Schimmelpilzallergie: Was kann man tun?

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (28. November 2017)

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Als Folge einer Schimmelpilzallergie kann es zu Atemwegsbeschwerden kommen. Aber auch Magen-Darm-Beschwerden sind möglich. Die Symptome können dabei saisonal auftreten oder auch ganzjährig bestehen.

Was ist eine Schimmelpilzallergie?

Eine Schimmelpilzallergie ist eine allergische Reaktion auf Schimmelpilze. Zu allergischen Beschwerden kommt es dabei vor allem nach dem Einatmen oder Verzehr von Schimmelsporen.

Die für eine Schimmelpilzallergie verantwortlichen Schimmelpilze sind überall in unserer Umwelt vorhanden. Typische Quellen für Schimmelsporen in Wohnräumen sind feuchte Stellen hinter Tapeten und Textilien, Kachelwänden und Polstermöbel. Hier kann sich ein Schimmelpilzbefall auch schnell mit bloßem Auge als Schimmel erkennbar zeigen. Nahrungsmittel enthalten ebenfalls häufig Schimmelpilze. Je höher die Luftfeuchtigkeit in den Räumen ist, desto größer ist die Schimmelpilz-Belastung. Draußen ist die Konzentration der Sporen in der Luft im Sommer und Herbst am höchsten.

Schimmelpilzallergie: Typische Symptome

Bei einer Schimmelpilzallergie entstehen die Symptome meistens durch in der Luft vorhandene Schimmelsporen. Daher verursacht eine gegen Schimmelpilze bestehende Allergie typischerweise ähnliche Symptome wie eine Hausstauballergie oder Pollenallergie, also:

Verläuft die allergische Reaktion bei einer Schimmelpilzallergie schwer, können weitere Symptome wie Atemnot, allergisches Asthma, Nesselfieber oder Migräne bis hin zum lebensbedrohlichen anaphylaktischen Schock auftreten.

Auch Schimmelpilze auf oder in Nahrungsmitteln können bei bestehender Schimmelpilzallergie Symptome auslösen: Der Verzehr dieser Nahrungsmittel führt dann häufig zu Magen-Darm-Beschwerden.

Bei einer Schimmelpilzallergie können die Symptome ganzjährig oder saisonal auftreten – abhängig davon, welcher Schimmelpilz die Allergie auslöst.

Schimmelpilzallergie: Das sind die Ursachen

Bei einer Schimmelpilzallergie kommt es zu einer überschießenden Reaktion des Immunsystems auf Schimmelpilze. Stoffe, die allergische Reaktionen auslösen, bezeichnet man als Allergene. Bei Schimmelpilzen lösen deren Fortpflanzungszellen die Allergie aus: die Schimmelsporen. Diese verbreiten sich ähnlich wie Pollen über die Luft und können allergische Reaktionen vom Soforttyp (bzw. Typ I) auslösen.

Abhängig davon, welcher Schimmelpilz die allergische Reaktion verursacht, kann sich die Schimmelpilzallergie saisonal oder ganzjährig bemerkbar machen:

  1. Für eine saisonale Schimmelpilzallergie (meist in Sommer und Herbst) sind oft Sporen der folgenden Gattungen verantwortlich:
    • Cladosporium
    • Alternaria
    • Helminthosporium
  2. Eine ganzjährige Schimmelpilzallergie entsteht häufig durch Sporen dieser Gattungen:
    • Penicillium (Pinselschimmel); Hinweis: Eine Allergie gegen Penicilliumsporen hat nichts mit einer Medikamentenallergie gegen das Antibiotikum Penicillin zu tun.
    • Mucor (Köpfchenschimmel)
    • Aspergillus(Gießkannenschimmel)
    • Chaetonium
    • Aureobasidium

Schimmelpilze

Schimmelpilze sind Mikroorganismen, die überall in unserer Umwelt vorkommen und Feuchtigkeit lieben. Schimmelsporen sind deshalb im Prinzip ebenfalls überall vorhanden und praktisch immer in der Luft enthalten, wenn auch in unterschiedlichen Mengen. Optimale Wachstumsbedingungen für Schimmelpilze liegen bei Temperaturen von 20 Grad Celsius und einer Luftfeuchtigkeit von etwa 80 Prozent vor.

In der freien Natur finden sich Schimmelpilze in hoher Konzentration unter anderem auf Blätterhaufen, Komposthaufen, Brennholzstapeln und unter Laub. Vor allem bei hoher Luftfeuchtigkeit und Wetterwechsel von feucht zu trocken kommt es draußen zu einer hohen Konzentration an Schimmelsporen in der Luft. In Sommer und Herbst ist die Außenluft am stärksten mit Sporen belastet.

In Wohnungen sind vor allem feuchte Mauern sowie feuchte Stellen hinter Tapeten und Textilien, Holzverschalungen oder Kachelwänden, aber auch Klimaanlagen, Matratzen, Polstermöbel, Luftbefeuchter und Topfpflanzen (bzw. deren Blumenerde) typische Quellen für Schimmelpilze. Neben warmen Temperaturen und hoher Umgebungsfeuchtigkeit begünstigen mangelnde Belüftung, ungünstige Möblierung, Kondenswasserbildung oder unbemerkte Feuchtigkeitsschäden durch Baumängel den Schimmelpilzbefall bis hin zum sichtbaren Schimmel in der Wohnung – und somit die Schimmelpilzallergie. Je höher die Luftfeuchtigkeit in Räumen ist, desto größer ist dabei die Schimmelpilz-Belastung.

Doch nicht immer stecken Schimmelsporen aus der Luft hinter einer Schimmelpilzallergie. Als Ursachen für allergische Beschwerden kommen auch Schimmelpilze in Nahrungsmitteln infrage. Nahrungsmittel können verschimmeln, aber auch mit verschimmelten Zutaten zubereitet worden sein (z.B. Obstsaft, Obstessig, Wein, Tomatenketchup). Außerdem kommen Schimmelpilze bei manchen Nahrungsmitteln generell zum Einsatz – etwa als sogenannte Starterkulturen beziehungsweise Veredler (z.B. in Roquefort und Wein). Daneben finden bestimmte Stoffwechselprodukte von Schimmelpilzen auch zur Be- und Verarbeitung von Produkten Verwendung.

Video: Wenn Schimmel krank macht

Diagnose: So stellt man eine Schimmelpilzallergie fest

Um festzustellen, ob beim Betroffenen eine Schimmelpilzallergie vorliegt, stellt der Arzt in der Regel zunächst einige Fragen. Von Interesse ist vor allem, wann und wo die Allergie-Symptome auftreten. So kann der Arzt bereits manche Allergene ausschließen und andere in die engere Wahl ziehen.

Im Anschluss kann ein Prick-Test den Verdacht auf ein bestimmtes Allergen erhärten. Bei diesem Test tropft man dem Betroffenen Testlösungen auf die Haut und pikst anschließend die Haut unter dem Tropfen mit einer Nadel leicht an. Im Fall einer Allergie ist die getestete Hautstelle nach 15 bis 20 Minuten gerötet und geschwollen. Meist entsteht auch ein Juckreiz an der jeweiligen Teststelle. Im Regelfall benutzt man für den Prick-Test standardisierte Testlösungen. Die für Schimmelpilze verwendeten Allergenlösungen sind allerdings nur zum Teil standardisiert. Daher ist es bei einer Schimmelpilzallergie nicht immer einfach, mit diesem Test eine Diagnose zu stellen.

Wenn es mit dem Test gelingt, ein für die Schimmelpilzallergie verantwortliches Allergen zu identifizieren, folgt eine Blutuntersuchung auf Antikörper (sog. RAST-Test): Finden sich Antikörper im Blut, ist die Diagnose bestätigt. In speziellen Fällen kann bei einer Schimmelpilzallergie auch ein nasaler Provokationstest mit dem entsprechenden Schimmelpilz zum Einsatz kommen. Da ein Provokationstest starke allergische Reaktionen auslösen kann, ist es wichtig, den Test nur unter ärztlicher Überwachung mit einer mindestens halbstündigen Nachbeobachtungszeit einzusetzen.

Schimmelpilzallergie: Therapie

Allergenkarenz und Schimmelbeseitigung

Bei einer Schimmelpilzallergie besteht die Behandlung vor allem darin, den Kontakt zum allergieauslösenden Schimmelpilz nach Möglichkeit vollständig zu vermeiden. Der Fachausdruck hierfür lautet Allergenkarenz. Bei Schimmel in der Wohnung bedeutet dies, den Schimmel zu beseitigen (d.h. die betroffenen Räume zu sanieren). Aber auch bei nicht sichtbarem Schimmelpilzbefall ist es wichtig, das Schimmelpilzvorkommen zu Hause möglichst weit zu verringern.

Bei einer Schimmelpilzallergie ist es besonders wichtig, Feuchtstellen oder befallene Klimaanlagen zu sanieren. Mit einer Bürste, Sodalauge oder hochprozentigem Essigkonzentrat können Sie kleinere Schimmelstellen beseitigen. Chemische Schimmelentferner wirken nur kurzfristig, zudem sind die Wirkstoffe meist ungesund. Hat der Befall durch Schimmelpilze im Haus ein größeres Ausmaß erreicht (z.B. in Form von großflächiger schwarzer Verfärbung durch Schimmel an der Wand), ist es auf jeden Fall ratsam, einen Fachmann (z.B. vom örtlichen Gesundheitsamt) zur Schimmelbekämpfung hinzuzuziehen.

Ausreichend lüften

Außerdem ist es bei einer Schimmelpilzallergie wichtig, die Wohnräume vor allem während der Wintermonate regelmäßig zu lüften und so dafür zu sorgen, dass die Luftfeuchtigkeit nicht zu hoch ist. Lüften Sie am besten durch Stoßlüften bei weit offenem Fenster mindestens drei Minuten lang – und zwar möglichst alle zwei bis vier Stunden. Dabei ist es ratsam, auch in versteckten Winkeln der Wohnung eine Luftzirkulation zu ermöglichen. Stellen Sie sperrige Möbel, die die Luftzufuhr an der Tapete verhindern, bei Schimmelpilzbefall am besten um. Ideal ist eine relative Luftfeuchtigkeit von unter 60 Prozent.

Medikamente

Gegen akute Beschwerden der Schimmelpilzallergie können Medikamente helfen. Wirksame Mittel sind Wirkstoffe aus der Gruppe der Antihistaminika und Glukokortikoide.

Die eigentliche Ursache der Schimmelpilzallergie – die Überempfindlichkeit gegenüber Schimmelsporen – verschwindet durch diese Maßnahmen allerdings nicht. Allergische Reaktionen und damit verbundene Beschwerden lassen sich so jedoch ausschalten oder zumindest auf ein Minimum reduzieren.

Hyposensibilisierung

Bestimmte Schimmelpilzallergien lassen sich auch ursächlich mit einer Hyposensibilisierung behandeln.

Schimmelpilzallergie: Verlauf

Meist verursacht eine Schimmelpilzallergie ein Leben lang Beschwerden. Das Ausmaß der Symptome lässt sich jedoch meist durch verschiedene Maßnahmen teilweise oder vollständig eindämmen, wie:

Unbehandelt kann eine Schimmelpilzallergie bei fortwährender Allergenbelastung in weiterem Verlauf ein allergisches Asthma hervorrufen. Darüber hinaus kann in seltenen Fällen ein lebensbedrohlicher anaphylaktischer Schock auftreten.

Schimmelpilzallergie: Vorbeugen

Einer Schimmelpilzallergie lässt sich nicht sicher vorbeugen. Indirekt kann es jedoch helfen, den Kontakt zu Schimmel weitestgehend zu meiden. Hierbei können folgende Tipps helfen:

  • Sorgen Sie dafür, dass Ihre Wohnung/Ihr Haus stets gut gelüftet ist. Die relative Luftfeuchtigkeit liegt am besten zwischen 40 und 60 Prozent.
  • Regelmäßiges Stoß- beziehungsweise Querlüften ist am besten geeignet. Lüften Sie nicht vom warmen ins kalte Zimmer.
  • Achten Sie auf mögliche Stockfleckenbildung hinter Schränken, Kacheln und Holzverkleidungen. Kalkputz oder Silikatfarben bieten keine Lebensgrundlage für Schimmelpilze.
  • Lassen Sie Küchenabfälle nicht rumliegen.
  • Lagern Sie Obst und Gemüse im Kühlschrank.
  • Verzehren Sie Lebensmittel möglichst frisch und vermeiden Sie unnötige Lagerzeiten.
  • Entsorgen Sie schimmelige Lebensmittel.
  • Schimmelpilze wachsen oft in der Erde von Blumentöpfen. Gießen Sie daher Zimmerpflanzen sparsam und wechseln Sie häufiger die Erde. Auf Zimmerpflanzen im Schlafbereich verzichten Sie am besten ganz.
  • Entfernen Sie Luftbefeuchter von Heizkörpern.
  • Lassen Sie Ihre Klimaanlage regelmäßig warten und reinigen.
  • Achten Sie bei Gartenarbeit darauf, nicht zu intensiv mit abgestorbenen Pflanzenteilen und Kompost in Kontakt zu kommen.

Schimmelpilzallergie: Weitere Informationen

ICD-10-Diagnoseschlüssel:

Hier finden Sie den passenden ICD-10-Code zu "Schimmelpilz­allergie":

Onmeda-Lesetipps:

Infos zum Schimmelpilz Aspergillus
Infos zu den Schimmelpilzen Mucor, Absidia, Rhizomucor, Rhizopus

Quellen:

Schimmelpilzallergie. Online-Informationen des Deutschen Allergie- und Asthmabunds e.V. (DAAB): www.daab.de (Abrufdatum: 8.11.2017)

Leitlinien der Deutschen Gesellschaft Allergologie und klinische Immunologie (DGAKI): Leitlinie zur (allergen-)spezi­fischen Immuntherapie bei IgE-vermittelten allergischen Erkrankungen. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 061/004 (Stand: Oktober 2014)

Heppt, W., et al.: Praktische Allergologie. Thieme, Stuttgart 2011

Kück, U., Nowrousian, M., Hoff, B., Engh, I.: Schimmelpilze – Lebensweise, Nutzen, Schaden, Bekämpfung. Springer, Berlin 2009

Dirschka, T., Hartwig, R., Oster-Schmidt, C. (Hg.): Klinikleitfaden Dermatologie. Urban & Fischer, München 2010

Störiko, A.: Allergien. Falken, Niedernhausen 2001

Aktualisiert am: 28. November 2017

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