Schleudertrauma: Definition und Schweregrade

Veröffentlicht von: Till von Bracht (14. April 2016)

Der Begriff "Schleudertrauma" beschreibt kein eigenständiges Krankheitsbild, sondern nur einen bestimmten Unfallmechanismus, der zu einer Weichteilverletzung im Bereich der Halswirbelsäule führen kann. Die Weichteilverletzungen reichen von meist einfachen Muskelzerrungen bis hin zu Bänder- und Bandscheibenzerreißungen. Andere Strukturen, wie zum Beispiel

sind nur selten betroffen. 

Es handelt sich beim Schleudertrauma um einen komplexen Verletzungsmechanismus, bei dem verschiedene Biege- und Scherkräfte wirken.

Die Kräfte führen dazu, dass es zu einer gegensätzlichen Beschleunigung von Kopf und Rumpf und demzufolge zu einer unerwarteten Verbiegung der Halswirbelsäule kommt.

Verwirrender Begriff: HWS-Schleudertrauma

Wenn jemand von einem Schleudertrauma spricht, so beschreibt er damit streng genommen nur den Unfallmechanismus – welche Strukturen dabei verletzt wurden, beinhaltet der Begriff nicht. Dies liegt vermutlich daran, dass es häufig schwierig ist, die angegebenen Beschwerden klinisch nachzuweisen.

Ärzte benutzen für ein Schleudertrauma ohne klinischen Befund häufig auch die Bezeichnung HWS-Distorsion – also eine Verstauchung der Halswirbelsäule. Der Begriff HWS-Distorsion beschreibt allerdings nur die körperlichen Ursachen. Die psychische Komponente bleibt bei dieser Bezeichnung außen vor.

Das Schleudertrauma beziehungsweise die HWS-Distorsion sollte man nicht mit dem sogenannten HWS-Syndrom verwechseln. Das HWS-Syndrom ist eine Sammelbezeichnung für verschiedene Beschwerden im Nackenbereich, die unterschiedliche Ursachen haben können – zum Beispiel verschleißbedingte oder rheumatische Erkrankungen der Halswirbelsäule. 

In vielen Fällen ist das Schleudertrauma aus medizinischer Sicht harmlos. Dennoch kann es durch die kurzzeitige starke Belastung zu feinen Rissen und vorübergehenden Schwellungen oder Entzündungen des Gewebes kommen, welches für den Betroffenen schmerzhaft ist. Auch spannen sich die Muskeln im Bereich der Halswirbelsäule häufig reflexhaft stark an, um Rücken und Hals zu schützen. Je nach Stärke des Schleudertraumas klingen die Beschwerden meist nach wenigen Tagen bis Wochen wieder vollständig ab.

In Anlehnung an die sogenannte Quebec Task Force lassen sich vier unterschiedliche Schweregrade der HWS-Distorsion unterscheiden:

Schweregrade einer HWS-Distorsion nach der Quebec Task Force (QTF)

SchweregradBeschwerden
0 Keine Schmerzen, keine klinischen Befunde
I Schmerzen im Nacken, Verspannungen und Überempfindlichkeit, keine klinischen Befunde
II wie bei Schweregrad I, zusätzlich Druckschmerz und Bewegungseinschränkungen, Muskelzerrung und Hämatombildung durch Gefäßverletzung möglich
III wie bei Schweregrad II, zusätzlich abgeschwächte Muskeleigenreflexe und Lähmungserscheinungen
IV Fraktur der Halswirbelsäule, Bänderriss, Verletzung des Rückenmarks, Querschnittslähmung möglich

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