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Stand: 30. Dezember 2011Autor: Onmeda-RedaktionMedizinische Qualitätssicherung: Dr. med. Weiland, Dr. med. Waitz
Die dissoziative Identitätsstörung (multiple Persönlichkeitsstörung) hat ihre Ursachen in Traumatisierungen in der Kindheit: 96 Prozent aller Betroffenen waren in frühester Kindheit (meist vor dem fünften Lebensjahr) fortgesetzt sexuellem oder körperlichem Missbrauch ausgesetzt oder wurden stark vernachlässigt, bis hin zur Verwahrlosung. Bei 80 Prozent dieser Betroffenen sind alle drei Formen der Traumatisierung nachzuweisen. In besonders schwerwiegenden Fällen waren die Kinder Opfer rituellen Missbrauchs im Rahmen von Sekten oder Kulten. Die übrigen 4 Prozent sind als Kinder während einer Operation aus der Narkose aufgewacht. In diesen Fällen ist die dissoziative Identitätsstörung oder multiple Persönlichkeitsstörung meist weniger stark ausgeprägt und es finden sich weniger Teilidentitäten.
Ein in der frühen Kindheit erlebtes schweres Trauma bildet die Grundlage für die dissoziative Identitätsstörung: Dieser Zeitpunkt gilt als Beginn der Aufspaltung in verschiedene Persönlichkeitsanteile. Die betroffenen Kinder erleben fortgesetzt Gefahr und Erniedrigung, denen sie nicht entfliehen können. Sie können auch nicht um Hilfe rufen, denn meist handelt es sich bei den Tätern um nahe Angehörige, die drohend fordern, nichts von den Erlebnissen zu erzählen. Um diese Situation überstehen zu können, entwickeln die Betroffenen einen Mechanismus, um dem Schmerz zu entfliehen: Sie trennen das reale Geschehen vom Bewusstsein ab und "denken" sich so aus der Situation hinaus. Daraus entsteht die multiple Persönlichkeitsstörung. Dieser Prozess geschieht unbewusst und lässt sich nicht steuern. Um die wiederholte Traumatisierung überstehen zu können, spalten sich die Betroffenen in zwei oder mehr Identitäten auf: Jede Identität übernimmt bestimmte Funktionen in den jeweiligen Situationen und kann in einer ähnlichen Situation wieder zum Vorschein kommen.
Weiterlesen: Dissoziative Identitätsstörung: Ursachen – Entstehung von Teilidentitäten
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