Rotavirus-Infektion

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (12. Dezember 2017)

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Eine Rotavirus-Infektion kommt insbesondere bei Säuglingen und Kleinkindern häufig vor. Rotaviren sind hoch ansteckend und können leicht über eine Schmierinfektion (fäkal-oral) übertragen werden.

Eine Rotavirus-Infektion kann vor allem bei Kindern unter zwei Jahren zu schweren Magen-Darm-Symptomen wie zum Beispiel wässrigen Durchfällen, Erbrechen und Bauchschmerzen führen. Erwachsene können sich über ihre Kinder mit Rotaviren anstecken. Auch Menschen über 60 Jahre sind gefährdet – Rotavirus-Ausbrüche in Altenheimen sind keine Seltenheit.

Was ist eine Rotavirus-Infektion?

Eine Rotavirus-Infektion ist eine durch Rotaviren ausgelöste Magen-Darm-Grippe (Gastroenteritis). Sie wird daher auch als Rotavirus-Gastroenteritis bezeichnet.

Häufigkeit

Rotaviren sind eine der häufigsten Ursachen von Durchfallerkrankungen bei Säuglingen und Kleinkindern. Schätzungen zufolge erkranken in Entwicklungsländern jährlich über 100 Millionen Kinder – 350.000 bis 600.000 Kinder unter fünf Jahren sterben daran. Hierzulande infizieren sich am häufigsten Säuglinge und Kleinkinder im Alter von sechs Monaten bis zwei Jahren mit dem Rotavirus. In Deutschland treten Rotavirus-Infektionen besonders häufig von Februar bis April auf.

In Deutschland besteht Meldepflicht für den Nachweis von Rotavirus-Infektionen.

Im Jahr 2016 wurden in Deutschland 22.727 Erkrankungen mit Rotaviren gemeldet – 2014 waren es noch 32.399. Experten bringen die sinkenden Zahlen damit in Verbindung, dass immer mehr Kinder rechtzeitig gegen Rotaviren geimpft werden.

Rotavirus- oder Norovirus-Gastroenteritis?

Auch Noroviren können ein bis drei Tage nach der Ansteckung zu einer schweren Darminfektion führen. Es erkranken nicht nur Säuglinge und Kleinkinder – auch Jugendliche, Erwachsene sowie alte Menschen (vor allem in Altenheimen) sind gefährdet.

Eine Infektion mit Noroviren führt zu ähnlichen Symptomen wie eine Rotavirus-Gastroenteritis: Typisch sind schwallartiges heftiges Erbrechen und starke Durchfälle mit zum Teil erheblichem Flüssigkeitsverlust. Die Betroffenen fühlen sich meist schwer krank und schwach, haben starke Bauchschmerzen sowie mitunter Übelkeit, Kopf- und Muskelschmerzen. Eine Norovirus-Gastroenteritis kann allerdings auch schwächer ausgeprägt sein. Die akuten Beschwerden sind in der Regel nach zwei bis drei Tagen ausgestanden. Eine Rotavirus-Erkrankung verläuft bei kleinen Kindern unter zwei Jahren meist deutlich schwerer als eine Norovirus-Gastroenteritis und die Symptome halten länger an.

Um eine Norovirus- von einer Rotavirus-Infektion zu unterscheiden, wird eine Stuhluntersuchung mit dem Nachweis der Viren durchgeführt. Werden Noroviren gefunden, muss der Arzt dies, wie auch bei einer Infektion mit Rotaviren, dem Gesundheitsamt melden.

Rotavirus-Infektion: Ursachen

Rotaviren werden in sieben sogenannte Serogruppen (A-G) unterschieden: Vor allem Rotaviren der sogenannten Serogruppe A führen weltweit zu schweren Darminfektionen, die in Dritte-Welt-Ländern häufig tödlich verlaufen.

Rotaviren werden fäkal-oral übertragen: Sie werden zunächst mit dem Stuhl ausgeschieden (fäkal). Werden die Hände nach dem Abwischen nicht ausreichend gereinigt, bleiben kleinste Stuhlreste daran zurück und können übertragen werden. Anschließend werden die Erreger von fremden Personen aufgenommen, z.B. über

  • Schmierinfektionen (von einer Person zur anderen, etwa beim Händeschütteln)
  • Spielzeug und andere Gegenstände

Die Ansteckung erfolgt oral: Die aufgenommenen Viren gelangen von der Hand in den Mund und so in den Magen-Darm-Trakt. Seltener befinden sich die Rotaviren in Wasser oder Lebensmitteln.

Wie lange dauert eine Rotavirus-Infektion?

Die Zeit zwischen der Ansteckung und dem Ausbruch der Darminfektionen (Inkubationszeit) beträgt ein bis drei Tage.

Außerdem ist man über den Zeitraum der akuten Rotavirus-Infektion hinaus so lange ansteckend, wie die Rotaviren mit dem Stuhl ausgeschieden werden – gewöhnlich bis zu acht Tage lang (in Einzelfällen auch länger).

Rotavirus-Infektion: Symptome

Säuglinge und Kleinkinder reagieren besonders stark auf auf eine Rotavirus-Infektion. Typische Symptome sind:

Durch die starken Durchfälle und das Erbrechen kann es zu einem hohen Flüssigkeitsverlust mit der Gefahr einer Austrocknung (Dehydratation) kommen. Das ist besonders für Babys gefährlich und muss unbedingt ärztlich behandelt werden.

Zeichen einer Dehydratation sind:

  • Durst
  • Unruhe und Reizbarkeit
  • trockene Zunge und Schleimhäute
  • Verwirrtheit
  • Lethargie
  • eingesunkene Augen
  • verminderte Urinausscheidung

Infolge der Dehydratation können beispielsweise Kreislaufprobleme und Herzrhythmusstörungen auftreten.

Rotavirus-Infektion: Diagnose

  • Die typischen Beschwerden sowie
  • das Alter der Betroffenen (sehr jung oder über 60 Jahre) und
  • der Impfstatus (keine Impfung gegen Rotaviren)

legen die Diagnose einer Rotavirus-Infektion nahe – besonders, wenn auch andere Personen – zum Beispiel Kinder im Kindergarten – an Rotaviren erkrankt sind. Allerdings gibt es zahlreiche andere Durchfallerkrankungen, die ähnliche Symptome bereiten (z.B. Norovirus-Infektion), daher sind neben der Anamnese weitere Untersuchungen nötig.

Eine Infektion mit Rotaviren lässt sich am besten durch eine Stuhluntersuchung diagnostizieren. Dabei kann im Labor ein spezifisches Antigen mithilfe des sogenannten Enzym-Immun-Test (EIA) nachgewiesen werden.

Aufwändiger ist der direkte Nachweis der Rotaviren mittels Elektronenmikroskopie, der jedoch selten durchgeführt wird.

Mit einer speziellen molekularbiologischen Methode, der Polymerase-Kettenreaktion (PCR), lässt sich außerdem der genaue Rotavirus-Typ ermitteln.

Rotavirus-Infektion: Therapie

Bei einer Rotavirus-Infektion ist es besonders wichtig, den Flüssigkeitsverlust auszugleichen, der durch Durchfall und Erbrechen entsteht:

  • In der Regel können Erwachsene den Flüssigkeitsverlust durch ausreichendes Trinken kompensieren.
  • Bei Kindern kann jedoch eine Inufsion im Krankenhaus nötig werden, wenn sie Flüssigkeit nicht bei sich behen oder nicht trinken wollen. Mittel gegen Viren (Virostatika) werden nicht verabreicht, Antibiotika (Mittel gegen Bakterien) helfen bei Virusinfektionen wie der Rotavirus-Gastroenteritis nicht.

Zuckerhaltige Getränke wie Cola sind für erkrankte Säuglinge und Kleinkinder ungeeignet. Dies hat folgenden Grund: Der enthaltene Zucker fördert die ohnehin schon durch den Durchfall gesteigerte Wasserabgabe aus dem Körper ins Darminnere. Das Kind trocknet so weiter aus. Außerdem verstärkt das in Cola enthaltene Koffein den bereits wegen des Brechdurchfalls bestehenden Kaliumverlust.

Verläuft eine Rotavirus-Infektion bei Kindern leicht, sollten sie lediglich mehr trinken als sonst, je nach Alter und vorheriger Kost Muttermilch, Säuglingsnahrung, ungesüßten Kräuter- oder Früchtetee oder Wasser. Soweit möglich, sollte das Kind außerdem normal gestillt werden oder essen – es ist nicht nötig auf eine spezielle Schon- oder Aufbaukost umzustellen oder längere Nahrungspausen einzulegen.

Ein drohender oder bestehender Wassermangel muss durch spezielle Elektrolylösungen ausgeglichen werden, die Sie in der Apotheke bekommen (der Kinderarzt stellt hierzu ein Rezept aus). Verzichten Sie auf selbst hergestellte Mischungen aus Saft, Salz, Zucker und Wasser.

Ernährungsempfehlungen für Kinder

Für Kinder mit akuter Durchfallerkrankung empfehlen Fachleute Folgendes:

  • Stillende Mütter können ihre Säuglinge zwischen dem Füttern der oralen Rehydratationslösung (Elektrolytlösung) anlegen.
  • In der Zeit während oder kurz nach dem Durchfall sollten gestillte Säuglinge nicht auf Säuglingsmilch oder Spezialnahrung umgesetzt werden, da dies Nahrungsmittelunverträglichkeiten provozieren kann.
  • Nicht gestillte Säuglinge können ihre gewohnte Säuglingsmilchnahrung unverdünnt über viele kleine Mahlzeiten verteilt einnehmen.
  • Säuglinge, die eine hypoallergene Säuglingsmilch (HA-Nahrung) erhalten, sollen keine andere Säuglingsmilch auf Kuhmilch- oder Sojabasis erhalten.
  • Babys, die schon vor einer Rotavirus-Infektion Beikost erhielten, können diese auch während oder nach der Erkrankung wieder erhalten.
  • Es ist nicht nötig, das Kind auf eine spezielle Nahrung umzustellen, z.B. eine sog. Heilnahrung mit geringerem Milchzucker- (Laktose) und/oder Fettgehalt oder Milchnahrungen auf Basis von Sojaeiweiß oder mit hydrolysiertem Eiweiß.
  • Kleinkinder erhalten eine für ihr Alter angemessene Kost, z.B. Brot mit Aufstrich, Nudel-, Kartoffel- oder Reisgerichte, Hafer- oder Grießbrei oder Suppen (Kartoffelsuppe, Möhrensuppe).
  • Kinder, die nicht erbrechen, können zunehmend Speisen mit normalem Fettgehalt essen.
  • Nicht empfehlenswert sind Säfte mit hohem Zuckeranteil (Fruchtzucker, Rohrzucker), wie etwa Apfelsaft, oder Säfte mit hohem Anteil am Zuckeraustauschstoff Sorbit. Auch sehr süße Speisen sollten gemieden werden.

Erwachsene

Eine Rotavirus-Infektion verläuft bei ansonsten gesunden Erwachsenen auch ohne spezielle Therapie häufig unproblematisch – die Symptome bessern sich von selbst wieder und der Körper überwindet den Brechdurchfall ohne Medikamente. Erwachsenen mit Rotavirus-Infektion, die nur unter leichtem Durchfall und Erbrechen leiden, schadet das Hausmittel "Cola und Salzstangen" als Therapie zwar nicht unbedingt – empfohlen wird es aber auch nicht. Neben dem in Salzstangen enthaltenen Natrium braucht der Körper auch Kalium. Daher sollte man zusätzlich Bananen essen, sie sind kaliumreich.

Erwachsene müssen ebenso wie Kinder darauf achten, ausreichend zu trinken, zum Beispiel Mineralwässer oder ungesüßte Kräuter- und Früchtetees. In schwereren Fällen können sie sich Elektrolyt-Präparate aus der Apotheke besorgen (Wirkstoff Dinatriumhydrogencitrat).

Rotavirus-Infektion: Verlauf

Eine Rotavirus-Infektion kann von leichten Durchfällen bis hin zu schwersten Krankheitssymptomen alles mit sich bringen. Vor allem bei Säuglingen und Kleinkindern sind schwere Verläufe möglich, da ihr Immunsystem noch nicht stark genug ausgebildet ist. Die größte Gefahr besteht darin, aufgrund des Flüssigkeitsverlusts durch den Durchfall und das Erbrechen auszutrocknen (Dehydratation). Die Infektion dauert in der Regel zwei bis sechs Tage.

In Entwicklungsländern nimmt die Rotavirus-Infektion häufig einen drastischeren Verlauf: Hier versterben jedes Jahr zwischen 350.000 und 600.000 Kinder im Alter unter fünf Jahren an den Folgen.

Rotavirus-Infektion: Vorbeugen mit Rotavirus-Impfung

Im Gegensatz zu Norovirus-Infektionen, die ebenfalls zu schweren Durchfallerkrankungen führen können, gibt es eine Impfung gegen Rotaviren. Es handelt sich um sogenannte Lebendimpfstoffe, die Säuglingen in zwei oder drei Dosen oral (über den Mund, als Schluckimpfung) verabreicht werden. Die Rotavirus-Impfung wird seit Juli 2013 von der Ständigen Impfkommission (STIKO) empfohlen.

Möglicherweise besteht innerhalb der ersten Woche nach der ersten Impfdosis ein geringfügig erhöhtes Risiko für eine sogenannte Darminvagination, bei der sich ein Teil des Darmes über einen anderen stülpt (1 bis 2 Fälle pro 100.000 geimpfte Kinder). Da dieses Risiko mit dem Alter der Kinder zunimmt, empfiehlt die STIKO, möglichst früh zu impfen:

  • Die erste Impfdosis sollte ab dem Alter von 6 Wochen verabreicht werden,
  • die folgenden mit einem Mindestabstand von 4 Wochen.
  • Die letzte Dosis sollte je nach Impfstoff vorzugsweise bis zum Alter von 16 Wochen (bei zwei Impfungen) beziehungsweise bis zum Alter von 20-22 Wochen (bei drei Impfungen) erfolgen.
  • Die Impfserie muss vor Vollendung der 24. beziehungsweise 32. Lebenswoche abgeschlossen sein!

Die zweite beziehungsweise dritte Impfung kann zeitgleich mit den anderen Standardimpfungen im Säuglingsalter gegeben werden. Der Impfschutz hält für etwa zwei bis drei Jahre an – was gewöhnlich ausreicht, da die Erkrankung besonders für Säuglinge und Kleinkinder gefährlich ist.

Allgemeine Maßnahmen

Es ist schwierig, einer Rotavirus-Infektion nur durch Hygienemaßnahmen vorzubeugen, da die Erreger sehr hygiene- und umweltresistent sind. Dennoch empfiehlt es sich, ein paar Vorsichtsmaßnahmen zu ergreifen, wenn man in Kontakt mit erkrankten Personen kommt:

Idealerweise sollten Sie den Kontakt zu Rotavirus-Infizierten gänzlich meiden – das ist aber weitgehend unmöglich. Wichtig sind gründliches Händewaschen nach dem Kontakt sowie die Desinfektion von Kontaktflächen wie Türgriffen, Toilette und Waschbecken. Ein infiziertes Kind darf Gemeinschaftseinrichtungen wie den Kindergarten so lange nicht besuchen, wie es ansteckend ist. Auch sollte es den Kontakt zu anderen Personen in dieser Zeit meiden (wie Großeltern, Freunde).

In Kliniken gelten besondere Vorsichtsregeln bei Rotavirus-Infektionen (z.B. das Tragen von Handschuhen, besondere Desinfektionsmaßnahmen). Allerdings zählen Rotavirus-Erkrankungen bei Säuglingen und Kleinkindern zu den häufigsten Darminfektionen, welche innerhalb des Krankenhauses übertragen werden (sog. nosokomiale Infektion).

Rotavirus-Infektion: Weitere Informationen

Onmeda-Lesetipps:

Quellen:

Herold, G.: Herold Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2018

Infektionsepidemiologisches Jahrbuch meldepflichtiger Krankheiten für 2016. Robert Koch-Institut, Berlin, 2017

Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Stand: 2.11.2017)

Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut. Epidemiologisches Bulletin, Nr. 34/2017 (24.8.2017)

Rotavirus-Infektionen. Online-Informationen des Robert-Koch-Instituts: www.rki.de (Stand: 8.6.2017)

Epidemiologisches Bulletin 6/2016: Meldepflichtige Infektionskrankheiten (15.2.2016)

Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie DGPI: DGPI Handbuch. Infektionen bei Kindern und Jugendlichen. Thieme, Stuttgart 2013

Epidemiologie der Rotavirus-Erkrankungen in Deutschland im Zeitraum von 2001 bis 2011. Epidemiologisches Bulletin, Nr. 44/2012 (5.11.2012)

Doerr, H., Gerlich, W.: Medizinische Virologie. Thieme, Stuttgart 2010

Rotavirus. Online-Informationen der WHO: www.who.int (Stand: 12.4.2010)

Aktualisiert am: 12. Dezember 2017

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