Schizophrenie: Ursachen

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (07. Dezember 2016)

Die genauen Ursachen der Schizophrenie sind noch nicht bekannt – allerdings spricht vieles dafür, dass unterschiedliche Faktoren (sog. multifaktorielle Entstehung) im Zusammenspiel die Erkrankung auslösen. 

Forscher nehmen an, dass eine genetische Veranlagung (Disposition) bei der Schizophrenie eine zentrale Rolle spielt. Man sieht Vererbung jedoch nicht als alleinige Ursache der Schizophrenie an. Auch biochemische Faktoren oder Komplikationen bei der Geburt können die Wahrscheinlichkeit für eine Schizophrenie erhöhen. Die Krankheit bricht allerdings nur aus, wenn mehrere Faktoren zusammentreffen.

Genetische Grundlagen

Untersuchungen mit schizophrenen Menschen und deren Angehörigen belegen, dass eine genetische Veranlagung an der Entstehung der Schizophrenie beteiligt ist.

Die Wahrscheinlichkeit, Schizophrenie zu bekommen, erhöht sich, wenn Verwandte erkrankt sind. Je enger man mit der erkrankten Person verwandt ist, desto höher das Risiko. Einige Beispiele:

  • Ist ein Elternteil schizophren, beträgt die Wahrscheinlichkeit für das Kind etwa 10 Prozent.
  • Sind in einer Familie beide Elternteile an einer Schizophrenie erkrankt, liegt das Risiko für das Kind bei 40 Prozent, ebenfalls eine Schizophrenie zu entwickeln.
  • Hat ein Zwilling eine Schizophrenie, liegt das Risiko für das Geschwisterkind bei eineiigen Zwillingen bei rund 50 Prozent und bei zweieiigen Zwillingen bei 15 Prozent.

Ist ein eineiiger Zwilling an Schizophrenie erkrankt, heißt das nicht zwangsläufig, dass der andere Zwilling auch Schizophrenie bekommt. Dies beweist, dass es nicht die genetische Komponente allein sein kann, die eine Schizophrenie verursacht – denn Zwillinge haben ein identisches Erbgut. Es müssen also noch weitere Faktoren hinzukommen, die dann in der Summe zur Schizophrenie führen.

Welche genetischen Besonderheiten bei der Schizophrenie vorliegen, ist noch nicht abschließend geklärt. Forscher vermuten, dass hier unter anderem die Chromosomen 6 und 8 eine Rolle spielen.

Sogenannte Halluzinogene wie zum Beispiel LSD oder Meskalin können eine schizophrene Psychose auslösen. Außerdem gibt es Hinweise für einen Zusammenhang zwischen Cannabiskonsum und Schizophrenie: Bei Menschen mit der Veranlagung zur Schizophrenie kann regelmäßiger Cannabiskonsum die Erkrankung begünstigen.

Biochemische und neuroanatomische Erklärungen

In Studien konnte man bei vielen Betroffenen Veränderungen der Gehirnstruktur feststellen: So waren beispielsweise mit Gehirnflüssigkeit gefüllte Kammern im Gehirn (3. Ventrikel und Seitenventrikel) auffällig erweitert.

Zudem gibt es Hinweise darauf, dass bestimmte Strukturen in einem bestimmten Teil des Gehirns – dem limbischen System – bei Schizophrenie verändert sind. Zum Beispiel zeigen sich bei Schizophrenen häufig auffällige Zellanordnungen oder eine verminderte Zahl an Nervenzellen.

Darüber hinaus konnte in Untersuchungen eine Minderdurchblutung beziehungsweise ein verminderter Stoffwechsel in einigen Hirnbereichen festgestellt werden, unter anderem im Frontalhirn.

Der Botenstoff Dopamin scheint bei Schizophrenie eine besondere Rolle zu spielen. Dopamin ist ein sogenannter Neurotransmitter: Der Stoff sorgt neben vielen anderen Substanzen dafür, dass bestimmte Nervenimpulse von einer Nervenzelle zur nächsten gelangen können. Sind die Botenstoffe nicht mehr im Gleichgewicht, können verschiedene Störungen die Folge sein.

Auch wenn diese sogenannte Dopamin-Hypothese nicht ausreichend belegt ist, spricht doch einiges dafür, dass Dopamin an der Entstehung der Schizophrenie beteiligt ist.

Wichtigstes Anzeichen dafür, dass Dopamin mit Schizophrenie im Zusammenhang steht, ist die Wirksamkeit der Antipsychotika. Antipsychotika sind Medikamente, die Ärzte bei der Therapie der Schizophrenie einsetzen. Viele Symptome nehmen durch Antipsychotika deutlich ab, vor allem Wahnvorstellungen und Halluzinationen. Diese Arzneimittel verhindern unter anderem, dass Dopamin an Dopamin-Rezeptoren andockt.

Neben dem Dopamin sind bei Schizophrenie vermutlich auch weitere Botenstoffe von Bedeutung, etwa Glutamat.

Psychosoziale Faktoren

Die Annahme, dass Probleme und Störungen im Miteinander der Familie, in der Partnerschaft oder im Berufsleben (sog. psychosoziale Bedingungen) eine Schizophrenie begünstigen, ist wissenschaftlich nicht belegt. Man vermutet, dass diese Faktoren allenfalls den Verlauf der Erkrankung beeinflussen. So erleiden beispielsweise Betroffene häufiger einen Rückfall, wenn sie von ihren Familien übermäßig behütet werden. Eine Partnerschaftskrise oder Probleme mit Kollegen allein reichen ohne eine entsprechende Veranlagung aber nicht aus, um eine Schizophrenie auszulösen.

Die Schizophrenie bricht häufig in Lebensphasen aus, in denen Betroffene große Umbrüche bewältigen müssen. Zum Beispiel erkranken oft Pubertierende und Menschen, die ins Berufsleben einsteigen.


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