Reizmagen (funktionelle Dyspepsie): Ursachen

Veröffentlicht von: Astrid Clasen (20. November 2015)

Worin ein Reizmagen (funktionelle Dyspepsie) seine Ursachen hat, ist nicht bekannt. Der früher angenommene Zusammenhang zwischen einer Infektion mit dem Bakterium Helicobacter pylori und dem Reizmagensyndrom hat sich nicht bestätigt.

Stattdessen gilt als wahrscheinlich, dass hinter dem Reizmagen mehrere zusammenwirkende körperliche, seelische und soziale Faktoren stecken (sog. multifaktorielle Entstehung). Dass Körper und Seele eng zusammenhängen, ist zum Beispiel zu beobachten, wenn Menschen in Stresssituationen häufiger auf die Toilette müssen. Sprüche wie "Das hat mir auf den Magen geschlagen" zeigen, dass der enge Zusammenhang zwischen körperlichen Vorgängen und seelischen Zuständen allgemein bekannt ist.

Nach derzeitigem Diskussionsstand kommen für den Reizmagen vor allem Funktionsstörungen des Magens als Ursachen infrage – so etwa eine gesteigerte motorische Aktivität, deren Gründe jedoch nicht bekannt sind. Normalerweise bleibt der Nahrungsbrei länger im vorderen Magenabschnitt, wohingegen er sich bei Menschen mit funktioneller Dyspepsie schnell im hinteren Magenabschnitt vor dem Pförtner (im sog. Antrum) ansammelt. Die Betroffenen erleben das verstärkte Zusammenziehen (Kontraktion) der Magenwandmuskulatur als schmerzhaft.

Zudem zählen Ernährungsgewohnheiten und Nahrungsmittelunverträglichkeiten zu den möglichen Ursachen für einen Reizmagen. Bei vielen Betoffenen führt der Genuss von Kaffee, scharfen Gewürzen, Alkohol und / oder fetthaltigen Lebensmitteln zu Oberbauchbeschwerden. Auch Unverträglichkeiten gegen Milchprodukte, Eier und bestimmte Obstsorten können Symptome einer funktionellen Dyspepsie auslösen.

Die Anatomie des Magens © LifeART image/2001/ Lippncott Williams & Wilkins all rights rese

Aufbau des Magens

In Einzelfällen helfen gegen den Reizmagen magensäurereduzierende Medikamente (z.B. Protonenpumpenhemmer) – vor allem, wenn als Beschwerden Schmerzen im Vordergrund stehen. Daher vermutet man, dass die Säurebildung des Magens die funktionelle Dyspepsie mitverursachen könnte.

Es ist auch nicht auszuschließen, dass sich ein Reizmagen durch erbliche Einflüsse entwickeln kann. Und in manchen Fällen ist ein nervöser Magen zumindest teilweise auf ein gestörtes Immunsystem zurückzuführen: So kann man bei einigen Menschen mit funktioneller Dyspepsie beispielsweise einen Zusammenhang mit vorangegangenen Infektionen nachweisen.

Es weist einiges darauf hin, dass psychische Faktoren für einen Reizmagen (mit)verantwortlich sein können: So können schwere Konfliktsituationen und psychische Störungen, zum Beispiel Ängste oder Depressionen, eine funktionelle Dyspepsie begünstigen oder deren Symptome verstärken. Seelische Anspannung, Unruhe oder Ängste können die Motorik der Magenmuskulatur beeinflussen.

Darüber hinaus schenken Menschen mit einem Reizmagen ihren körperlichen Vorgängen häufig besonders viel Ausfmerksamkeit und erleben ihre Beschwerden mit größerer Intensität. Für diese Wechselwirkungen von Magen und Psyche ist das sogenannte Bauchhirn (bzw. enterisches Nervensystem) verantwortlich.

Wie kommt es zu der Wechselwirkung von Magen und Psyche, die neben dem Reizmagen auch beim Reizdarm eine Rolle spielt?

Das Bauchhirn ist über viele Nerven mit dem für Gedanken und Gefühle zuständigen Teil unseres Gehirns (dem Großhirn) verbunden. Über diese Nervenverbindungen kommunizieren die Nervenzellen des Bauchhirns und des Großhirns miteinander. Hierzu verwenden beide Hirne dieselben Überträgerstoffe (sog. Neurotransmitter)  – ein Beispiel hierfür ist Serotonin:

  • Im Großhirn ist Serotonin an der Regelung unseres Appetits und unserer Stimmung beteiligt,
  • im Bauchhirn an der Regelung der Tätigkeit und Schmerzempfindlichkeit des Magen-Darm-Trakts.

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