Rheumatoide Arthritis: Therapie

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (06. Juni 2016)

Für die rheumatoide Arthritis gilt: so früh wie möglich behandeln! Denn diese Rheuma-Form ist mit einer zunehmenden Gelenkzerstörung verbunden, die in der Anfangsphase besonders schnell fortschreitet, aber auch mit der richtigen Therapie am besten in den Griff zu bekommen ist. Bei Verdacht auf eine entzündliche Gelenkerkrankung ist es daher wichtig, dass Sie möglichst bald einen Facharzt für innere Medizin mit dem Schwerpunkt Rheumatologie (internistischer Rheumatologe) aufsuchen.

Bislang ist es allerdings nicht möglich, die rheumatoide Arthritis zu heilen. Die Therapie zielt stattdessen darauf ab, die Krankheitsaktivität unter Kontrolle zu halten und Ihre Rheuma-Beschwerden dauerhaft zu verringern. Dabei stehen verschiedene Behandlungsverfahren zur Verfügung, zum Beispiel:

  • Therapie mit schmerzlindernden und entzündungshemmenden Medikamenten
  • Einspritzen von Kortisonpräparaten in die Gelenke oder Kortisontabletten
  • Krankengymnastik und andere physikalische Behandlungsmethoden
  • Ergotherapie und Rehabilitation
  • operative Therapie: Entfernung der Gelenkschleimhaut (Synovektomie) und wiederherstellende (rekonstruktive) Chirurgie mit Gelenkprothesen

NSAR und Kortison

Schmerzmittel wie nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR) haben in der Rheuma-Therapie die Aufgabe, die Symptome zu lindern. Die rheumatoide Arthritis selbst können sie aber nicht beeinflussen. Zu den häufig eingesetzten Wirkstoffen zählen unter anderem:

Die NSAR sorgen dafür, dass Ihre Gelenkschmerzen rasch nachlassen und Sie sich wieder besser bewegen können. Als alleinige Therapie gegen die rheumatoide Arthritis sind sie langfristig aber nicht geeignet. Mögliche Nebenwirkungen betreffen vor allem das Magen-Darm-System: Es kann zu Blutungen kommen.

Besser als NSAR eignet sich Kortison zur symptomatischen Behandlung von Gelenkrheuma: Es lindert Ihre Schmerzen rasch und wirkt gleichzeitig stark entzündungshemmend, kann also die Rheuma-Aktivität unterdrücken. Sobald die rheumatoide Arthritis sicher diagnostiziert ist, empfiehlt es sich, Kortison einzusetzen, bis die Basistherapie zu wirken beginnt. Zudem kann der Arzt Ihnen Kortison nach Bedarf in akuten Krankheitsphasen verschreiben, wenn Schmerzmittel nicht ausreichend wirken.

Basistherapeutika

Gegen die rheumatoide Arthritis sollten in jedem Fall so früh wie möglich sogenannte Basistherapeutika zum Einsatz kommen. Dann können sie den Krankheitsverlauf erfolgreich verlangsamen und so verhindern, dass Ihre Gelenke versteifen. Die Wirkung der Basistherapeutika tritt allerdings nicht sofort ein, sondern – je nach Substanz – mit einer Verzögerung von einigen Wochen bis Monaten. Zur Basistherapie stehen unter anderem folgende Wirkstoffe zur Verfügung:

Im Frühstadium kommt meist Methotrexat (oft zusammen mit Kortison) gegen die rheumatoide Arthritis zum Einsatz. Wenn die Rheuma-Aktivität dadurch nicht ausreichend nachlässt, kann der Arzt das Mittel mit einem weiteren Basistherapeutikum kombinieren.

Biologika

Bei manchen Menschen reichen die klassischen Basistherapeutika aber nicht aus, um die rheumatoide Arthritis unter Kontrolle zu bringen. Dann kann eine Therapie mit sogenannten Biologika weiterhelfen: Diese Wirkstoffe greifen gezielt in die Immunreaktionen ein, die den rheumatischen Entzündungsprozess vorantreiben. Dies kann von verschiedenen Ansatzpunkten aus geschehen.

Manche Biologika – sogenannte TNF-alpha-Hemmer (oder TNF-alpha-Blocker) aus der Gruppe der monoklonalen Antikörper – schalten zum Beispiel den körpereigenen, entzündungsfördernden Botenstoff TNF-alpha (TNF = Tumornekrosefaktor) aus und halten damit den Entzündungsprozess auf. Zur Behandlung der rheumatoiden Arthritis zugelassenene TNF-alpha-Hemmer sind:

Andere Biologika blockieren die Entzündungsreaktionen, indem sie gezielt die B-Zellen hemmen. Ein Beispiel hierfür ist der Wirkstoff Rituximab, ein Antikörper, der auch gegen Lympknotenkrebs (Non-Hodgkin-Lymphome) zum Einsatz kommt. B-Zellen gehören zu den weißen Blutkörperchen und bilden unter anderem auch den Botenstoff TNF-alpha. Rituximab kommt gegen rheumatoide Arthritis in Betracht, wenn einer Vorbehandlung mit einem TNF-alpha-Hemmer nicht oder nur unzureichend wirksam oder nicht verträglich ist.

Anders als Basistherapeutika lassen sich die einzelnen Biologika nicht miteinander kombinieren. Kombiniert mit einem Basistherapeutikum wirkt ein Biologikum aber eventuell besser gegen die rheumatiode Arthritis als alleine. Bevor die Therapie beginnen kann, muss Ihr Arzt jedoch sicherstellen, dass Sie keinerlei Infektionskrankheit haben!

Krankengymnastik und Co.

Ergänzend können gegen die rheumatoide Arthritis auch Krankengymnastik, eine physikalische Therapie und Ergotherapie (z.B. Gelenkschutzberatung) sinnvoll sein:

  • Gezielte krankengymnastische Übungen in Absprache mit dem Arzt oder Bewegungstherapeuten können Ihre Beweglichkeit verbessern. Zuweilen (aber nicht bei akut entzündeten Gelenken!) ist es hilfreich, solche Übungen in warmem Wasser auszuführen: Die Wärme lockert Ihre Muskulatur auf und das Wasser trägt einen Teil Ihres Eigengewichts.
  • In Bewegungsgruppen beispielsweise können Sie unter fachkundiger Anleitung in einer Turnhalle oder im Schwimmbad lernen, welche Übungen geeignet sind, die Beweglichkeit Ihrer Gelenke zu erhalten.
  • Bei einer gezielten Ergotherapie können Sie Bewegungsabläufe – zum Beispiel Sitzpositionen – üben, die Ihnen den Alltag erleichtern.

Falls erforderlich, ergänzen soziale und psychologische Maßnahmen die Therapie. Hat die rheumatoide Arthritis schon zu starken Gelenkzerstörungen geführt, können zudem Operationen und gegebenenfalls auch ein künstliches Gelenk als Ersatz für das zerstörte Gelenk nötig sein.

Kälte gegen akute Beschwerden

Wenn die rheumatoide Arthritis akute Beschwerden verursacht, können Sie diese mit Kälte behandeln: Kälte lindert Schmerzen und Schwellungen an den entzündeten Gelenken. Umhüllen Sie hierzu Eisbeutel oder mit Gel gefüllte Kühlbeutel aus dem Gefrierfach mit einem Tuch und legen Sie diese mehrmals täglich für einige Minuten auf die betroffenen Gelenke. Die Umhüllung mit einem Tuch ist wichtig, um Erfrierungen an der Haut zu vermeiden.

Es gibt auch spezialisierte Praxen und Fachkliniken, die gegen rheumatoide Arthritis Kältebehandlungen durch das Aufblasen von gekühlter Luft oder flüssigem Stickstoff auf die Haut anbieten. Zum Teil sind hier auch Kältekammern vorhanden, in denen Sie sich mehrmals täglich für sehr kurze Zeit aufhalten. Die Kälte blockiert die Schmerzrezeptoren in der Haut und verringert die Schmerzweiterleitung in den Nervenfasern.

Hilfen im Alltag

Rheumatoide Arthritis geht in der Regel mit einer eingeschränkten Beweglichkeit der Hände einher. Um diese auszugleichen und damit den Alltag zu erleichtern, sind viele Hilfsmittel verfügbar: Das erleichtert nicht nur Alltägliches – wie einen Apfel zu schälen –, sondern entlastet und schützt gleichzeitig die Gelenke. Nicht zuletzt haben Sie dank solcher Hilfen die Chance, sich im Alltag ein Stück Unabhängigkeit zurückzuerobern.

Ist nur eine Hand durch die rheumatoide Arthritis stark eingeschränkt, reichen Hilfsmittel, die das einhändige Arbeiten erlauben. Scheren, Besteck, Koch- und Schneidehilfen, Obst- und Gemüseschäler, aber auch Töpfe und vieles mehr sind so konzipiert, dass sie dicke Griffe aus Moos- oder Schaumgummi haben. Weiche Griffrillen verhindern bei einigen Modellen das Abrutschen der nassen Hände. Tassen sind mit zwei Henkeln ausgestattet, damit sich das Gewicht auf beide Hände verteilt.

Beispiele für Alltagshilfen

  • Greifhilfen: Spezielle Greifhalter ermöglichen es Ihnen, trotz eingeschränkter Bewegungsfähigkeit der Hand Gegenstände wie Besteck, Schreibinstrumente oder Bürsten sicher zu handhaben.
  • Kugelschreiber: Manche Kugelschreiber lassen sich auch von Menschen mit Rheuma gut greifen und benötigen keinen starken Druck, um zu schreiben. Für den besseren Griff haben sie eine Vertiefung für den Daumen.
  • Schlüssel-Drehhilfe: Die Drehhilfe für Schlüssel lässt sich gut fassen und ermöglicht das einfache Aufschließen einer Tür.
  • Knöpfhilfe: Das Gerät passt sich individuell der Handform an, ist leicht zu greifen und erleichtert das Schließen der Knöpfe. Gerade bei solch filigranen Abläufen der Hände sind Hilfsmittel eine wichtige Möglichkeit, sich trotz Rheuma selbstständig zu versorgen.
  • Esshilfen: Es gibt unzählige Hilfsmittel, mit denen Sie beispielsweise mit nur einer Hand essen können, ohne dass das Essen vom Teller rutscht – wie Teller mit erhöhtem Rand, ringförmige Tellereinfassungen oder rutschfeste Unterlagen.
  • Schneidebrett: Rutschfeste Schneidebretter haben eine Haltevorrichtung, in die sich das gewünschte Gemüse oder Brot einspannen lässt, ähnlich einer Schraubzwinge. So können Sie die Lebensmittel einhändig schneiden.
  • Trinkbecher: Hat ein Becher zwei Henkel, kann sich das Gewicht auf beide Hände verteilen.
  • Flaschenöffner: Mit einem speziellen Flaschenöffner können Sie mit wenig Kraftaufwand Getränkedosen und Flaschen öffnen – egal, ob Schraubverschluss oder Kronkorken.
  • Dehnbare Schnürsenkel: Die elastischen Schnürsenkel müssen nur einmal gebunden werden und lassen sich dann bei jedem An- und Ausziehen einfach dehnen. So können Sie Ihre Schnürschuhe weiterhin problemlos anziehen, ohne jedes Mal eine Schleife binden zu müssen.
  • Dosenöffner, Zahnbürste und Co.: Geräte mit elektrischem Antrieb entlasten Sie im Alltag, da Sie sich nicht anstrengen müssen.
  • Für Linkshänder: Ist die rechte Hand stärker eingeschränkt als die linke, bietet es sich an, speziell für Linkshänder gefertigte Alltagsgegenstände zu verwenden. Die verfügbaren Angebote reichen vom Dosenöffner bis zur Schere.


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