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Schizophrenie: Symptome

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (07. Dezember 2016)

Woran erkennt man eine Schizophrenie? Eine Schizophrenie kann sich durch viele unterschiedliche Symptome bemerkbar machen. Dazu gehören vor allem 

Für sich allein genommen kann jedes Symptom auch bei vielen anderen Erkrankungen auftreten. Im Zusammenhang mit Schizophrenie sprechen Mediziner häufig von

  • positiven Symptomen und
  • negativen Symptomen.

Zu den positiven Symptomen (auch: Plussymptomen) zählen verschiedene Phänomene, die gesunde Menschen nicht aufweisen. Dies sind zum Beispiel Wahnvorstellungen oder Halluzinationen.

Von negativen Symptomen (auch: Minussymptomen) sprechen Ärzte hingegen, wenn bestimmte Bereiche im Vergleich zum gesunden Menschen eingeschränkt sind. Mögliche negative Symptome sind etwa mangelnder Antrieb, Aufmerksamkeitsstörungen, die Unfähigkeit, sich zu freuen und sozialer Rückzug.

Je nachdem, welche Form der Schizophrenie vorliegt, sind bestimmte Symptome besonders stark ausgeprägt:

  • Die paranoide Schizophrenie ist vor allem durch Wahnvorstellungen und Halluzinationen geprägt. Häufig leiden die Patienten unter Verfolgungswahn. Sie haben das Gefühl, dass ihnen ständig jemand folgt. Viele hören außerdem Stimmen, die ihnen Befehle erteilen oder Angst machen.
  • Bei der katatonen Schizophrenie stehen dagegen eher Bewegungsstörungen im Vordergrund. Die Betroffenen wiederholen etwa bestimmte Bewegungen immer und immer wieder, oder aber sie verharren bewegungslos in einer Position. Auch kann es vorkommen, dass der Patient genau das Gegenteil von dem tut, was man ihm sagt – oder dass er wie ein Automat allen Wünschen nachkommt.
  • Die hebephrene Schizophrenie zeichnet sich durch einen gestörten Affekt aus. Der Betroffene wirkt zum Beispiel läppisch-heiter, er lacht in unangemessenen Situationen und hat keine Hemmungen.

Wahnvorstellungen

Im Wahn geht der Bezug zur Realität verloren. Etwa 80 Prozent der Menschen mit Schizophrenie haben im Verlauf der Erkrankung Wahnvorstellungen.

Ein Beispiel für eine Wahnvorstellung: Ein Betroffener sieht, dass in seiner Straße Bauarbeiter die Straße aufreißen. Er bezieht diese Aktion sofort auf sich und ist felsenfest davon überzeugt, dass das Ganze stattfindet, damit ihn die Bauarbeiter – die seiner Meinung nach eigentlich Geheimagenten sind – ständig beobachten können und unterirdische Abhörleitungen bis in seine Wohnung verlegen.

Das Besondere an solchen Wahnideen ist, dass sie auf Außenstehende sehr bizarr wirken und häufig magisch-mystische Einschläge aufweisen. Zum Beispiel gibt sich der Betroffene als Gottheit aus oder er meint, über besondere Kräfte zu verfügen, die man von Märchen- oder Fantasy-Figuren kennt.

Halluzinationen

An Halluzinationen leidet etwa die Hälfte aller Menschen mit Schizophrenie. Eine Halluzination ist eine Sinnestäuschung. Betroffene nehmen Dinge wahr, die eigentlich nicht existieren.

Sie sehen beispielsweise Gesichter in Wänden, die gar nicht vorhanden sind (optische Halluzination); oder sie hören Stimmen, die sonst niemand wahrnimmt (akustische Halluzination).

Schizophrene sehen häufig Dinge, die nicht existieren. © iStock

Schizophrene sehen häufig Dinge, die nicht existieren.

Akustische Halluzinationen kommen besonders häufig vor. Oft äußern sie sich durch Stimmen, die dem Erkrankten Befehle erteilen (sog. imperative Stimmen) oder ihr Verhalten kommentieren (sog. kommentierende Stimmen). Manche Betroffene hören auch Stimmen, die sich untereinander unterhalten (sog. dialogisierende Stimmen). Auch das sogenannte Gedankenlautwerden gehört zu den akustischen Halluzinationen. Dabei glauben Betroffene, die eigenen Gedanken zu hören. Generell können Halluzinationen jedes Sinnesorgan betreffen, also auch das Riechen und Schmecken.

Ich-Störungen

Bei einer Ich-Störung verschwimmt die Grenze zwischen "Ich" und "Umwelt". Ich-Störungen können sich ganz unterschiedlich äußern:

  • Depersonalisation: Eigene Gedanken, Gefühle oder Körperteile empfindet der Betroffene als fremd, als nicht zu sich gehörig.
  • Derealisation: Die Umwelt wird als unwirklich und andersartig erlebt.
  • Gedankenausbreitung: Der Schizophrene hat das Gefühl, dass sich seine Gedanken im Raum ausbreiten und andere sie hören können.
  • Gedankenentzug: Betroffene glauben, dass ihre Gedanken von außen entzogen bzw. weggenommen werden.
  • Gedankeneingebung: Der Betroffene glaubt, dass seine Gedanken von außen eingegeben sind.

Formale Denkstörungen

Formale Denkstörungen treten bei etwa zwei von drei Schizophrenen auf. Dabei ist der Denkablauf gestört. Das Denken von Menschen mit Schizophrenie ist zerfahren und zusammenhangslos, mit sprunghaften und unlogischen Gedankengängen bis hin zu willkürlichen Verknüpfungen von Worten. Einige Beispiele:

  • Die Betroffenen verschmelzen verwandte Sachverhalte (sog. Kontamination).
  • Teilweise erfinden sie Wörter neu, die völlig absurd klingen können und keinen Sinn zu haben scheinen (sog. Neologismen).
  • Sie reden in einem einzigen Satz über völlig unterschiedliche Dinge reden, sodass der Zuhörer gar nicht weiß, worüber der Betroffene gerade spricht.
  • Sie sagen einfach Wörter vor sich hin, ohne Sinn, Grammatik und besonderen Inhalt.
  • Bei manchen Betroffenen bricht das Denken in einem Gespräch plötzlich ohne erkennbaren Grund ab (sog. Gedankensperrung).

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Affektive Symptome

Fast allen Menschen mit Schizophrenie zeigen affektive Symptome – die Schizophrenie wirkt sich also auch auf die Gefühlswelt der Betroffenen aus.

Im Gespräch wirken viele Menschen mit Schizophrenie zum Beispiel emotional abwesend oder gefühlsarm. Sie zeigen unangemessene Gefühle: Beispielsweise reagieren sie auf eine traurige Geschichte mit Freude – oder umgekehrt. Auch ihre Mimik passt häufig nicht zu der Situation. Manchmal verhalten sie sich albern und läppisch heiter (sog. läppischer Affekt).

Auch kommen völlig entgegengesetzte Gefühle vor, die Schizophrene gleichzeitig erleben können – insbesondere die hebephrene Schizophrenie ruft bei Betroffenen gegensätzliche Emotionen hervor. Sie lieben und hassen zum Beispiel zur selben Zeit oder können etwas wollen und gleichzeitig nicht wollen (sog. psychotische Ambivalenz).

Besonders wenn die akute Phase der Schizophrenie abgeklungen ist, bleibt bei den Betroffenen häufig eine Gefühlsarmut bestehen.

Psychomotorische Störungen

Im Rahmen einer Schizophrenie treten häufig psychomotorische Störungen auf.

Einige Betroffene leiden unter einer starken motorische Unruhe. Die Schizophrenen fühlen sich getrieben und neigen dazu, bestimmte Bewegungen immer wieder auszuführen (Bewegungsstereotypen) – sie wippen beispielsweise mit dem Körper hin und her.

Auch die Fähigkeit, mit anderen Menschen zu kooperieren, leidet unter der Schizophrenie. Manche Patienten führen etwa automatisch genau das Gegenteil von dem aus, was man ihnen sagt (sog. Negativismus); oder sie erledigen Aufgaben so, als ob sie eine Maschine oder ein Automat wären (sog. Befehlsautomatie).

Im extremen Fall sind Betroffene nicht mehr in der Lage, sich zu bewegen, obwohl sie bei vollem Bewusstsein sind. Sie liegen dann wie erstarrt da (sog. katatoner Stupor) und wirken verängstigt und innerlich angespannt. Bewegt man einen Körperteil, etwa einen Arm, bleibt er in der veränderten Position bestehen.

Übersicht: Mögliche Symptome der Schizophrenie

Symptom Beschreibung    Beispiele

Wahnvorstellungen

Der Betroffene verliert den Bezug zur Realität.

Verfolgungswahn: Der Patient fühlt sich z.B. von einem Geheimdienst verfolgt.

Beziehungswahn: Der Patient ist z.B. davon überzeugt, dass der Nachrichtensprecher im Fernsehen verschlüsselte Botschaften an ihn sendet.

Größenwahn, religiöser Wahn: Der Patient glaubt etwa, ein (verkanntes) Genie zu sein; der Patient glaubt, Botschaften von einem gottähnlichen Wesen zu erhalten.

Halluzinationen

Der Betroffene nimmt Dinge war, die objektiv nicht existieren.

Akustische Halluzinationen: Der Patient hört z.B. Stimmen, die seine Handlungen kommentieren.

Optische Halluzinationen: Der Patient sieht z.B. eine Person, die nicht existiert.

Geruchs- und Geschmackshalluzinationen: Der Betroffene nimmt z.B. einen fauligen Geruch wahr, den andere Menschen nicht bemerken.

Körperhalluzinationen: Die Person hat z.B. das Gefühl, es würde elektrischer Strom durch ihren Körper fließen.

Formale Denkstörungen

Der Ablauf des Denkens ist beeinträchtigt.

Der Patient redet zusammenhanglos, umständlich und ohne Logik.

Der Patient antwortet völlig unpassend auf eine Frage.

Der Patienten verliert plötzlich den Gesprächsfaden.

Der Patient kombiniert Wörter miteinander oder erfindet neue Wörter (Neologismen).

Das Denken ist verlangsamt oder beschleunigt, was sich auch sprachlich bemerkbar macht.

Ich-Störungen

Der Betroffene kann nicht mehr oder nur schwer zwischen sich und der Umwelt unterscheiden.

Derealisation: Die Umgebung kommt der Person eigenartig fremd und künstlich vor.

Depersonalisation: Die eigene Person oder einzelne Körperteile werden als fremdartig und nicht zu einem zugehörig erlebt.

Gedankenausbreitung: Der Betroffene glaubt z.B., dass er eigene Gedanken auf andere Menschen übertragen kann.

Gedankenentzug: Die Person glaubt z.B., eine höhere Macht habe ihr die Gedanken "geraubt".

Gedankeneingebung: Die Person glaubt etwa, dass ihre Gedanken nicht die eigenen sind, sondern von einer fremden Macht "eingepflanzt" wurden.

Störungen der Affektivität

Das Gefühls- und Gemütsleben ist beeinträchtigt.

Gefühle werden nur eingeschränkt wahrgenommen.

Der Patient fühlt sich depressiv.

Der Patient lacht, obwohl er traurig ist (sog. Parathymie).

Der Patient hat gegensätzliche, ambivalente Gefühle zu einer Person.

Der Patient ist aggressiv und angespannt.

Psychomotorische Störungen, Willensstörungen

Der Bewegungsablauf und der Wille sind beeinträchtigt.

Der Patient möchte eine bestimmte Sache tun, kann sich aber nicht dazu entscheiden, diese umzusetzen (sog. Abulie).

Der Betroffene führt bestimmte Bewegungsmuster immer wieder aus, z.B. zieht er wiederholt Grimassen, schaukelt mit dem Oberkörper, usw. (sog. Stereotypien).

Ausdruck und Mimik sind erstarrt, der Patient bewegt sich kaum oder gar nicht und zeigt keine / kaum Reaktionen auf Ansprache (sog. Stupor).

Es kommt zu starken Unruhezuständen (Agitiertheit).

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