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Forenexperte: Dr. med. Christoph Wachter
Forum Chronische Schmerzen
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Stand: 30. April 2012Autor: Onmeda-RedaktionMedizinische Qualitätssicherung: Dr. med. Weiland, Dr. med. Waitz
Schmerzen können einen chronischen Verlauf nehmen. Während akute Schmerzen direkt im Anschluss an ein auslösendes Ereignis entstehen und wieder abebben, sobald die Ursache behoben ist, dauern chronische Schmerzen über mehrere Monate an und stellen dann ein eigenes Krankheitsbild dar. Der Schmerz hat sich in gewisser Weise "verselbstständigt" – Mediziner verwenden dafür den Begriff Schmerz-Chronifizierung.
Chronische Schmerzen können auf Dauer schwerwiegende Folgen haben. Häufig dauert es lange, bis Schmerzpatienten den geeigneten Arzt finden. Wiederholt erfolglose Behandlungsversuche verursachen oft erhebliche Kosten für den Betroffenen. Zudem unterziehen sich Schmerzpatienten zum Teil unnötigen Operationen, die – abgesehen davon, dass der gewünschte Erfolg ausbleibt – auch weitere Schmerzen verursachen können. Außerdem besteht bei dauerhafter Selbstmedikation die Gefahr der Medikamentenabhängigkeit.
Menschen, deren chronische Schmerzen nicht oder nicht ausreichend behandelt werden, werden häufig krankgeschrieben und in vielen Fällen frühzeitig berentet. Beim Betroffenen selbst verursachen die Erkrankung und ihre Folgen meist großes Leid, häufig kommt es zu Angstzuständen und Depressionen.
Liegt eine somatoforme Störung vor, gibt es also keine organischen Ursachen für die chronischen Schmerzen, lässt dies viele Betroffenen verzweifeln. Die Tatsache, dass es in diesem Fall keine körperliche Quelle gibt, die das Ausmaß der vorhandenen Schmerzen erklären könnte, nährt so unter Umständen Ängste. Zusätzlich belastend ist hier, wenn Betroffene von ihrer Umwelt als Simulanten wahrgenommen werden.
Im Verlauf von Schmerzen können Komplikationen auftreten: Als Schmerzverhalten bezeichnet man jede Reaktion, durch die der Betroffene seine Erkrankung mitteilt (Äußerungen, Mimik, Schonhaltung, Rückzug, Schmerzmitteleinnahme). Dieses Verhalten ist insoweit sinnvoll, wie es der Schmerzverringerung dient. Andererseits kann aber eben dieses Verhalten auch dazu beitragen, dass Schmerzen chronisch werden: So kann eine dauerhafte Schonhaltung zur Schwächung der Muskulatur führen und dadurch Bewegung noch schmerzhafter machen – was wiederum stärkeres Schonverhalten nach sich zieht.
Bei einer Dauermedikation mit Schmerzmitteln ist als Komplikation mit Nebenwirkungen (z.B. Magenproblemen) zu rechnen. Manchmal können Schmerzmittel auch selbst Schmerzen hervorrufen (sog. schmerzmittel-induzierter Kopfschmerz).
Außerdem reagiert die Umwelt häufig einfühlsam, wenn der Schmerz des Betroffenen für sie sichtbar wird – sie schenken ihm Aufmerksamkeit und entlasten ihn, um ihm schmerzhafte Bewegungen oder Situationen zu ersparen. Diese Anteilnahme tut dem Betroffenen einerseits gut, andererseits wird er – ohne dies zu beabsichtigen – für seine Erkrankung durch die Entledigung von unangenehmen Pflichten und die Zuwendung "belohnt". Wenn er hingegen weniger Schmerzverhalten zeigt und wieder aktiver wird, wird er für diesen Fortschritt "bestraft", da nun die Unterstützung wegfällt.
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