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Borderline-Syndrom

Borderline-Störung: Ursachen

Stand: 31. Oktober 2011Autor: Onmeda-RedaktionMedizinische Qualitätssicherung: Dr. med. Weiland, Dr. med. Waitz

Leidet ein Mensch an einem Borderline-Syndrom, können als Ursachen traumatische Erfahrungen in der Kindheit eine Rolle spielen. Vermutlich kommen beim Borderline-Syndrom auch genetische Faktoren als Ursachen infrage. Wahrscheinlich müssen mehrere dieser Risiken zusammenkommen, damit eine Borderline-Störung auftritt.

Nach Ansicht psychoanalytischer Erklärungsmodelle handelt es sich bei der Borderline-Persönlichkeitsstörung um eine sogenannte Frühstörung. Das bedeutet, dass bei den Betroffenen Strukturen und Denkmuster bestehen geblieben sind, die typisch für die frühe Kindheit sind. In dieser Zeit stehen Hass- und Neidkonflikte im Vordergrund, es besteht noch keine differenzierte Wahrnehmung der eigenen oder fremder Personen, sondern eine starre Bewertung von Menschen als "ganz gut" oder "ganz böse".

In den letzten Jahren wurde zunehmend der Einfluss von Missbrauchserfahrungen bei der Entstehung der Borderline-Störung untersucht. Dabei zeigte sich, dass über 80 Prozent aller Betroffener mit Borderline-Syndrom über schwere traumatische Erlebnisse wie sexuellen oder körperlichen Missbrauch oder extreme häusliche Gewalt berichten.

Dabei ist in vielen Fällen der misshandelnde Täter eine wichtige Bezugsperson, sodass die Betroffenen mit dem Widerspruch konfrontiert werden, dass eine geliebte Person, die sie schützen sollte, identisch ist mit der Person, vor der man selbst Schutz bedarf. In diesem Widerspruch ist es für Betroffene nur schwer möglich, seine Reaktionen von Wut und Ekel gegenüber der Bezugsperson wahrzunehmen und zu äußern. Möglicherweise kehren sich bei der Borderline-Persönlichkeitsstörung diese negativen Gefühle dann gegen die eigene Person, sodass der Missbrauch durch die eigene "Schlechtigkeit" gerechtfertigt werden kann.

Missbrauchserfahrungen können auch die spätere Beziehungsgestaltung entscheidend prägen, da gleichzeitig unvereinbare Emotionen erlebt werden: zum Beispiel die Zärtlichkeit des Täters, verbunden mit der gleichzeitigen Angst vor ihm. Dazu das Gefühl, bevorzugt zu werden, aber auch intensive Scham. Diese extreme Widersprüchlichkeit der Gefühle lässt die Betroffenen auch später im Umgang mit anderen Menschen zwischen extremen Polen hin und her schwanken.

Weiterlesen: Borderline-Störung: Ursachen – Erinnerung wird zur Belastung

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