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Stand: 31. Oktober 2010Autor: Onmeda-Redaktion
Gelangen Fremdstoffe oder Krankheitserreger in den Organismus, setzt dies den Ablauf einer Immunreaktion in Gang. Die Immunreaktion beginnt bei den Abwehrzellen des unspezifischen Immunsystems, den Makrophagen: Diese Zellen erkennen die Eindringlinge, nehmen sie auf und transportieren sie in die Lymphgewebe des Immunsystems. Dort präsentieren sie die artfremden Eiweiße (Antigene) den Immunzellen des spezifischen Immunsystems (T-Lymphozyten bzw. B-Lymphozyten), was den Ablauf spezifischer Immunreaktionen auslöst: Die B-Lymphozyten bilden Abwehrstoffe (sog. Antikörper) gegen die Antigene. Diese Antikörper bilden mit dem entsprechenden Antigen der im Körper verbliebenen Fremdstoffe oder Erreger einen Antigen-Antikörper-Komplex. Bei dieser Verbindung mit dem Antikörper verlieren viele Antigene bereits ihre schädigende Wirkung – sie sind dann neutralisiert. Die Fresszellen des unspezifischen Immunsystems (Phagozyten) nehmen anschließend die Antigen-Antikörper-Komplexe auf und entfernen sie so aus dem Blut. Neben der Bildung von Antikörpern durch B-Lymphozyten erfolgt auch eine Aktivierung von T-Lymphozyten, die die Krankheitserreger direkt zerstören können. Außerdem kommt es im Verlauf der Immunreaktion zur Aktivierung bestimmter Zellen des unspezifischen Immunsystems mit zellzerstörender Wirkung (sog. zytotoxische Zellen oder T-Killerzellen), die die Fremdkörper direkt schädigen. Durch die Freisetzung von Stoffen, die die Blutgefäße erweitern oder die Gefäßwand durchlässiger machen (z.B. Histamine, Komplementfaktoren), entzündet sich das infizierte Gewebe – verbunden mit den typischen Entzündungszeichen Rötung, Schwellung, Erwärmung, Schmerz und eingeschränkter Gewebefunktion. Die Immunreaktion im Körper führt durch die begleitende Aktivierung und Vermehrung der Lymphozyten und die gesteigerte Durchblutung häufig dazu, dass die Lymphknoten oder die Milz vergrößert sind.
Durch die Bildung von B- oder T-Gedächtniszellen ist das Immunsystem in der Lage, sich an die fremde Oberflächenstruktur zu erinnern, sodass bei einem erneuten Kontakt des Körpers mit dem gleichen Krankheitserreger die Immunantwort einen rascheren Ablauf mit stärkerer Antikörperproduktion zeigen kann als beim ersten Mal. Dieses Phänomen bezeichnet man als immunologisches Gedächtnis. Der Lernprozess des Immunsystems kann die Abwehrfähigkeit des Organismus so verändern, dass bei einer wiederholten Infektion mit dem gleichen Erreger keinerlei Krankheitssymptome auftreten: Der Körper ist gegen diesen Erreger immun. Aus diesem Grund treten einige Infektionskrankheiten überwiegend im Kindesalter auf (sog. Kinderkrankheiten wie Masern, Röteln, Mumps).
Dieses Prinzip – die Bildung von Immunität durch das Immunsystem des Körpers – nutzt man bei Schutzimpfungen gegen Krankheitserreger. Die sogenannte aktive Immunisierung besteht darin, dem Organismus eine unschädliche Menge eines bestimmten Antigens oder eines Antigenproduzenten (lebende, abgeschwächte oder tote Erreger) in Form von einem Impfstoff zuzuführen. Das Immunsystem reagiert mit einer schwachen ersten Immunreaktion. Wenn der Körper durch eine Infektion erneut mit dem Erreger in Kontakt kommt, hat das Immunsystem bereits spezifische Gedächtniszellen gebildet, wodurch ein rascher und stärkerer Ablauf der Immunreaktion erfolgen kann. Diese durch die Impfung erworbene Immunität des Körpers hält häufig über Jahre hinweg an. Die passive Immunisierung besteht darin, dass der Impfling fertige Antikörper gegen das jeweilige Antigen erhält. Die Immunität hält in diesem Fall meist nur wenige Monate an.
Psychische Faktoren können das Immunsystem stark beeinflussen. Immun-, Nerven- und Hormonsystem sind demnach zu einem koordiniert reagierenden Verbund zusammengeschaltet, dem sogenannten immunoneuroendokrinen Netzwerk. So hemmt beispielsweise Adrenalin, das der Körper bei erhöhter Aktivität freisetzt (Stresshormon), die Antikörperproduktion der B-Lymphozyten und somit den Ablauf einer Immunreaktion.
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