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Reaktive Arthritis, Reiter-Syndrom

Veröffentlicht von: Dr. rer. nat. Geraldine Nagel (09. September 2015)

© Jupiterimages/Hemera

Der Begriff reaktive Arthritis bezeichnet eine Gelenkentzündung, die als Folge einer bakteriellen Infektion auftreten kann; meist nach einem Darminfekt oder einem Infekt der Harnwege und Geschlechtsorgane. Kommen neben der Gelenkentzündung noch eine Augenentzündung und eine Harnröhrenentzündung hinzu, spricht man vom "Reiter-Syndrom" – einer Sonderform der reaktiven Arthritis.

Sofern nach einer bakteriellen Infektion eine reaktive Arthritis auftritt, kann sich diese meist innerhalb von einigen Tagen bis Wochen nach dem Infekt zeigen. Nicht immer ist im Nachhinein festzustellen, was genau die reaktive Arthritis ausgelöst hat. Vor allem eine Infektion mit Darmbakterien (wie Salmonellen, Yersinien oder Shigellen), aber auch Geschlechtskrankheiten (wie eine Chlamydien-Infektion oder Gonorrhoe) lösen häufiger eine reaktive Arthritis aus.

Es ist nicht vollständig geklärt, warum es manchmal – aber nicht immer – nach einer bakteriellen Infektion zu einer reaktiven Arthritis kommt. Man nimmt an, dass das Immunsystem bei den Betroffenen auf im Gelenk verbliebene "Bakterienreste" reagiert. Gleichzeitig scheinen sich bei ihnen Abwehrzellen des Immunsystems auch gegen körpereigene Strukturen zu richten, die in ihrem Aufbau den Bakterienbestandteilen ähneln (sog. molekulare Mimikry).

Auf diese Weise kommt es im Gelenk zu einer Entzündung, obwohl sich dort nicht immer Krankheitserreger nachweisen lassen. Mediziner sprechen deshalb auch von einer "nicht-septischen Arthritis" (aseptischen Arthritis). Besonders häufig sind Personen betroffen, die ein bestimmtes Zellmerkmal besitzen, die Antigen-Variante HLA-B27 (Human Leukocyte Antigen-B, Variante 27). HLA-B27 zählt zu den Haupthistokompatibilitätskomplexen (MHC), die eine Rolle für die immunologische Individualität der Menschen spielen.

Typische Beschwerden einer reaktiven Arthritis sind

Eine reaktive Arthritis kann sehr unterschiedlich verlaufen. Bei frühzeitiger Behandlung sind etwa 80 bis 90 Prozent der Fälle sind innerhalb eines Jahres ausgeheilt. Aber auch chronische Formen sind möglich. Im Verlauf einer reaktiven Arthritis können entzündliche Reaktionen auch in gelenkfernen Körperbereichen auftreten, wie zum Beispiel den Augen. Aber auch Beschwerden wie Fieber und Gewichtsabnahme sind möglich.

Sonderform Reiter-Syndrom

Eine Sonderform der reaktiven Arthritis ist das sogenannte Reiter-Syndrom (Reiter-Krankheit, Morbus Reiter): Es liegt vor, wenn bei den Erkrankten neben einer Gelenkentzündung zusätzlich noch eine Augenentzündung (z.B. Bindehautentzündung) und eine Harnröhrenentzündung auftreten – diese typische Symptom-Kombination bezeichnen Mediziner auch als Reiter-Trias.

Bei einer reaktiven Arthritis verschreibt der Arzt in der Regel entzündungshemmende Medikamente aus der Gruppe der nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAR, z.B. Diclofenac oder Ibuprofen). Meist ordnet er außerdem Krankengymnastik und bei akuten Entzündungen eventuell eine Kältetherapie an. Falls beim Betroffenen die ursächliche bakterielle Infektion (z.B. Chlamydien-Infektion) noch aktiv ist, erfolgt auch eine Behandlung mit Antibiotika.



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