Schizophrenie: Therapie

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (07. Dezember 2016)

Welche Therapie ist bei Schizophrenie geeignet? Für eine optimale Behandlung berücksichtigen Wissenschaftler, dass vielfältige Faktoren an der Entstehung beteiligt sein können. Dementsprechend wird bei einer Schizophrenie ein sogenannter mehrdimensionaler Therapieansatz praktiziert. Dieser umfasst drei Komponenten:

  • Behandlung mit Psychopharmaka; Psychopharmaka sind Medikamente, die die Psyche der Betroffenen beeinflussen
  • Psychotherapie
  • Soziotherapeutische Angebote

Insbesondere bei einem akuten Schizophrenie-Schub mit Wahnvorstellungen und Halluzinationen ist die Therapie oft nicht einfach, denn viele Betroffene sehen nicht ein, dass sie eine Behandlung benötigen. Deshalb sind sie zu Beginn häufig nicht bereit, mit Ärzten und Therapeuten zusammenzuarbeiten.

Behandlung mit Psychopharmaka

Besonders in der akuten Phase einer Schizophrenie ist die Therapie mit Psychopharmaka der wichtigste Baustein – Psychiater setzen vor allem Antipsychotika (z.B. Haloperidol oder Clozapin) ein.

Antipsychotika (auch: Neuroleptika) beeinflussen die Konzentration verschiedener Botenstoffe im Gehirn, so zum Beispiel von Dopamin. Dies kann insbesondere die sogenannten Positiv-Symptome wie Wahnvorstellungen oder Halluzinationen reduzieren.

Klassische Antipsychotika können zu verschiedenen, teils starken Nebenwirkungen führen. Hierzu zählen vor allem Störungen der Motorik wie Bewegungsunruhe und unwillkürliche Bewegungen, Zittern oder Bewegungsarmut, aber auch Gewichtszunahme. Heutzutage kommen häufig Antipsychotika der zweiten Generation oder atypische Antipsychotika zum Einsatz. Ihr Vorteil ist, dass sie häufig mit weniger Nebenwirkungen verbunden sind.

Welches Medikament im Einzelfall infrage kommt, hängt von den auftretenden Symptomen ab. Bei Positivsymptomen wie Halluzinationen verschreiben Ärzte vor allem stark wirksame Neuroleptika wie Haloperdil. Treten vorwiegend Negativsymptome wie zum Beispiel Bewegungsarmut auf, wählt der Arzt häufig atypische Neuroleptika (Atypika), zum Beispiel Clozapin.

Bis die Medikamente wirken, dauert es meist einige Wochen. Sind die akuten Symptome abgeklungen, nimmt der Betroffene die Antipsychotika noch über einen längeren Zeitraum ein (sog. Erhaltungstherapie), meist für mindestens ein bis zwei Jahre. Treten wiederholt Rückfälle auf, können auch dauerhaft Medikamente sinnvoll sein. Langfristig kann diese Therapie weitere Rückfälle vermeiden.

Psychotherapie

Im Rahmen der "unterstützenden (supportiven) Psychotherapie" helfen Therapeuten, Ärzte und Pfleger dem Betroffenen dabei, mit der Schizophrenie umzugehen. Sie informieren ihn über die Erkrankung und klären über die Behandlungsmöglichkeiten auf. Je besser der Patient seine Erkrankung versteht, desto besser kann die Therapie auch wirken. Außerdem erarbeitet der Therapeut mit dem Betroffenen die Einflussfaktoren, die seine Krankheit begünstigen. Das Ziel besteht darin, den Betroffenen Hoffnung und Mut zu machen und sie für eine Therapie zu motivieren.

Die Psychotherapie dient auch dazu, aktuelle Probleme und Lebensentscheidungen zu besprechen und Lösungen zu finden, die die Erkrankung berücksichtigen – ohne den Betroffenen dabei zu über- oder unterfordern. Über- und Unterforderungen können einen erneuten schizophrenen Schub auslösen.

In der Psychotherapie der Schizophrenie haben vor allem Methoden der Verhaltenstherapie in den letzten Jahren an Einfluss gewonnen. Sie zielen darauf ab, geistige Fähigkeiten zu verbessern. Außerdem üben Betroffene dabei den Umgang mit anderen Menschen, mit dem Ziel, soziale Ängste abzubauen.

Darüber hinaus hilft die Verhaltenstherapie auch dabei, mit Symptomen wie Wahn und Halluzinationen umzugehen. Die Patienten erarbeiten mit dem Therapeuten zum Beispiel Ablenkungsstrategien, die ihnen helfen, ihre Aufmerksamkeit von bedrohlichen Halluzinationen abzulenken. Die Verhaltenstherapie kann auch bei Personen sinnvoll sein, die noch keine therapiebedürftige Schizophrenie, aber ein erhöhtes Risiko für die Erkrankung haben.

Soziotherapeutische Angebote

Die Soziotherapie fördert die Fähigkeiten der Betroffenen, die sie im alltäglichen Leben benötigen, zum Beispiel im Umgang mit anderen. Zu soziotherapeutischen Angeboten gehört unter anderem Arbeits- und Beschäftigungstherapie. Außerdem zählen auch Maßnahmen zur Wiedereingliederung (Rehabilitation) in verschiedenen Einrichtungen zum soziotherapeutischen Angebot.

Soziotherapie arbeitet nach dem Prinzip der kleinen Schritte. So steigert beispielsweise der Arbeitstherapeut die Anforderungen an die Betroffenen stufenweise. Dies betrifft sowohl die Arbeitszeiten als auch den Schwierigkeitsgrad der Arbeitsaufgaben.

Die Therapie beginnt in der Regel in einer stationären Klinik. Danach kann der Betroffene in eine Tagesklinik wechseln (sog. teilstationäres Angebot). Bei der nächsten Stufe wechselt er in eine Wohngemeinschaft mit therapeutischer Begleitung, in der er selbstständiger leben kann.


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