Rotatoren­manschetten­ruptur (Rotatoren­manschettenriss): Therapie

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (01. Juni 2016)

Eine Rotatorenmanschettenruptur (Rotatorenmanschettenriss) erfordert in den meisten Fällen eine gezielte Therapie. Welche Behandlung infrage kommt, hängt von einer ganzen Reihe von Faktoren ab:

  • dem Ausmaß der Schädigung: Handelt es sich um einen teilweisen oder vollständigen Riss? Sind mehrere Sehnen betroffen?
  • dem Zeitpunkt des Risses bzw. der Dauer der Beschwerden: Wie lang liegt das Ereignis zurück?
  • der Stärke der Schmerzen
  • dem Alter, Anspruch und Aktivitätsgrad des Betroffenen: Geht der Patient beruflichen oder sportlichen Aktivitäten nach, die die volle Funktion der Rotatorenmanschette voraussetzen?

Bei einer Rotatorenmanschettenruptur verfolgt die Therapie drei Ziele:

  1. die Funktion wiederherzustellen
  2. die Kraft wiederherzustellen
  3. Schmerzfreiheit herbeizuführen

Entweder erfolgt eine konservative, nicht operative Therapie oder es steht eine Operation mit entsprechender Nachbehandlung an.

Konservative Therapie, Physiotherapie

Eine konservative Therapie eignet sich, wenn die Rotatorenmanschettenruptur die Funktion der Schulter nicht oder nur in geringem, für den Patienten akzeptierbarem Maße einschränkt ist und wenn die Schmerzen im Vordergrund stehen.

Die Behandlung umfasst mehrere Aspekte:

Ein Krankengymnast arbeitet im Schulterbereich eines Patienten. © Jupiterimages/Goodshoot

Physiotherapie hilft bei einer Rotatorenmanschettenruptur.

Zudem kommt der Eigentherapie große Bedeutung zu: Der Betroffene kann zuhause krankengymnastische Übungen machen und so seine Muskeln aktiv kräftigen. Besonders wichtig sind Regelmäßigkeit und Ausdauer der Physiotherapie: Es empfiehlt sich ein Training über mehrere Monate hinweg zum Beispiel an fünf Tagen pro Woche für 15 bis 30 Minuten.

In manchen Fällen muss der Arm beziehungsweise die Schulter zu Beginn der konservativen Therapie auf einer sogenannten Thoraxabduktionsschiene für ein paar Wochen ruhiggestellt werden. Schon früh muss aber eine begleitende physiotherapeutische Behandlung erfolgen, da die Beweglichkeit der Schulter unbedingt erhalten bleiben muss. Anfangs handelt es sich meist um passive Übungen, das heißt, der Patient muss nicht selber aktiv seine Muskeln einsetzen. Später kommen aktive, teils durch den Physiotherapeuten unterstützte Übungen hinzu.

In folgenden Situationen sollten Patient und Arzt gemeinsam überlegen, ob eine Operation weiterhelfen kann:

  • wenn konservative Therapie und Physiotherapie nicht den gewünschten Erfolg zeigen
  • wenn der Betroffene weiterhin unter nachts auftretenden Schmerzen und Kraftlosigkeit in der Schulter leidet, also Beschwerden, die ihn sichtlich einschränken und seine Lebensqualität herabsetzen

Operation

Bei einer Rotatorenmanschettenruptur empfiehlt sich eine Operation meist dann, wenn Sie starke Schmerzen haben und Ihre Schulter beziehungsweise Ihren Arm nicht mehr richtig benutzen können oder ein direktes Trauma zum Riss geführt hat. Darüber hinaus bietet sich eine OP an, wenn die konservative Therapie nicht zu dem gewünschten Erfolg geführt hat sowie bei Sportlern, die einer Überkopfsportart nachgehen, wie etwa Handball- oder Tennisspieler.

Heutzutage kann die Mehrzahl der Betroffenen mittels Schlüssellochchirurgie, also einer Gelenkspiegelung (Arthroskopie), operiert werden. Meist lässt sich bei einer Rotatorenmanschettenruptur eine "offene" Operation, bei der ein größerer Hautschnitt erfolgt, umgehen. Eine weitere Möglichkeit besteht in der sogenannten mini-open-repair-Technik, die mit einem sehr kleinen Schnitt auskommt (engl. open = offen; repair = Reparatur).

Bei der Arthroskopie blickt der Arzt mit einem optischen Instrument (Endoskop) in das Schultergelenk und begutachtet die umliegenden Strukturen. Er beurteilt vorerst folgende Punkte:

  • Form, Größe und Lage des Risses
  • Beschaffenheit bzw. Qualität des Sehnengewebes
  • Beweglichkeit der Sehnenplatte

Ein Vorteil der Schlüssellochtechnik besteht darin, dass der Arzt sie sowohl für die Diagnose als auch zur Therapie einsetzen kann: Stellt sich bei der Spiegelung heraus, dass eine Operation nicht nötig oder hilfreich ist, bricht der Chirurg die Untersuchung ab. Ist sie hingegen doch notwendig, kann der Arzt eine Rotatorenmanschettenruptur direkt im selben Schritt therapieren.

Die Operation hat in den meisten Fällen zum Ziel, die gerissene Sehne zu nähen. Häufig erweitert der Operateur zusätzlich den Raum unter dem Schulterdach (Akromion), den sogenannten Subakromialraum. Dies nennen Fachleute subakromiale Dekompression. Dabei entfernt der Chirurg zum einen Gewebe des Schleimbeutels, der unter dem Schulterdach liegt (Bursa subacromialis), zum anderen trägt er mit speziellen Instrumenten (kleinen Fräsen) Teile des Knochens des Akromions ab. Hierbei kann es sich um einen störenden Knochensporn oder die Korrektur eines ungünstig verlaufenden Akromions handeln, das den Raum unter dem Schulterdach einengt.

In seltenen Fällen kommt es bei einer Rotatorenmanschettenruptur dazu, dass ein Stück Knochen mit ausreißt, meist an bestimmten Vorsprüngen des Oberarmknochens, an denen die Sehnen der Muskeln ansetzen (sog. Tuberculum minus und Tuberculum majus). Dieses Knochenstück muss dann wieder angeschraubt und verankert (fixiert) werden.

Bei einer sehr ausgeprägten Rotatorenmanschettenruptur erfolgt in der Operation ein sogenannter Muskeltransfer. Bei diesem Verfahren versetzt der Chirurg Teile des großen Brustmuskels (Musculus pectoralis major) oder des breiten Rückenmuskels (Musculus latissimus dorsi) in den Bereich der Rotatorenmanschettenruptur.

Ziel des Eingriffs: Die Muskeln sollen die Funktion der Rotatorenmanschette soweit möglich übernehmen beziehungsweise zumindest teilweise ersetzen. Der Muskeltransfer ist eine Notlösung, wenn die anderen Operationstechniken aufgrund des Ausmaßes der Verletzung nicht zum Einsatz kommen können.

Nachbehandlung

Eine Rotatorenmanschettenruptur erfordert eine intensive und konsequente Nachbehandlung. In den ersten etwa vier bis sechs Wochen nach der Operation sollten Sie den Arm der operierten Seite auf einem Abspreizkissen lagern, das auch Schulterabduktionskissen oder einfach Abduktionskissen genannt wird. Während dieser Zeit arbeiten Sie zusammen mit Physiotherapeuten daran, dass Sie Arm und Schulter wieder frei bewegen können.

Im Anschluss wird mithilfe von Krankengymnastik die Kraft der Muskeln der Rotatorenmanschette schrittweise wiederaufgebaut.

Für alle Übungen gilt: Sie dürfen nicht schmerzen!

Erfolgt bei einer Rotatorenmanschettenruptur eine dosierte und angemessene Nachbehandlung, erhöht dies – im Gegensatz zu einer mit Schmerzen einhergehenden, überfordernden Behandlung – die Chance auf ein langfristig gutes Ergebnis.


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