Man sieht Auge und Iris einer Frau in Nahaufnahme
© Getty Images/ Dimitri Otis

Regenbogenhautentzündung: Iritis durch Stress?

Von: Claudia Dechamps (Medizinautorin und Redakteurin)
Letzte Aktualisierung: 28.06.2023

Bei der Regenbogenhautentzündung kann die Diagnostik eine Herausforderung sein, weil viele Auslöser infrage kommen. Neuere Studien belegen, dass die Regenbogenhautentzündung auch durch Stress ausgelöst werden kann. Bei ersten Anzeichen sollte sofort augenärztliche Hilfe gesucht werden.

Zusammenfassung

  • Überblick: Bei einer Regenbogenhautentzündung (Iritis) ist der farbige Teil des Auges entzündet.
  • Symptome: Ein gerötetes Auge, verstärkte Lichtempfindlichkeit, tränende und/oder schmerzende Augen sowie das Gefühl, etwas im Auge zu haben, sind typische Symptome.
  • Ursachen: Die Iritis kann für sich genommen auftreten oder im Rahmen anderer Erkrankungen. Auch Stress gilt als möglicher Auslöser.
  • Diagnose: Bei der augenärztlichen Untersuchung wird das Auge beispielsweise mit einer Spaltlampe untersucht und der Augeninnendruck gemessen.
  • Therapie: In der Regel helfen kortisonhaltige Salben oder Augentropfen. Grunderkrankungen müssen entsprechend behandelt werden.
  • Verlauf: Eine Regenbogenhautentzündung kann akut, wiederkehrend oder chronisch auftreten.

Was ist eine Regenbogenhautentzündung?

Bei einer Regenbogenhautentzündung (Iritis) entzündet sich die Regenbogenhaut des Auges – das ist der Teil, den wir als farbige Iris wahrnehmen.

Der Augapfel ist von drei verschiedenen Hautschichten umgeben: der äußeren Augenhaut, der mittleren und der inneren Augenhaut. Die mittlere Augenhaut (Uvea) wird von vielen Gefäßen durchzogen, die das gesamte Auge versorgen. Die Uvea setzt sich zusammen aus der Aderhaut (Choroidea), der Iris oder Regenbogenhaut und dem Ziliarkörper.

Mit dem Oberbegriff Uveitis werden medizinisch alle Entzündungen der mittleren Augenhaut bezeichnet, die Iritis ist eine spezielle Form der Augenhautentzündungen. Weil sie sich in der mittleren Augenhaut abspielt, wird die Regenbogenhautentzündung oder Iritis medizinisch auch als Uveitis anterior oder anteriore Uveitis bezeichnet. Sie kann in jedem Alter auftreten, vermehrt jedoch zwischen dem 20. und 50. Lebensjahr, und ein oder auch beide Augen betreffen.

Ihr Verlauf kann akut und einmalig oder wiederkehrend sein, daneben gibt es chronische Formen. Oft sind Iris und Ziliarkörper zusammen entzündet, dann lautet die augenärztliche Bezeichnung Iridozyklitis.

Symptome der Regenbogenhautentzündung

Deutliches Anzeichen einer Regenbogenhautentzündung ist das gerötete Auge, weshalb die Iritis auch mit einer Bindehautentzündung verwechselt werden kann. An weiteren Symptomen treten auf:

  • verstärkte Lichtempfindlichkeit
  • tränende und/oder schmerzende Augen
  • das Gefühl, etwas im Auge zu haben.

Im weiteren Verlauf können Sehverschlechterungen dazukommen. Typisch bei einer Iritis ist der plötzliche Beginn der Symptome, die dann von Tag zu Tag zunehmen.

Ursachen der Regenbogenhautentzündung

Bei den Ursachen der Regenbogenhautentzündung ist die Medizin dabei, ständig dazuzulernen. Viele Erkenntnisse wurden erst in den letzten Jahren gewonnen und es werden immer wieder neue Zusammenhänge entdeckt.

So zeigen beispielsweise neuere Studien, dass die Regenbogenhautentzündung durch Stress verursacht werden kann. Dazu wurden Patient*innen mit aktiver Uveitis und solche mit einer ruhenden Uveitis zu ihrem wahrgenommenen Stresslevel befragt. Diejenigen mit aktiver Uveitis beschrieben einen deutlich höheren Stresslevel als die Kontrollgruppe. 

Die Regenbogenhautentzündung lässt sich grob in zwei Gruppen einteilen:

  • Primäre Iritis
  • Sekundäre Iritis

Primäre Form

Ein kleiner Teil der Betroffenen erkrankt an einer primären Form der Regenbogenhautentzündung. In diesem Fall ist nur das Auge betroffen, weitere Erkrankungen liegen nicht vor. Die Entzündung kann einmalig auftauchen, es kann aber auch sein, dass die Regenbogenhautentzündung immer wieder kommt.

Sekundäre Form

Bei der sekundären Iritis ist die Erkrankung systemisch zu sehen, das heißt, es gibt eine andere Erkrankung im Körper, deren Folgen sich auf die Augenhaut auswirken. Das können beispielsweise Infektionen sein. Als Erreger für Entzündungen der Regenbogenhaut hat die Wissenschaft identifiziert:

In vielen Fällen gehört die Regenbogenhautentzündung zu den Begleiterkrankungen von chronischen Krankheiten wie: 

  • Morbus Bechterew: chronische Rheumaerkrankung 
  • Morbus Reiter: Reaktive Arthritis, entzündliche Erkrankung der Gelenke 
  • Morbus Crohn oder Colitis ulzerosa: entzündliche Darmerkrankungen
  • Psoriasisarthritis: Arthritis bei Schuppenflechte
  • juvenile idiopathische Arthritis: entzündlich-rheumatische Gelenkerkrankung bei Kindern 
  • Sarkoidoseauch Morbus Boeck, systemische Krankheit des Bindegewebes. 

Die Regenbogenhautentzündung gilt als eine der häufigsten Begleiterkrankungen bei Morbus Bechterew, einer besonderen Form von Rheuma.

Autoimmunerkrankungen als mögliche Auslöser

Oft liegt die Ursache der Iritis auch in einer Autoimmunreaktion des Körpers, die Abwehr des Körpers richtet sich dann auf eigene Strukturen.

Bekannte Autoimmunerkrankungen sind

  • Multiple Sklerose,
  • Sjögren-Syndrom,
  • Schuppenflechte,
  • Morbus Crohn,
  • entzündliches Rheuma oder
  • Hashimoto (Schilddrüsenerkrankung).

Viele der Autoimmunerkrankungen entstehen durch psychischen Stress und Überlastung, deshalb ist auch hier zu berücksichtigen, in welchem Umfang Regenbogenhautentzündungen durch Stress verursacht werden können.

Diagnose der Regenbogenhautentzündung

Bei geröteten und/oder schmerzenden Augen sollte rasch augenärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden.

Augenärztliche Untersuchung

Die*der Augenärztin*Augenarzt wird das Auge mit einem speziellen Gerät, der Spaltlampe, betrachten, um die Augenhäute und den hinteren Augenbereich zu prüfen. Oft wird bei dieser Untersuchung eine Verengung der Pupille festgestellt. Auch die entzündeten Gefäße und möglicherweise Verklebungen der Iris mit der Linse oder Eiteransammlungen sind mithilfe der Spaltlampe sichtbar. Ein Messen des Augeninnendrucks (Tonometrie) gibt Aufschluss darüber, ob das Kammerwasser ungehindert abließen kann. 

Anamnesegespräch

Mit der augenärztlichen Untersuchung wird zunächst einmal der klinische Befund festgestellt. Weil für die Iritis aber eine ganze Reihe von Auslösern oder andere Erkrankungen ursächlich sein können, muss die Diagnostik sehr breit gefächert sein. Im Anamnesegespräch gilt es, herauszufinden: 

  • Ist der Verlauf erstmalig oder wiederholt?
  • Haben die Beschwerden akut oder schleichend begonnen?
  • Gibt es bekannte systemische Grunderkrankungen wie Rheuma, MS, etc.?
  • Gab es Verletzungen oder Operationen am Auge?
  • Gibt es körperliche Begleiterscheinungen?

Weitere Untersuchungen

Wenn weitere Erkrankungen nicht bekannt sind, wird man sich auf diagnostische Spurensuche begeben.

Dabei helfen

  • eine umfangreiche Labordiagnostik,
  • eine Röntgenuntersuchung der Lunge, um Sarkoidose oder Tuberkulose auszuschließen, und
  • die Diagnostik weiterer Fachleute aus Gebieten wie Innere Medizin, Rheumatologie, Neurologie, Pädiatrie, Dermatologie oder HNO.

Behandlung der Regenbogenhautentzündung

Bei der Therapie der Iritis geht es darum,

  • die Entzündung einzudämmen,
  • neue Schübe zu verhindern,
  • Komplikationen zu behandeln und
  • evtl. erhöhten Augeninnendruck zu senken.

Medikamentöse Therapie

Bei der Regenbogenhautentzündung hilft das entzündungshemmende Medikament Kortison. In der Regel werden kortisonhaltige Augentropfen oder Salben verschrieben. Je nach Grad der Erkrankung werden diese anfangs mehrmals am Tag angewendet. Im weiteren Verlauf wird die Dosierung dem jeweiligen Verlauf angepasst. Meistens ist eine mehrwöchige Therapie notwendig. Im späteren Stadium kann auch auf schwächere Wirkstoffe zum Ausschleichen der Medikamentierung gewechselt werden. Unbedingt sollte während der Therapie der Augeninnendruck in regelmäßigen Abständen überwacht werden. 

Bei einem schweren Verlauf wird das Arzneimittel zur intensiveren Wirksamkeit direkt ins Auge injiziert. Damit Pupille und Iris durch den Entzündungsprozess nicht miteinander verkleben, werden kurzzeitig Präparate gegeben, die die Pupillen erweitern. Gegebenenfalls sind Virustatika sinnvoll, wenn es sich um eine herpesinduzierte Iritis handelt.

Liegt gleichzeitig ein Bluthochdruck vor, wird dieser mitbehandelt, weil bei erhöhtem Druck die empfindlichen Gefäße im Auge zuerst leiden. Als überflüssige Therapie wird heute in der Medizin das Ziehen von Zähnen gesehen. Ursprünglich sollten damit mögliche Krankheitsherde entfernt werden. 

Grunderkrankungen behandeln

Wird die Regenbogenhautentzündung durch eine systemische Erkrankung hervorgerufen, geht es darum, diese entsprechend und interdisziplinär zu behandeln. Auch hier kommen zunächst kortisonhaltige Medikamente zur Anwendung. Je nach Grunderkrankung wird dann – in Absprache mit den jeweiligen Fachärzt*innen – die verursachende Krankheit behandelt. Dabei können Antibiotika, Virustatika, Immunsuppressiva oder Antirheumatika zum Einsatz kommen. Normalerweise reicht eine ambulante Behandlung aus, nur in sehr schweren Fällen ist ein stationärer Aufenthalt notwendig. 

Wie lange dauert eine Regenbogenhautentzündung?

Wann eine Besserung der Regenbogenhautentzündung eintritt, hängt auch von der regelmäßigen Medikamenteneinnahme ab. Meist ist das akute Stadium der Entzündung nach einigen Tagen bis Wochen abgeklungen. Eine frühzeitige augenärztliche Behandlung hilft, Folgeschäden zu verhindern. Eine chronische Iritis muss entsprechend der Begleiterkrankung behandelt werden.

Verlauf und Prognose der Regenbogenhautentzündung

Bei guter medizinischer Behandlung – je eher, desto besser – sind die Aussichten auf ein komplikationsloses Ausheilen der Regenbogenhautentzündung gut. Dennoch kann es nach einer Zeit zu einem Rezidiv (Rückfall), einem Wiederauftreten der Erkrankung, kommen. Eine Regenbogenhautentzündung kann sich unbehandelt zum Glaukom (Grüner Star) mit dauerhafter Sehminderung oder Erblindung entwickeln. Medizinisch wird die Regenbogenhautentzündung in drei Verlaufsformen unterteilt, wobei die ersten beiden Verlaufstypen gut ausheilen:

  • akut – beginnt plötzlich, dauert begrenzte Zeit
  • rezidivierend – wiederholte, akute Schübe mit therapiefreien Pausen von mindestens drei Monaten 
  • chronisch – dauerhafte Erkrankung, die Regenbogenhautentzündung kommt nach Therapieende immer wieder (innerhalb von drei Monaten).

Die chronische Uveitis anterior ist nicht nur in der Diagnose sehr variantenreich und herausfordernd, auch die Behandlung erfordert eine gute interdisziplinäre Zusammenarbeit verschiedener medizinischer Fachrichtungen. Wichtig ist außerdem die Therapietreue der Patient*innen. Verordnete Tropfen und Medikamente sind in den angegebenen Intervallen und Mengen anzuwenden. Vorbeugen lässt sich einer Regenbogenhautentzündung nicht, frühe medizinische Hilfe verbessert die Heilungschancen.