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Stand: 11. Dezember 2011Autor: Onmeda-RedaktionMedizinische Qualitätssicherung: Dr. med. Weiland, Dr. med. Waitz
Die Frage, worin eine Zwangsstörung ihre Ursachen hat, versuchen auch psychoanalytische Erklärungsmodelle zu beantworten: In der Psychoanalytik gilt als möglicher Auslöser einer Zwangsstörung die Fixierung auf die anale Phase. Als anale Phase bezeichnet man eine Entwicklungsstufe von Kindern (etwa im zweiten oder dritten Lebensjahr). In dieser Zeit erlangen Kinder die willkürliche Beherrschung des Schließmuskels; die Ausscheidung erleben sie als lustvoll. In diese Phase fällt auch die Sauberkeitserziehung. Dabei lernen die Kinder, wie sie Befriedigung aufschieben und Kontrolle über triebhafte Bedürfnisse gewinnen können. Erfahren Kinder auf dieser Stufe nicht genug Befriedigung, beispielsweise aufgrund einer sehr strengen Sauberkeitserziehung durch die Eltern, kann es zu einer Fixierung auf der analen Entwicklungsstufe kommen. In diesem Fall haben nach dem psychoanalytischen Erklärungsmodell Menschen mit einer Zwangsstörung (zumindest unbewusst) auch später noch mit den unbefriedigten Bedürfnissen aus der analen Phase (z.B. mit dem Wunsch, mit dem eigenen Kot zu spielen) zu kämpfen. Da sie (oder die Umgebung) die Befriedigung dieser Bedürfnisse aber nicht zulassen, treten Abwehrmechanismen auf, um diese Bedürfnisse zu unterdrücken. Auf diese Weise kann sich der eigentliche Wunsch (z.B. nach Beschmutzung) in das genaue Gegenteil, wie beispielsweise penible Sauberkeit, umkehren.
Bei den einer Zwangsstörung zugrunde liegenden Ursachen spielen auch lerntheoretische Aspekte eine Rolle: Die Lerntheorie geht davon aus, dass eine Beziehung zwischen Zwängen und Angst besteht. Demnach ist die Entstehung einer Zwangsstörung als eine Form der Angstbewältigung anzusehen. Besteht etwa eine krankhafte Angst, sich zu beschmutzen oder durch das Anfassen schmutziger Gegenstände eine ansteckende Krankheit zu bekommen, bewältigen die Betroffenen diese Angst, indem sie sich die Hände waschen. Diese Handlung vermindert die Angst. Die Betroffenen wiederholen die Handlung, weil sich dadurch vermeiden lässt, dass die Angst erneut auftritt. Auf diese Weise tritt die Zwangshandlung an die Stelle der Angst.
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