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Forenexperte: Dr. Timo Ulrichs
Forum Rheuma
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Stand: 28. Dezember 2011Autor: Onmeda-RedaktionMedizinische Qualitätssicherung: Dr. med. Weiland, Dr. med. Waitz
Die Standardtherapie wirkt nicht bei allen Betroffenen. Deshalb arbeiten Forscher intensiv daran, neue Präparate zu entwickeln, um den Krankheitsfortschritt bei Rheuma beziehungsweise rheumatoider Arthritis aufzuhalten und die Schmerzen zu lindern. Eine neuere, vielversprechende Entwicklung sind Wirkstoffe, die in die Kommunikation zwischen Immunzellen eingreifen, welche den Entzündungsprozess bei der rheumatoiden Arthritis vorantreiben.
Von Bedeutung ist dabei der körpereigene, entzündungsfördernde Botenstoff TNF-alpha (TNF = Tumornekrosefaktor): An Entzündungen beteiligte weiße Blutkörperchen fordern über TNF-alpha andere Immunzellen dazu auf, mitzuwirken. TNF-alpha-Hemmer greifen gezielt in diese biologischen Vorgänge ein und schalten TNF-alpha aus – und halten damit den Entzündungsprozess auf. TNF-alpha-Hemmer zählen zu den sogenannten Biologika (Biologics), genauer zur Gruppe der monoklonalen Antikörper. Zurzeit sind folgende TNF-alpha-Blocker zur Behandlung der rheumatoiden Arthritis zugelassenen: Adalimumab, Certolizumab, Etanercept, Golimumab und Infliximab.
Auch Medikamente, die die B-Zellen hemmen, kommen in der Rheuma-Therapie zum Einsatz, zum Beispiel der Wirkstoff Rituximab, ein Antikörper. B-Zellen gehören zu den weißen Blutkörperchen und sind in der Lage, Antikörper zu bilden. Der auch bei Lympknotenkrebs (Non-Hodgkin-Lymphome) angewendete Antikörper wird bei rheumatoider Arthritis nach einer Vorbehandlung mit einem TNF-alpha-Hemmer eingesetzt, wenn diese Therapie nicht oder nur unzureichend wirksam oder nicht verträglich ist.
Der Wirkstoff bindet gezielt an das Merkmal CD20, das nur auf bestimmten B-Zellen im Immunsystem zu finden ist, und zerstört diese B-Zellen. B-Zellen mit dem Oberflächeneiweiß CD20 spielen eine Schlüsselrolle bei der Entstehung und Aufrechterhaltung der rheumatoiden Arthritis. Andere B-Zellen, die Teil des schützenden Immunsystems sind, greift Rituximab nicht an. So werden gezielt nur die entzündungsverursachenden Faktoren ausgeschaltet. Auf diese Weise kann die Gelenkzerstörung bei vielen Personen mit rheumatoider Arthritis aufgehalten oder zumindest gehemmt werden.
Moderne Konzepte der Rheuma-Therapie zeichnen sich dadurch aus, dass verschiedene Methoden miteinander kombiniert werden. Dazu gehören neben den Arzneimitteln auch Krankengymnastik, physikalische Therapie und Ergotherapie (z.B. Gelenkschutzberatung). Falls erforderlich, ergänzen auch soziale und psychologische Maßnahmen die Therapie. Bei starken Gelenkzerstörungen können Operationen und gegebenenfalls auch der Ersatz des zerstörten Gelenks durch ein künstliches Gelenk nötig werden.
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