Reaktive Arthritis, Reiter-Syndrom: Was sind die Ursachen?

Veröffentlicht von: Dr. rer. nat. Geraldine Nagel (17. Februar 2017)

Ursache einer reaktiven Arthritis sowie ihrer Sonderform – dem Reiter-Syndrom (Reiter-Krankheit, Morbus Reiter) – ist eine bakterielle Infektion. Vor allem bestimmte bakterielle Magen-Darm-Infekte können eine reaktive Arthritis nach sich ziehen, wie etwa Infektionen mit:

Aber auch bestimmte Geschlechtskrankheiten beziehungsweise bakterielle Infektionen der Harnwege und Geschlechtsorgane haben unter Umständen eine reaktive Arthritis zur Folge, so etwa:

Sowohl die reaktive Arthritis als auch das Reiter-Syndrom sind also eine Folgeerkrankung einer bakteriellen Infektion.

Es ist bislang nicht vollständig geklärt, warum nur bei manchen Menschen nach solch einer Infektion eine reaktive Arthritis oder ein Reiter-Syndrom auftritt. Die Ursachen hängen jedoch mit dem Immunsystem zusammen: Bei den Betroffenen reagiert das Immunsystem auf im Gelenk verbliebene Bakterien oder Bakterienbestandteile und führt dazu, dass sich das Gelenk entzündet. Die Folge sind typische Beschwerden wie Gelenkschmerzen und Gelenkschwellung.

Zudem scheinen sich bei den Betroffenen die Abwehrzellen des Immunsystems gegen körpereigene Strukturen zu richten, die in ihrem Aufbau den Bakterienbestandteilen ähneln (sog. molekulare Mimikry). Es kann bei einer reaktiven Arthritis auch zu einer Entzündung im Gelenk kommen, obwohl sich aus Proben der Gelenkflüssigkeit keine Krankheitserreger anzüchten lassen. Mediziner bezeichnen das als nicht-septische Arthritis (aseptische Arthritis). Bei manchen Betroffenen lassen sich in solchen Fällen aber in der Gelenkflüssigkeit oder in der Innenhaut des Gelenks dennoch Bakterienbestandteile mit molekularbiologischen Methoden (PCR) nachweisen.

Risikofaktor HLA-B27
Personen, die ein bestimmtes genetisches Zellmerkmal besitzen – die Antigen-Variante HLA-B27 (Human Leukocyte Antigen-B, Variante 27) –, haben ein höheres Risiko, an einer reaktiven Arthritis beziehungsweise am Reiter-Syndrom zu erkranken. Das Antigen HLA-B27 lässt sich bei etwa 60 bis 80 Prozent der Erkrankten nachweisen. HLA-B27 findet man aber auch bei einer Vielzahl von Personen mit anderen entzündlichen Gelenkerkrankungen (z.B. Morbus Bechterew).

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