen zu unterscheiden. Ihre Entwicklung erfolgt im Thymus (griech. thymos = Brustdrüse), einem zweilappigen Organ, das hinter dem Brustbein liegt. Die T-Lymphozyten machen etwa 70 bis 80 Prozent aller Lymphozyten im Blut aus. Sie gehören zum spezifischen zellulären Immunsystem. Bei Kontakt mit einem Fremdkörper entwickeln sie sich zu sogenannten T-Effektorzellen, die verschiedene Immunantworten auslösen oder verstärken, oder zu langlebigeren T-Gedächtniszellen, die auch nach Jahren noch bei einem erneuten Eindringen des gleichen Fremdkörpers diesen erkennen und zu verstärkten Immunantworten führen. Die T-Effektorzellen teilt man in zwei Gruppen ein: Die sogenannten T-Helferzellen, die B-Zellen und Makrophagen aktivieren, und die sogenannten T-Killerzellen (zytotoxische T-Zellen), die durch Lyse (= Auflösung) infizierte Zellen töten. Daneben finden sich noch T-Unterdrückerzellen (regulatorische T-Zellen), deren Funktion darin besteht, die Aktivierung des Immunsystems zu unterdrücken und die Immunantwort gegen körpereigene Stoffe zu hemmen: So sorgen sie im gesunden Organismus dafür, dass das Immunsystem dem eigenen Körper gegenüber tolerant bleibt. Dies verhindert die Entstehung von Autoimmunkrankheiten.
  • B-Lymphozyten: Dieser Immunzelltyp reift im Knochenmark und macht etwa 15 Prozent aller Lymphozyten im Blut aus. B-Lymphozyten gehören zum spezifischen humoralen Immunsystem. Bei Kontakt mit einem Fremdkörper entwickelt sich ein Teil der B-Lymphozyten zu sogenannten Plasmazellen, deren Aufgabe es ist, Antikörper (= Immunglobuline, Ig) gegen diesen Fremdkörper zu bilden. Plasmazellen leben etwa zwei bis drei Tage. Aus dem anderen Teil der B-Lymphozyten entwickeln sich nach Kontakt mit einem Fremdkörper langlebige B-Gedächtniszellen, die noch Jahre später, auch wenn der Körper nicht mehr diesem Fremdkörper ausgesetzt ist, die gleichen Antikörper bilden können.

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