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Stand: 30. Dezember 2011Autor: Onmeda-RedaktionMedizinische Qualitätssicherung: Dr. med. Weiland, Dr. med. Waitz
Die dissoziative Identitätsstörung (früher: multiple Persönlichkeitsstörung kann man durchaus als historisches Störungsbild bezeichnen: Schon im 19. Jahrhundert waren unter Psychiatern sogenannte gespaltene oder multiple Persönlichkeiten über Jahrzehnte eins der meistdiskutierten Probleme. Der Psychiater Pierre Janet (1859-1947) war in der Fachwelt der Erste, der für die Auflösung und Aufspaltung des Bewusstseins in verschiedene Teile den Begriff "Dissoziation" verwendete und diesen Prozess auf traumatische Erfahrungen zurückführte.
Später geriet die Idee der Dissoziation zeitweise in Vergessenheit und kam erst im Lauf des 20. Jahrhunderts wieder auf. Nachdem in den 1970er Jahren einige Fälle bekannt wurden und die Medien ausführlich darüber berichteten, diagnostizierte man die dissoziative Identitätsstörung zunächst wesentlich häufiger. Damit verbunden wurde auch Kritik laut: Multiple Persönlichkeitsstörungen seien ein Produkt der Therapeuten; die Missbrauchserlebnisse und die multiplen Persönlichkeiten seien den Betroffenen eingeredet worden. Entsprechend galt die dissoziative Identitätsstörung als eine der umstrittensten psychiatrischen Diagnosen. Daneben kam es in den USA zu einigen Gerichtsverfahren, in denen die Angeklagten auf Unzurechnungsfähigkeit plädierten, da sie zur Tatzeit in einem anderen Persönlichkeitszustand gewesen seien – in vielen Fällen konnte man den Angeklagten jedoch nachweisen, dass sie simuliert hatten, um eine Strafe zu umgehen.
Obwohl die dissoziative Identitätsstörung 1980 Einzug in das internationale Diagnosesystem für psychische Störungen gefunden hat, hält die Diskussion über die Existenz dieser Störung weiterhin an. Das in den letzten Jahren gestiegene Bewusstsein für die Häufigkeit sexuellen Missbrauchs und nicht zuletzt die Aufdeckung von Kinderschänderbanden hat aber zu einer größeren Akzeptanz dieser Diagnose geführt. Dies ist auch wichtig, damit die Betroffenen aus den vorhandenen Behandlungsmöglichkeiten den größtmöglichen Nutzen ziehen können.
Die multiple Persönlichkeitsstörung weckt nicht nur in der medizinischen Fachwelt Interesse. Dies zeigt sich daran, dass man die multiple Persönlichkeit schon häufig in Buch und Film thematisiert hat. Das wohl bekannteste, obgleich auf die dissoziative Identitätsstörung eher unzutreffende Beispiel hierfür ist die von Robert Louis Stevenson erdachte und unzählige Male verfilmte Geschichte von Dr. Jekyll, die sich in Mr. Hyde verwandelt.
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