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Schmerzen: Therapie – was kann man tun?

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (20. April 2017)

Schmerz ist ein Zusammenspiel aus körperlichen und psychischen Faktoren – entsprechend gibt es in der Schmerztherapie verschiedene Ansätze, die auch kombiniert angewendet werden können.

Das vorrangige Ziel der akuten Schmerztherapie ist es, die Ursachen der Schmerzen schnell zu beseitigen. Bei chronischen Schmerzen zielt die Schmerztherapie dagegen auf die Schmerzen selber ab. Hauptanliegen ist es, den Prozess der Chronifizierung – also den Übergang von vorübergehenden Schmerzen hin zu länger andauernden Schmerzen – zu verlangsamen beziehungsweise zu stoppen. Hierbei kommen neben Schmerzmedikamenten auch verschiedene psychologische und psychotherapeutische Methoden zum Einsatz. Diese Verfahren werden unabhängig davon eingesetzt, ob eine nachgewiesene organische Schmerzursache vorliegt oder es sich um sogenannte psychogene Schmerzen handelt, also um Schmerzen, die auf psychische Probleme oder Erkrankungen zurückgehen.

Entspannungstechniken

Entspannend wirkende Verfahren wie das autogene Training, insbesondere aber die progressive Muskelentspannung eignen sich für die Schmerztherapie. Sie steigern das allgemeine Wohlbefinden und können den Kreislauf aus Schmerzen und Muskelspannung durchbrechen. Häufig kombiniert man diese Entspannungstechniken mit Vorstellungsübungen (z.B. Reise in den Körper, die Betroffenen sollen sich die Schmerzen bildlich vorstellen). Diese Methoden zeigen Ähnlichkeit mit der in der Schmerztherapie heute häufig eingesetzten Hypnotherapie, die dazu dient, die Schmerzwahrnehmung positiv zu beeinflussen. Mithilfe von Biofeedback erhalten die Betroffenen optische oder akustische Rückmeldungen zu körperlichen Veränderungen (Atemfrequenz, Muskelspannung usw.) und lernen dadurch, Veränderungsprozesse in ihrem Körper aktiv zu steuern.

Beeinflussung des Schmerzverhaltens

Um die Einnahme von Schmerzmitteln zu reduzieren, sollten chronische Schmerzpatienten Medikamente nicht nach Bedarf, sondern nach einem ärztlich festgelegten festen Zeitschema einnehmen. Zunächst gibt der Betroffene dazu an, wie lange bei ihm der kürzeste schmerzfreie Zeitraum dauert. Zu Beginn der Schmerztherapie erhält er dann immer nach diesem Zeitabschnitt Schmerzmittel, unabhängig davon, ob zu diesem Zeitpunkt Schmerzen vorliegen. Nach und nach wird dieser Zeitraum langsam gestreckt. Hintergrund dieser Schmerztherapie: Nimmt der Betroffene die Schmerzmedikamente immer bei Bedarf ein, wird er durch die Schmerzfreiheit "belohnt" – es besteht die Gefahr einer Abhängigkeit.

Manchmal setzen Ärzte auch einen "Schmerzcocktail" als Schmerztherapie ein. Hierbei mischt man die Medikamente zum Beispiel mit Kirschsirup. Der Medikamentenanteil wird dann bei gleichbleibendem Kirschgeschmack langsam verringert, sodass der Betroffene nicht weiß, wie hoch die gegenwärtige Dosierung ist.

Um dem Schon- und Rückzugsverhalten entgegenzuwirken, ist es sinnvoll, neben der eigentlichen Schmerztherapie allmählich körperliche Aktivitäten in den Alltag einzubauen. Zu diesem Zweck werden Aktivitäten in überschaubare Arbeitseinheiten eingeteilt und schrittweise gesteigert. Der Betroffene soll hierbei die Aktivitäten protokollieren und die Arbeitseinheiten möglichst zu Ende führen, auch wenn vorher Schmerzen auftreten. So soll er lernen, realistische Arbeitsabschnitte und Pausen zu planen.

Fortschritte sollten Ärzte und Angehörige würdigen und den Betroffenen entsprechend bestärken. Es ist jedoch wichtig, darauf zu achten, das Schmerzverhalten nicht durch gesteigerte Aufmerksamkeit zu verstärken. Hier ist es sinnvoll, Angehörige mit einzubinden und die Behandlungsfortschritte der Schmerztherapie so auch in den Alltag zu übertragen. Die Erfolgsaussichten sinken, wenn ein Patient in der Therapie zwar für seine Aktivitätssteigerung belohnt wird, er zuhause aber weiterhin an seiner Schonhaltung festhält, weil seine Umgebung ihn aufgrund seiner Schmerzen von unangenehmen Pflichten entlastet.

Programme zur Schmerzbewältigung

Bei dieser Form der Schmerztherapie soll der Betroffene lernen, hinderliche "Kognitionen" zu erkennen und zu kontrollieren. Unter solchen schmerzbezogenen Kognitionen versteht man negative Gedanken und Bewertungen der Schmerzen, die ein Gefühl der Machtlosigkeit hervorrufen. Gelingt es, den Schmerz als herausfordernde Belastung anzusehen, steigt die eigene Überzeugung, das Leid kontrollieren zu können. Infolgedessen sinkt die Angst vor dem Schmerz und der Betroffene meidet schmerzverursachende Situationen möglicherweise seltener.

Um den Umgang mit den Schmerzen zu erleichtern, soll der Betroffene sich auf die objektive Schmerzwahrnehmung konzentrieren und dabei die emotionale Komponente zurückstellen: Die genaue Beschreibung von Ort, Dauer und Stärke der Schmerzen ermöglicht es, zumindest vorübergehend die Rolle eines unbeteiligten Beobachters einzunehmen.

Im Rahmen der Therapie lernt der Betroffene, in welcher Form sein Körper auf Stress reagiert und inwiefern diese Stressreaktionen das Schmerzgeschehen beeinflussen und zum Beispiel verstärken. Können diese ausgemacht werden, lässt sich zum einen frühzeitig mit Entspannungsmethoden gegensteuern. Als weitere Strategie kann der Betroffene individuell verfügbare innere und äußere Ablenkungsmöglichkeiten sammeln und üben (z.B. angenehme innere Bilder oder attraktive Aktivitäten). Dies soll die erhöhte Aufmerksamkeit für Schmerzreize (und die dadurch bedingte verstärkte Schmerzwahrnehmung) verringern. Auch verändert sich die Bewertung der Schmerzen positiv, wenn der Betroffene gelernt hat, schon den ersten Schmerzimpuls als einen Hinweis zu sehen und sich eine angenehme Ablenkung als Bewältigungsstrategie zu suchen.

Treten chronische Schmerzen als Folge einer psychischen Erkrankung auf (z.B. einer Depression), steht die Therapie dieser Erkrankung im Vordergrund. Dennoch können ergänzend Methoden der Schmerztherapie zum Einsatz kommen.

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Schmerzmittel-Therapie

Um den Schmerzkreislauf bei chronischen Schmerzen kurzzeitig zu unterbrechen, kann der Arzt zur Schmerztherapie zum Beispiel den Wirkstoff Lidocain (ein örtliches Betäubungsmittel) spritzen oder die Schmerzen mittels Vereisung (Kryoanalgesie) stoppen.

Schmerzmittel spielen in Akutsituationen (z.B. nach einem Unfall oder nach Operationen) aber auch in der Therapie vieler chronischer Erkrankungen wie Arthrose oder bei Krebserkrankungen eine sehr wichtige Rolle. Generell sollte ein Arzt die medikamentöse Schmerztherapie begleiten, um Nebenwirkungen frühzeitig zu erkennen und eine Medikamentenabhängigkeit zu verhindern.

Die Basismedikation der Schmerztherapie besteht aus nicht-steroidalen Antirheumatika (also NSAR, Schmerzmittel ohne Kortison) bei schwachen chronischen Schmerzen und aus Opioiden bei mittleren bis schweren Schmerzen.

Typische Vertreter der NSAR sind Wirkstoffe wie Acetylsalicylsäure oder Ibuprofen. Zu den Opioiden zählen hingegen Wirkstoffe wie Tilidin, Tramadol oder Buprenorphin. Besonders bei neuropathischen Schmerzen (Nervenschmerzen) können Wirkstoffe sinnvoll sein, die ursprünglich als Antidepressivum entwickelt wurden (z.B. Amitriptylin), die sich aber auch in der Behandlung neuropathischer Schmerzen als hilfreich erwiesen haben.

Schmerzmittel lindern zwar die Schmerzen, an der Ursache der Schmerzen ändern sie jedoch in der Regel nichts. Allerdings können die Medikamente dafür sorgen, dass der Betroffene schmerzfrei ist und sich so zum Beispiel die verkrampfte Muskulatur bei Rückenschmerzen wieder lockert. In manchen Fällen können auch natürliche Präparate wie das stimmungsstabilisierende Johanniskraut eine Schmerztherapie sinnvoll ergänzen – aber auch bei diesen Medikamenten gilt: Besprechen Sie die Einnahme mit Ihrem behandelnden Arzt!

Eine Langzeiteinnahme von Schmerzmitteln kann mit verschiedenen Nebenwirkungen einhergehen, etwa einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Magenproblemen. Besprechen Sie die Dosierung und Anwendungsdauer von Schmerzmitteln daher immer mit Ihrem Arzt!

Nicht-medikamentöse Therapie

Um Stresszustände und Muskelverspannungen zu lindern und so in den Schmerzkreislauf einzugreifen, empfehlen sich je nach Art und Auftreten des Schmerzes

Ergänzend zur Schmerztherapie kann außerdem eine Psychotherapie wie die Verhaltenstherapie empfehlenswert sein. Ein wichtiges Ziel dabei ist, die Lebensumstände zu analysieren und möglicherweise zu ändern.

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