Restless-Legs-Syndrom (RLS, unruhige Beine)

Veröffentlicht von: Dr. rer. nat. Geraldine Nagel (09. Oktober 2017)

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Das Restless-Legs-Syndrom (RLS, unruhige Beine) ist unangenehm und kann den Alltag stark belasten. Die Erkrankung trifft Frauen häufiger als Männer und scheint sich eher mit zunehmendem Alter zu entwickeln.

Was ist das Restless-Legs-Syndrom?

Das Restless-Legs-Syndrom ist eine neurologische Erkrankung, die sich vor allem durch einen unbändigen Bewegungsdrang der Beine, seltener der Arme, auszeichnet. Dieser tritt hauptsächlich in Ruhe auf – vor allem abends und nachts. Begleitend kommt es oft zu Missempfindungenin den Beinen.

Restless-Legs-Syndrom: Typische Symptome

Typische Restless-Legs-Symptome sind vor allem unruhige Beine. Betroffene verspüren einen nicht zu bändigenden Bewegungsdrang der Beine. Oft wird dieser von Missempfindungen wie einem Ziehen, Reißen oder Kribbeln in den Beinen begleitet. Aber auch krampfähnliche Beschwerden oder Schmerzen können auftreten.

Der Bewegungsdrang an sich äußert sich meist durch ein unangenehmes bis qualvolles Gefühl von Unruhe, Spannung und / oder Druck tief in den Beinen. Häufig fällt es Betroffenen schwer, dieses Gefühl genau zu beschreiben, da es dafür kein wirklich passendes Wort gibt. Bewegung lindert die Missempfindungen beim Restless-Legs-Syndrom nur kurzzeitig.

Betroffene empfinden die Beschwerden zudem sehr unterschiedlich. Bei manchen Restless-Legs-Patienten treten die Symptome einseitig, beidseitig oder abwechselnd auf beiden Seiten auf. Teilweise ruft das Restless-Legs-Syndrom zusätzlich auch Symptome in den Armen oder anderen Körperregionen hervor.

Die Restless-Legs-Symptome beginnen und verschlechtern sich, wenn der Körper in Ruhe ist, also im Sitzen oder Liegen. Sie treten vor allem am Abend oder in der Nacht auf und führen daher oft zu Ein- und Durchschlafstörungen. Das Restless-Legs-Syndrom kann sich in der Folge auch durch Symptome wie Erschöpfung, Müdigkeit am Tag und Leistungseinbrüche äußern.

Das Restless-Legs-Syndrom kann auch in erzwungenen Ruhesituationen auftreten. Damit sind Situationen gemeint, bei denen man längere Zeit mehr oder weniger reglos sitzen muss (wie bei einem Kinobesuch oder einer langen Auto- oder Zugreise). Auf diese Weise wirkt sich die Erkrankung bei vielen Betroffenen auch auf das Freizeitverhalten aus.

Restless-Legs-Syndrom: Man sieht die Beine einer Frau im Bett. © iStock

Betroffene mit Restless-Legs-Syndrom hält das unangenehme Gefühl in den Beinen oft vom Einschlafen ab.

Restless-Legs-Syndrom: Was sind die Ursachen?

Die eigentlichen Ursachen für das Restless-Legs-Syndrom (RLS, unruhige Beine) sind noch nicht bekannt. Wahrscheinlich ist bei den Betroffenen die Übertragung von Nervensignalen beziehungsweise der Dopamin-Stoffwechsel im Gehirn gestört. Dopamin ist ein Botenstoff, der an der Erregungsleitung zwischen Nervenzellen beteiligt ist. Darüber hinaus könnten Störungen im Kleinhirn und im Hirnstamm bei der Entstehung von RLS eine Rolle spielen.

In mehr als 50 Prozent der Fälle tritt das Restless-Legs-Syndrom in der Familie gehäuft auf. Man geht deshalb davon aus, dass es erbliche Einflüsse gibt. Inzwischen sind auch mehrere Gene bekannt, die bei der Erkrankung eine Rolle zu spielen scheinen. Wie diese genau aussieht, ist allerdings noch unklar.Grundsätzlich lassen sich beim Restless-Legs-Syndrom zwei Formen unterscheiden:

Auch die Einnahme von Medikamenten (z.B. bestimmte Wirkstoffe gegen Übelkeit oder Depressionen) kann Restless-Legs-Beschwerden hervorrufen. In solchen Fällen sollte in Absprache mit dem Arzt möglichst auf ein anderes Medikament gewechselt werden.

Häufigkeit

Das Restless-Legs-Syndrom ist eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen: Das RLS kommt bei etwa drei bis zehn Prozent der Bevölkerung vor. Zwei bis drei Prozent der Betroffenen haben dabei ein schwer ausgeprägtes RLS, das medikamentös behandelt werden muss. Die "unruhigen Beine" kommen bei Frauen häufiger vor als bei Männern und entwickeln sich insgesamt eher mit zunehmendem Alter.

Eher selten tritt das Restless-Legs-Syndrom bereits im Kindes- und Jugendalter auf. Bei jungen Betroffenen wird die Erkrankung jedoch nicht immer als Ursache der Beschwerden erkannt. Stattdessen diagnostizieren Ärzte unter Umständen fälschlicherweise eine Hyperaktivität oder Wachstumsschmerzen.

Historisches

Der englische Arzt Thomas Willis beschrieb 1685 erstmals die Symptome des Restless-Legs-Syndroms. Aber erst 1945 führte der schwedische Arzt Karl Axel Ekbom das RLS als eigenständiges Krankheitsbild in die Literatur ein. Der englische Begriff "Restless Legs" beschreibt dabei das Hauptsymptom der Erkrankung: die unruhigen Beine.

Restless-Leges-Syndrom: Man sieht, wie Nervenzellen über den Austausch von Neurotransmittern an den Synapsen Signale austauschen. © iStock

Nervenzellen übertragen Signale mithilfe von Botenstoffen wie Dopamin. Beim Restless-Legs-Syndrom scheint es hier zu einer Fehlfunktion zu kommen.

Restless-Legs-Syndrom: Diagnose

Beim Restless-Legs-Syndrom (RLS, unruhige Beine) stellt der Arzt die Diagnose in erster Linie anhand der Symptome. Dazu müssen vier Kriterien erfüllt sein:

  • Bewegungsdrang in den Beinen (evtl. auch in den Armen), meist gleichzeitig mit Missempfindungen oder Schmerzen
  • Bewegungsdrang tritt ausschließlich in Ruhe und Entspannung auf bzw. verstärkt sich in Ruhesituationen
  • Bewegungsdrang lässt sich kurzfristig durch Bewegung lindern oder stoppen
  • Beschwerden treten vor allem abends oder nachts auf

Zusätzliche Anzeichen, die auf das Restless-Legs-Syndrom hindeuten und die Diagnose unterstützen können, sind:

  • bekannte Fälle von RLS in der Familie
  • Verbesserung der Beschwerden bei einer Behandlung mit L-Dopa oder Dopaminagonisten (L-Dopa-Test)
  • periodische Beinbewegungen, die während des Schlafs auftreten, oder auch wenn der Betroffene wach ist

In manchen Fällen führt der Arzt bei Verdacht auf das Restless-Legs-Syndrom zur Diagnose den sogenannten L-Dopa-Test durch. Hierbei erhält der Betroffene den Wirkstoff L-Dopa. Verbessern sich die Symptome, kann dies die Diagnose bestärken. Verbessern sich die Beschwerden jedoch nicht, kann das ein Restless-Legs-Syndrom allerdings auch nicht sicher ausschließen.

Um festzustellen, ob eine andere Erkrankung Auslöser der "unruhigen Beine" ist, können außerdem folgende Untersuchungen infrage kommen:

Restless-Legs-Syndrom: Ein Arzt betrachtet das Bein eines Patienten. © iStock

Ob ein Restless-Legs-Syndrom vorliegt, lässt sich anhand von vier Kriterien feststellen.

Restless-Legs-Syndrom: Therapie

Beim Restless-Legs-Syndrom unterscheidet sich die Therapie abhängig davon, wie stark die Beschwerden und der Leidensdruck sind und ob ein Auslöser festgestellt werden kann. Ist das Restless-Legs-Syndrom die Folge einer Erkrankung (z.B. Diabetes mellitus), sollte diese angemessen behandelt werden. Entstehen die Restless-Legs-Symptome durch einen Mangel, kann ein Ausgleich die Beschwerden oft beheben (z.B. bei Eisenmangel oder einem Mangel an Vitamin B12 oder Folsäure).

Manchmal ist der Auslöser der Beschwerden auch vorübergehend, etwa bei einer Schwangerschaft. Bei manchen Betroffenen rufen Medikamente die Restless-Legs-Symptome hervor oder verstärken diese. Dann sollte man Rücksprache mit dem behandelnden Arzt halten und herausfinden, ob ein alternatives Präparat in Frage kommt.

Etwa zwei bis drei Prozent der Betroffenen mit Restless-Legs-Syndrom benötigen spezielle Medikamente. Meist ist das der Fall, wenn sich nicht feststellen lässt, dass

  • die Beschwerden die Folge einer anderen Erkrankung oder eines Mangels sind oder
  • die Beschwerden sehr stark sind.

In solchen Fällen eignet sich eine Behandlung mit dem Wirkstoff Levodopa (L-Dopa) beziehungsweise der Wirkstoffkombination  Levodopa und Benserazid. Auch eine Therapie mit sogenannten Dopaminagonisten wie Ropinirol, Rotigotin oder Pramipexol ist möglich. Die Behandlung mit L-Dopa ist im Prinzip eine Art Dopamin-Ersatztherapie. Wirkstoffe aus der Gruppe der Dopaminagonisten ahmen dagegen Dopamin nach und rufen so eine dopaminartige Wirkung hervor.

Zeigen die Dopaminagonisten keine ausreichende Wirkung oder treten zu starke Nebenwirkungen auf, setzen einige Ärzte auch Opioide wie Oxycodon oder Antiepileptika wie Pregabalin oder Gabapentin ein. Diese Wirkstoffe können die Symptome bei stark ausgeprägtem und sehr schmerzhaftem Restless-Legs-Syndrom in Einzelfällen lindern. Im Unterschied zu L-Dopa und bestimmten Dopaminagonisten sind sie aber in Deutschland noch nicht offiziell für die RLS-Therapie zugelassen. Dennoch können diese Wirkstoffe für einen "Off-Label-Use" bei Restless-Legs-Syndrom verschrieben werden, also für einen "nicht bestimmungsmäßigen Gebrauch".

Restless-Legs-Syndrom: Ein Mann hält zwei Tabletten in der rechten Hand und ein Glas Wasser in der linken Hand. © iStock

Spezielle Medikamente wie Dopamin oder Dopaminagonisten benötigen nur zwei bis drei Prozent der Betroffenen mit Restless-Legs-Syndrom.

Was Sie selbst tun können

Bei leichteren Restless-Legs-Fällen lassen sich die Beschwerden oft schon mit einfachen Maßnahmen lindern, wie zum Beispiel:

  • durch eine ausgewogene Ernährung, die ausreichend Eisen, Vitamin B12 und Folsäure enthält
  • Wechselduschen
  • Fußbäder
  • warme oder kalte Wadenwickel
  • Beine massieren
  • Sport/Gymnastik
  • Dehnübungen
  • einige Stunden vor dem Schlafengehen auf "Wachmacher" verzichten, wie z.B.
  • auf Mittagsschlaf verzichten (denn das mittägliche Nickerchen kann den Nachtschlaf stören)
  • vor dem Schlafengehen zur Ruhe kommen

Restless-Legs-Syndrom: Verlauf

Das Restless-Legs-Syndrom (RLS, unruhige Beine) kann einen sehr unterschiedlichen Verlauf nehmen. Meist lässt es sich jedoch gut behandeln.

Mögliche Komplikation: Augmentation

Im Laufe der Therapie mit Levodopa (L-Dopa) oder Dopaminagonisten kann es passieren, dass sich die Symptome plötzlich verstärken oder die Beschwerden früher einsetzen, obwohl sich an der Behandlung nichts geändert hat. Mediziner bezeichnen das als Augmentation. Mitunter breiten sich die Symptome auch auf andere Körperbereiche aus. Entwickelt sich beim Patienten solch eine Augmentation, stellt der Arzt die Therapie um.

Restless-Legs-Syndrom: Weitere Informationen

ICD-10-Diagnoseschlüssel:

Hier finden Sie den passenden ICD-10-Code zu "Restless-Legs-Syndrom (RLS, unruhige Beine)":

Selbsthilfegruppen / Beratungsstellen:

RLS e.V. – Deutsche Restless Legs Vereinigung
Schäufeleinstr. 35
80687 München
+49 (0)89 - 55 02 88 80
+49 (0)89 - 55 02 88 81
info@restless-legs.org
www.restless-legs.org

Quellen:

Restless-Legs-Syndrom: Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Stand: 27.7.2017)

Online-Informationen der Deutschen Restless Legs Vereinigung: www.restless-legs.org (Abrufdatum: 9.10.2017)

Patienteninformation Restless-Legs-Syndrom. Online-Informationen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung: www.kbv.de (Stand: August 2015)

Grehl, H., et al.: Checkliste Neurologie. Thieme, Stuttgart 2016

Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie: Restless-Legs-Syndrom (RLS) und Periodic Limb Movement Disorder (PLMD). AWMF-Leitlinien-Register Nr. 030/081 (Stand: 30.9.2012)

Hacke, W.: Neurologie. Springer, Heidelberg 2010

Trenkwalder, C., et al.: Treatment of Restless Legs Syndrome: An Evidence-Based Review and Implications for Clinical Practice. Movement Disorders; Vol. 23, No. 16, pp. 2267-2302 (2008)

Aktualisiert am: 9. Oktober 2017

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