Reaktive Arthritis, Reiter-Syndrom: Therapie

Veröffentlicht von: Dr. rer. nat. Geraldine Nagel (17. Februar 2017)

Bei einer reaktiven Arthritis beziehungsweise deren Sonderform, dem Reiter-Syndrom, hängt die Behandlung vor allem vom Ausmaß der Erkrankung ab: Während manche Betroffene nur leichte Gelenkschmerzen haben, leiden andere möglicherweise unter einer sehr starken Gelenkentzündung und haben dadurch auch stärkere Beschwerden.

Gegen die Schmerzen und die entzündlichen Prozesse im Gelenk helfen entzündungshemmende, kortisonfreie Medikamente aus der Gruppe der nicht-steroidalen Antirheumatika (sog. NSAR, z.B. die Wirkstoffe Diclofenac oder Ibuprofen).

Verläuft die reaktive Arthritis jedoch schwerer – etwa wenn mehrere Gelenke beteiligt sind oder Beschwerden außerhalb der Gelenke auftreten – reicht eine alleinige Therapie mit NSAR oft nicht aus. Dann kann eine Behandlung mit Wirkstoffen aus der Gruppe der Glukokortikoide (Kortison) erforderlich sein. Glukokortikoide haben eine stärkere entzündungshemmende Wirkung als NSAR.

Sind auch die Augen von der reaktiven Arthritis betroffen, muss diese Entzündung möglichst rasch behandelt werden, um das Risiko von Sehschäden zu verringern.

Bestehen Anzeichen dafür, dass der Betroffene zum Zeitpunkt der Diagnose noch eine bakterielle Infektion durchmacht, kommen Antibiotika zum Einsatz, um spätere Rückfälle zu vermeiden. Die Antibiotika-Behandlung hat allerdings keine direkten Effekte auf die bestehende reaktive Arthritis. Häufig lassen sich jedoch zum Zeitpunkt der Diagnose keine Erreger mehr feststellen. Daher erfordert eine reaktive Arthritis beziehungsweise ein Reiter-Syndrom nicht zwangsläufig immer auch eine Behandlung mit Antibiotika. Sofern eine bakterielle Geschlechtskrankheit (z.B. Chlamydien-Infektion, Gonorrhoe) als Auslöser erkannt wurde, sollte nicht nur der Betroffene mit Antibiotika behandelt werden, sondern auch der Sexualpartner.

Nimmt die reaktive Arthritis einen chronischen Verlauf, können spezielle entzündungshemmende Wirkstoffe wie Sulfasalazin oder Methotrexat zum Einsatz kommen. Beide Wirkstoffe zählen zu den sogenannten Basistherapeutika. Darunter versteht man bestimmte Wirkstoffe, die auch bei anderen rheumatischen Erkrankungen zum Einsatz kommen und direkt in den Entzündungsprozess eingreifen. Basistherapeutika entfalten ihre Wirkung nicht sofort, sondern müssen erst einige Woche bis Monate eingenommen werden, ehe sie spürbar zu wirken beginnen.

Bei einer reaktiven Arthritis beziehungsweise einem Reiter-Syndrom besteht die Therapie jedoch nicht ausschließlich aus der Einnahme von Medikamenten. Begleitend verschreibt der Arzt in der Regel Maßnahmen aus dem Bereich der Physiotherapie, wie zum Beispiel:

Krankengymnastik und manuelle Therapie sollen die Gelenkbeweglichkeit erhalten und einem Muskelschwund oder Bänderschaden vorbeugen. Kältetherapeutische Maßnahmen wie Kaltluft-Anwendungen oder Kältepackungen wirken zusätzlich schmerzlindernd und entzündungshemmend.


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