Radiusfraktur (Speichenbruch): Komplikationen

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (31. Oktober 2014)

Auch eine behandelte Radiusfraktur (Speichenbruch) kann im weiteren Verlauf noch zu Komplikationen führen: Trotz Gipsverband neigen die Knochenteile bei einer Radiusfraktur durch unwillkürliche Muskelanspannungen dazu, sich erneut zu verschieben. Daher sind im Heilungsverlauf regelmäßige Röntgenkontrollen erforderlich. Stellt der Arzt bei einer dieser Kontrollen eine erneute Fehlstellung fest, ist eine operative Behandlung der Radiusfraktur häufig unumgänglich. In der Regel ist es nach einer Woche nötig, den Gips zu wechseln, da sich die Schwellung um die Radiusfraktur zurückgebildet hat und der bestehende Gipsverband dann zu locker sitzt.

Bei konservativ behandelten Radiusfrakturen sind nachträgliche Verschiebungen (sekundäre Dislokationen) der Knochenbruchstücke mit bis zu 50 Prozent relativ häufig. Eine Komplikation, die vor allem dann wahrscheinlich ist, wenn bei einer Radiusfraktur solche sekundären Verschiebungen mehrfach hintereinander auftreten, ist die sogenannte Sudeck-Dystrophie: Hierbei sind allgemein Durchblutung und Stoffwechsel der Weichteile und Knochen gestört. Die Sudeck-Dystrophie kann nach Unfällen, Operationen, Infektionen und Nervenschädigungen auftreten. Besonders Frauen im höheren Alter entwickeln nach einer Radiusfraktur im weiteren Verlauf häufiger eine Sudeck-Dystrophie.

Wenn sich bei einem Speichenbruch die Knochenbruchstücke wiederholt in krankhafte Stellungen verschieben, sind dabei die Blutgefäße und Nerven des Knochens und der anliegenden Weichteile (Muskulatur, Haut) in Mitleidenschaft gezogen. Eine unterbrechungsfreie Versorgung des Knochens und der Weichteile der Hand ist nicht mehr gewährleistet – dies hat Schädigungen und Funktionsstörungen zur Folge. Die Veränderungen zeigen sich zunächst über eine Verfärbung der Haut und über anhaltende Schmerzen bei Bewegungen der Hand. Im Endstadium der Sudeck-Dystrophie liegt ein generalisierter Schwund (Atrophie) der Haut, der Muskulatur und des Knochens vor. Das Handgelenk ist versteift und es kommt zu Sensibilitätsstörungen der Hand. Allerdings können eine gezielte Schmerztherapie und Physiotherapie das Fortschreiten der Erkrankung in dieses Stadium verhindern.

Für die operativen Behandlungsmethoden der Radiusfraktur gelten die gleichen allgemeinen Risiken wie für alle operativen Eingriffe. Zu den möglichen Komplikationen nach einem operativen Eingriff am Handgelenk gehören Infektionen, die zu einer bleibenden Bewegungseinschränkung des Gelenks führen können. Bei schweren Schädigungen der Weichteile durch die Radiusfraktur ist eine verzögerte Wundheilung nach der Operation möglich. Weitere, eher seltene Komplikationen sind Sehnenverletzungen, eine fortgesetzte Fehlstellung der Hand und Material- beziehungsweise Metallbrüche der Fixationsdrähte und -schrauben. Darüber hinaus können eine länger andauernde Ruhigstellung der Hand nach einer Radiusfraktur oder eine unzureichende Physiotherapie zu einer degenerativen Veränderung des Gelenks (sog. Gelenksarthrose) führen.

Bei der Radiusfraktur bei Kindern besteht eine mögliche Komplikation darin, dass der Speichenbruch die Wachstumsfuge anregt, wodurch sich die Speiche (Radius) verlängern kann. Im weiteren Wachstum gleicht sich dies jedoch wieder aus. Auch leichte Schiefstellungen sind bis zu einem gewissen Maß akzeptabel und normalisieren sich wieder.


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