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Borderline-Syndrom

Erinnerung wird zur Belastung

Stand: 31. Oktober 2011Autor: Onmeda-RedaktionMedizinische Qualitätssicherung: Dr. med. Weiland, Dr. med. Waitz

Die Therapie von Personen, die traumatische Erfahrungen gemacht haben, ergab, dass die emotionalen Reaktionen der meisten schwächer werden, wenn sie über das Trauma sprechen. Bei Borderline-Patienten zeigt sich hingegen, dass ein wiederholtes Erinnern des Missbrauchs bei ihnen zu einer Zunahme der belastenden Gefühle führt. Es scheint bei ihnen eine erhöhte neurobiologische Erregbarkeit vorzuliegen. Zudem scheint die wiederholte und oft willkürliche Traumatisierung bei den von einer Borderline-Störung Betroffenen dazu zu führen, dass sie ein ausgeprägtes Gespür für mögliche Bedrohungen entwickeln.

Als Konsequenz können auf scheinbar harmlose Reize extreme Reaktionen folgen, zum Beispiel sogenannte dissoziative Symptome. Dabei verlieren Patienten mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung jeglichen Realitätsbezug und fühlen sich selbst fremd. Eigene Handlungen oder Empfindungen können sie nicht mit ihrer Person in Verbindung bringen (sog. Depersonalisation). Dissoziative Symptome können beim Borderline-Syndrom in Momenten subjektiv wahrgenommener Bedrohung auftreten. Sie sind vergleichbar mit dem Totstellreflex bei Tieren: Wenn der Person keine Handlungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen, auf die Bedrohung zu reagieren, helfen die dissoziativen Symptome dabei, sich der Situation zu entziehen. Damit ist den Borderline-Betroffenen aber die Chance genommen, zu lernen, dass sie eine wahrgenommene Gefahr bewältigen können, indem sie selbst handeln.

Die dissoziativen Symptome, wie Veränderungen der Raum- und Zeitwahrnehmung, das Gefühl, neben sich zu stehen und nichts mehr spüren zu können, erleben Personen mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung als sehr beängstigend. Häufig beenden sie diesen unangenehmen Zustand durch selbstverletzendes Verhalten, zum Beispiel durch Schneiden und Ritzen mit scharfen Gegenständen, um sich wieder zu spüren.

Aber nicht bei allen Personen, die unter einem Borderline-Syndrom leiden, liegen Missbrauchserfahrungen vor. Allen Betroffen scheint aber gemeinsam zu sein, dass sie in einem Umfeld aufgewachsen sind, in dem Verhalten und Menschen immer als entweder "vollkommen gut" oder "vollkommen böse" bewertet werden. Ein typisches erlerntes Verhaltensmuster könnte zum Beispiel sein, als "gutes" Kind nie wütend sein zu dürfen. Das führt dazu, dass die Betroffen nicht lernen, angemessen mit schwierigen Situationen oder negativen Gefühlen umzugehen. Auch prägen in der Vorgeschichte einer Borderline-Störung häufig extreme emotionale Vernachlässigung oder übermäßige Strenge die Erziehung.

Weiterlesen: Borderline-Störung: Symptome

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