Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose)

Veröffentlicht von: Sandra von dem Hagen (02. Mai 2017)

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Die Symptome einer Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) können sehr unterschiedlich sein, je nachdem wie alt der Betroffene ist. Typisch sind jedoch beispielsweise Gewichtszunahme und Antriebslosigkeit.

Eine Schilddrüsenunterfunktion entwickelt sich meist nach und nach, darum zeigen sich Symptome oft erst spät. Die Behandlung der Hypothyreose erfolgt grundsätzlich medikamentös (L-Thyroxin, Levothyroxin), um den Mangel an Hormonen auszugleichen.

Was ist eine Schilddrüsenunterfunktion?
Eine Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) bedeutet, dass der Körper nicht ausreichend mit den Schilddrüsenhormonen Thyroxin (T4) und Trijodthyronin (T3) versorgt wird. Dafür kommen unterschiedliche Ursachen infrage.

Häufigkeit

Die Schilddrüsenunterfunktion zählt zu den häufigsten hormonellen Erkrankungen. Die Häufigkeit der Schilddrüsenunterfunktion nimmt mit dem Alter zu:

  • 1 von 5.000 Neugeborenen kommt mit einer Schilddrüsenunterfunktion zur Welt.
  • Etwa 1 bis 2 von 200 Menschen sind von einer Unterfunktion der Schilddrüse betroffen, Frauen häufiger als Männer.

Hier finden Sie weitere Informationen zur Schilddrüse und möglichen Erkrankungen:

Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose): Symptome

Im Erwachsenenalter entwickelt sich eine Schilddrüsenunterfunktion meist schleichend. Anfangs bemerkt der Betroffene meist keine oder kaum Beschwerden. Symptome treten in der Regel erst bei einer stärkeren Unterfunktion auf und können individuell verschieden sein.

Es gibt jedoch einige für eine Schilddrüsenunterfunktion typische Symptome:

Was ist ein Myxödem-Koma?

Ein seltenes Symptom einer Schilddrüsenunterfunktion ist das Myxödem-Koma:

Als Folge einer vermehrten Einlagerung bestimmter Substanzen (Eiweiß-Zucker-Säure-Verbindungen) in das Unterhautfettgewebe ist die Haut bei Menschen mit Hypothyreose häufig teigig aufgetrieben (sog. Myxödem), besonders in der Region um die Augen und auf den Handrücken. Durch Myxödeme der Stimmbänder und der Zunge kann die Stimme rau und verwaschen klingen.

Eine sehr seltene, schwere Ausprägung des Myxödems ist das Myxödemkoma. Es kann entstehen, wenn eine Hypothyreose lange Zeit unzureichend behandelt wird oder nicht erkannt wird und weitere Faktoren hinzukommen, die den Patienten schwächen (z.B. Infektion, Operation). Symptome des Myxödemkomas sind:

  • Schwäche,
  • Reglosigkeit,
  • niedriger Blutdruck (Hypotonie),
  • stark erniedrigte Körpertemperatur sowie
  • eine verlangsamte oder zu oberflächliche Atmung (Hypoventilation). 

Ein Myxödemkoma ist ein Notfall, der auf der Intensivstation behandelt werden muss.

Gerade bei älteren Menschen mit einer Schilddrüsenunterfunktion sind häufig nur einige der Symptome vorhanden. Leichte Formen einer Hypothyreose werden daher oft übersehen. Ältere Menschen sollten darum auf eine Schilddrüsenunterfunktion getestet werden, wenn ihr körperlicher und geistiger Zustand nicht ihrem Alter entspricht oder wenn Depressionen und Gedächtnisstörungen auftreten.

Infolge einer nicht behandelten Schilddrüsenunterfunktion verzögert sich bei Neugeborenen sowohl die körperliche als auch die geistige Entwicklung. In Deutschland gibt es eine gesetzlich vorgeschriebene Reihenuntersuchung (Screening) aller Neugeborenen auf eine Schilddrüsenunterfunktion. Wird eine Hypothyreose festgestellt, erfolgt im direkten Anschluss eine Therapie mit Tabletten.

Neugeborene mit Hypothyreose weisen nach der Geburt folgende Symptome auf:

  • Sie trinken wenig (Trinkfaulheit).
  • Sie leiden unter Verstopfung (Obstipation).
  • Sie bewegen sich wenig (Bewegungsarmut).
  • Ihre Haut bleibt länger gelb gefärbt (sog. Icterus prolongatus; verlängerter Neugeborenenikterus).

Kinder, deren Schilddrüsenunterfunktion nicht behandelt wird, können folgende Symptome entwickeln:

Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose): Behandlung

Eine Schilddrüsenunterfunktion wird mit Medikamenten behandelt, welche die nötigen Schilddrüsenhormone enthalten. Die jodhaltigen Schilddrüsenhormone T3 und T4 regen unter anderem den Zellstoffwechsel an und sind für ein normales Körperwachstum notwendig. Ein Wirkstoff, der bei einer Schilddrüsenunterfunktion häufig zur Behandlung eingesetzt wird, ist Levothyroxin (L-Thyroxin).

Das eigentlich wirksame Hormon ist dabei Trijodthyronin – es wird im Blut aus L-Thyroxin gebildet, indem von diesem ein Jodatom abgespalten wird.

Besteht eine angeborene Schilddrüsenunterfunktion, müssen die fehlenden Hormone umgehend ersetzt werden, damit die Entwicklung des Gehirns und anderer Organe nicht beeinträchtigt wird. Dank des Neugeborenen-Screenings erkennen Ärzte die angeborenen Formen der Schilddrüsenunterfunktion heute in den ersten Tagen nach der Geburt, sodass die Behandlung umgehend beginnen kann. Betroffene müssen die Hormone lebenslang regelmäßig einnehmen.

Erwachsene mit einer ausgeprägten (manifesten) Hypothyreose müssen regelmäßig und dauerhaft Schilddrüsenhormone einnehmen, um eine ausreichende Konzentration zu erreichen. 

Die Behandlung mit Schilddrüsenhormonen beginnt gewöhnich mit einer niedrigen Dosis, die dann langsam gesteigert wird. Der Hormonstatus sollte in regelmäßigen Abständen mithilfe einer Blutuntersuchung überprüft werden, um die Dosis wenn nötig anpassen zu können. Nebenwirkungen treten bei korrekter Dosierung nicht auf.

Behandlung eines Myxödem-Komas

Wenn eine Schilddrüsenunterfunktion nicht behandelt wird, kann das in seltenen Fällen ein sogenanntes Myxödemkoma zur Folge haben. Dann ist intensivmedizinische Hilfe notwendig. Sie umfasst:

  • Atemhilfe,
  • die Zufuhr von Steroidhormonen (Glukokortikoide),
  • eine Glukoseinfusion,
  • die Regulation des Elektrolyt- und Wasserhaushaltes,
  • die Gabe von Levothyroxin (L-Thyroxin) und
  • bei Bedarf eine Wiedererwärmung.

Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose): Ursachen

Eine Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) kann vielfältige Ursachen haben:

  • Ist die Funktion der Schilddrüse selbst gestört, spricht man von einer primären Hypothyreose. Sie ist die mit Abstand häufigste Form der Schilddrüsenunterfunktion.
  • Bei der seltenen sekundären Hypothyreose schüttet die Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) – das Steuerungszentrum vieler Drüsen – zu wenige Hormone aus, sodass die Schilddrüse nicht stimuliert wird.
  • Äußerst selten ist die Funktion des sogenannten Hypothalamus gestört. Der Hypothalamus ist ein Teil des Zwischenhirns und steuert die Hirnanhangsdrüse als übergeordnetes Zentrum. Die wissenschaftliche Bezeichnung für eine Schilddrüsenunterfunktion, die durch Störungen im Hypothalamus entsteht, lautet tertiäre Hypothyreose.

Video: Schilddrüsenerkrankung

Primäre Hypothyreose

Wenn ein Defekt der Schilddrüse zu einer Schilddrüsenunterfunktion führt, handelt es sich um eine primäre Hypothyreose. Die Ursache liegt dann also im Organ selbst.

Eine solche Schilddrüsenunterfunktion kann angeboren sein, zum Beispiel wenn die Schilddrüse komplett fehlt oder zu klein ist. Eine angeborene Schilddrüsenunterfunktion kann auch auftreten, wenn die Jodverwertung durch einen Genfehler gestört ist. Das heißt, dem Körper steht zwar genügend Jod zur Verfügung, er kann es jedoch nicht in die Schilddrüsenhormone einbauen.

Wesentlich häufiger wird die Schilddrüsenunterfunktion aber im Lauf des Lebens erworben. Die Ursach dafür ist meist ein Verlust oder eine Zerstörung von ursprünglich funktionsfähigem Schilddrüsengewebe, zum Beispiel nach:

Eine Radiojodtherapie wird zur Behandlung einer Schilddrüsenüberfunktion eingesetzt. Mittels radioaktiver Strahlung wird übermäßig hormonproduzierendes Gewebe zerstört. In manchen Fällen führt dies zu einer Schilddrüsenunterfunktion.

Eine Schilddrüsenunterfunktion kann in seltenen Fällen auch durch einen extremen Mangel des lebenswichtigen (essenziellen) Spurenelements Jod bedingt sein. Dies wird dadurch begünstigt, dass in Deutschland einige Regionen zu Jodmangelgebieten zählen.

Sekundäre Hypothyreose

Eine sekundäre Hypothyreose liegt vor, wenn es aufgrund von Störungen der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse), zum Beispiel durch Tumoren, zu einer Fehlversorgung der Schilddrüse mit dem Thyreoidea-stimulierenden-Hormon (TSH) kommt. Die Schilddrüse selbst ist dabei völlig intakt. Diese Form der Schilddrüsenunterfunktion ist sehr selten.

Tertiäre Hypothyreose

Bei der tertiären Hypothyreose liegt eine Störung des Hypothalamus vor, sodass nicht genügend Thyreotropin-Releasing-Hormone (TRH) produziert werden. Dadurch ist der Regelkreis zwischen Gehirn und Schilddrüse unterbrochen und die Schilddrüse wird nicht angeregt, Schilddrüsenhormone zu produzieren.

Als Ursachen kommen Anlagedefekte, Tumoren oder Entzündungen infrage. Diese Form der Schilddrüsenunterfunktion kommt sehr selten vor.

Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose): Diagnose

Bei einer angeborenen Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) wird die Diagnose dank einer gesetzlichen Bestimmung heutzutage meist sehr früh gestellt: Bei jedem Neugeborenen wird zwischen dem dritten und fünften Lebenstag die Schilddrüsenfunktion (sog. Neugeborenen-Screening) untersucht. Dabei wird mithilfe einiger Tropfen Blut, die aus der Ferse entnommen werden, die Konzentration bestimmter Schilddrüsenhormone bestimmt. Diese Untersuchung erfolgt auch, wenn bei älteren Kindern, Jugendlichen oder Erwachsenen der Verdacht auf eine Hypothyreose besteht.

  • Ein normaler TSH-Wert schließt Störungen der Schilddrüse aus, ein erhöhter Wert bestätigt eine Hypothyreose.
  • Ein erniedrigter Wert des freien Thyroxin bestätigt eine Schilddrüsenunterfunktion.

Die Schilddrüsenwerte geben außerdem einen Aufschluss darüber, welche Form einer Schilddrüsenunterfunktion vorliegt.

Einteilung anhand der Schilddrüsenhormone

TSH (TSH basal) Thyroxin (frei)
latente Hypothyreose erhöht    normal
manifeste Hypothyreose erhöht zu niedrig

Da oft eine Entzündung der Schilddrüse, die sogenannte Hashimoto-Thyreoiditis, Ursache einer Unterfunktion der Schilddrüse ist, sollte eine Blutprobe auf das Vorhandensein spezieller Antikörper untersucht werden. Sie entstehen im Rahmen dieser Autoimmunerkrankung und heißen TPO-Antikörper und Thyreoglobulin-Antikörper. Sie greifen gesundes körpereigenes Gewebe an, das daraufhin seine Funktion einbüßt.

Mithilfe einer Ultraschalluntersuchung (Sonographie) kann außerdem die Beschaffenheit der Schilddrüse überprüft und festgestellt werden, ob beispielsweise Knoten vorliegen. Aussagen über die Funktionstüchtigkeit der Schilddrüse können auf diesem Wege allerdings nicht getroffen werden.

Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose): Verlauf

Wenn eine Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) mit den nötigen Schilddrüsenhormonen behandelt wird, kann man gewöhnlich mit einem unkomplizierten Verlauf rechnen: Leistungsfähigkeit oder Lebensdauer sind in keiner Weise eingeschränkt.

Komplikationen

Wird eine Schilddrüsenunterfunktion bei Babys rechtzeitig mit Medikamenten behandelt, ist die Entwicklung des Säuglings nicht gefährdet. Eine angeborene Schilddrüsenunterfunktion kann jedoch unbehandelt zu Komplikationen führen: Kinder mit einer unbehandelten angeborenen Hypothyreose bleiben geistig zurück und zeigen eine Entwicklungsstörung (sog. Kretinismus).

Typische Spätfolgen einer Schilddrüsenunterfunktion im Kindesalter sind:

Eine ungenügend behandelte oder nicht erkannte Schilddrüsenunterfunktion kann in seltenen Fällen im Verlauf zum sogenannten Myxödem-Koma führen, welches sich durch

  • Schwäche,
  • Reglosigkeit,
  • niedrigen Blutdruck, (Hypotonie)
  • Untertemperatur sowie
  • eine verlangsamte oder zu oberflächliche Atmung (Hypoventilation) auszeichnet.

In diesem Fall ist sofort intensivmedizinische Hilfe notwendig.

Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose): Vorbeugen

Es ist nicht möglich, einer Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) vorzubeugen, ebensowenig, sie zu heilen. Man kann lediglich die Symptome mithilfe der Behandlung in Schach halten.

Verursacht ein starker Jodmangel die Hypothyreose, können Sie durch die konsequente Verwendung jodierter Speisesalze die Jodversorgung verbessern. Es wird empfohlen, zudem zweimal wöchentlich Seefisch zu essen, da Seefisch viel Jod enthält. Um den täglichen Bedarf sicher zu decken, können Sie in Rücksprache mit Ihrem Arzt zusätzlich Jodpräparate einnehmen.

Aber Achtung: In Schwangerschaft und Stillzeit gelten andere Richtwerte für den Jodbedarf!


Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose): : Weitere Informationen

ICD-10-Diagnoseschlüssel:

Hier finden Sie den passenden ICD-10-Code zu "Schilddrüsenunter­funktion (Hypothyreose)":

Onmeda-Lesetipps:

Schilddrüse
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Linktipps:

www.jodmangel.de Informationen zum Jodmangel

Quellen:

Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Abrufdatum: 2.5.2017)

Online-Informationen des Bundesinstituts für Risikobewertung: www.bfr.bund.de (Abrufdatum: 2.5.2017)

Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2016

Hahn, J.M.: Checkliste Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2013

Zechmann, C. M., Haufe, S. E.: Nuklearmedizinische und radiologische Diagnostik und Therapie der Schilddrüsenerkrankungen, Teil 1. Der Radiologe, Ausgabe 7, Jg. 52, S. 661-677, Springer Medizin Verlag (18. Juli 2012)

Bullmann, C.: Schilddrüsendiagnostik und -therapie in der täglichen Praxis. Gynäkologische Endokrinologie, Vol. 1, pp. 41-51 (11. Februar 2011)

Cordes, T. et al.: Schilddrüsenunterfunktion und -überfunktion – Gynäkologische Aspekte. Gynäkologische Endokrinologie, Vol. 7, pp. 247-252 (11. Oktober 2009)

Aktualisiert am: 2. Mai 2017