Rotatoren­manschetten­ruptur (Rotatoren­manschettenriss): Definition

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (01. Juni 2016)

Eine Rotatorenmanschettenruptur (Rotatorenmanschettenriss) liegt vor, wenn eine oder mehrere Sehnen der vier Muskeln, die die Rotatorenmanschette bilden, verletzt oder gerissen sind. Als Rotatorenmanschette wird eine Muskelgruppe im Schultergelenk bezeichnet.

In manchen Fällen liegt zusätzlich eine Verletzung von Bändern im Bereich des Schultergelenks vor (sog. Pulleyläsion); ebenso kann es zu begleitenden Schäden an der langen Bizepssehne kommen (LBS-Läsion), die ebenfalls nah am Schultergelenk verläuft.

Illustration: Aufbau der Schulter

Verlauf der langen Bizepssehne

Häufigkeit

Die Rotatorenmanschettenruptur zählt zu den häufigen Verletzungen der Schulter. Je älter man wird, desto wahrscheinlicher kommt es zu einem Riss der Rotatorenmanschette. So zeigen Ultraschalluntersuchungen bei etwa jedem zehnten 40- bis 49-Jährigen, jedem dritten 50- bis 59-Jährigen, jedem zweiten über 70-Jährigen Zeichen einer Rotatorenmanschettenruptur.

Rotatorenmanschette

Die Rotatorenmanschette spielt eine große Rolle für die Funktion des Schultergelenks. Durch seinen speziellen Aufbau ermöglicht das Schultergelenk dem Arm eine große Bewegungsfreiheit: Im Gegensatz zu anderen Gelenken wie dem Hüft- oder Kniegelenk besteht nur ein kleinflächiger Kontakt zwischen dem Oberarmkopf und der Gelenkpfanne des Schulterblatts. Beim Hüftgelenk zum Beispiel umschließt die Gelenkpfanne des Beckenknochens den Kopf des Oberschenkelknochens zu einem recht großen Teil und hält ihn gewissermaßen fest.

Das Schultergelenk hingegen ist auf die Rotatorenmanschette angewiesen: Dieses Gefüge aus vier Muskeln und deren Sehnen stabilisiert die Schulter maßgeblich. Voraussetzung: Alle Strukturen müssen unverletzt sein und es muss genügend Freiraum zwischen dem knöchernen Schulterdach (Akromion) und dem Kopf des Oberarmknochens bestehen, sodass sie sich frei und ohne einzuklemmen bewegen können.

Folgende vier Muskeln und deren Sehnen bilden die Rotatorenmanschette:

  • Obergrätenmuskel (Musculus supraspinatus)
  • Untergrätenmuskel (Musculus infraspinatus)
  • kleiner runder Armmuskel (Musculus teres minor)
  • Unterschulterblattmuskel (Musculus subscapularis)
Eine schematische Darstellung eines Schultergelenks von vorne.

Anatomie der rechten Schulter von vorne betrachtet (Knochen, Muskeln und Sehnen)

All diese Muskeln ziehen vom Schulterblatt zum Oberarmknochen und setzen dort mit ihren Sehnen an. Sie legen sich wie eine Manschette rund um den Kopf des Oberarmknochens und decken das Schultergelenk dabei dachartig ab. Daher stammt auch die Bezeichnung als "Schultersehnenkappe". Von vorne betrachtet setzt die Sehne des Unterschulterblattmuskels vorne an der Schulter an, die des Obergrätenmuskels oben, die des Untergrätenmuskels hinten oben und die des kleinen runden Armmuskels hinten unten.

Eine schematische Darstellung eines Schultergelenks von hinten.

Anatomie der rechten Schulter von hinten betrachtet (Knochen und Muskeln)

Die Muskeln der Rotatorenmanschette haben – neben der Stabilisierung des Gelenks – noch weitere wichtige Aufgaben: Sie bewegen den Arm im Schultergelenk und schaffen somit auch die Voraussetzung für viele Tätigkeiten der Hand. Gemeinsam mit dem Deltamuskel (Musculus deltoideus) heben sie den Arm nach außen (Abduktion) und beteiligen sich an Drehbewegungen des Arms nach innen (Innenrotation) und außen (Außenrotation).

Ist einer der Muskeln der Rotatorenmanschette gelähmt, stört dies das empfindliche muskuläre Gleichgewicht des Schultergelenks. Eine mögliche Folge: Die Position des Kopfes des Oberarmknochens verändert sich im Gelenk, viele Bewegungen laufen nicht mehr wie gewohnt ab.

Eine Schädigung der Rotatorenmanschette beginnt in vielen Fällen im Bereich der Sehne des Obergrätenmuskels: der Supraspinatussehne. Wie auch die Sehnen der anderen Muskeln der Rotatorenmanschette verläuft sie unmittelbar auf der Gelenkkapsel im Raum unter dem Schulterdach (subakromialer Raum).


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