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Prostatakrebs (Prostatakarzinom): Diagnose

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (26. Januar 2016)

Häufig wird die Diagnose Prostatakrebs (Prostatakarzinom) während einer Früherkennungs-Untersuchung gestellt. Manchen Männern macht das Thema Früherkennungs-Untersuchung deswegen Angst. Vergegenwärtigt man sich aber die Chance, den Prostatakrebs früh zu entdecken, wird der Nutzen der Früherkennung deutlich. Ist der Krebs noch auf die Prostata begrenzt, sind die Heilungsaussichten sehr gut. Oft finden sich bei der Untersuchung auch Befunde, die sich nach weiterer Abklärung als nicht bösartig erweisen.

Während des Arzttermins befragt der Arzt den Patienten zunächst nach seinen Beschwerden und untersucht ihn dann, um etwaige körperliche Veränderungen festzustellen. Eine wichtige Untersuchung ist die Tastuntersuchung mit dem Finger (digital-rektale Untersuchung). Dazu führt der Arzt den Zeigefinger in den Enddarm ein und kann so die Prostata durch die Darmwand hindurch abtasten und untersuchen. Er achtet dabei unter anderem auf die Größe und Beschaffenheit der Prostata.

Stellt der Arzt während der Tastuntersuchung Veränderungen der Prostata fest, kann der Arzt zusätzlich eine Blutuntersuchung – den sogenannten PSA-Test – durchführen: Er überprüft den Wert des prostataspezifischen Antigens (PSA) im Blut. Dieser Wert wird in Nanogramm (ng) pro Milliliter (ml) angegeben.

PSA ist ein Eiweiß, das nur die Prostata bildet. Bei einem Prostatakarzinom steigt der PSA-Wert stark an – allerdings auch bei anderen Erkrankungen der Vorsteherdrüse, zum Beispiel eine Prostataentzündung (Prostatitis). Er kann deshalb lediglich einen Hinweis auf Prostatakrebs geben und die Diagnose unterstützen. Ist der PSA-Wert erhöht, sollte er regelmäßig kontrolliert werden:

  • PSA-Wert zwischen 2 und 4 ng/ml: jährliche Kontrolle

Liegt der PSA-Wert über 4 ng/ml, kann das ein Hinweis auf Prostatakrebs sein. In diesem Fall sollte der Arzt zur Diagnosestellung eine Gewebeprobe (Biopsie) aus der Prostata entnehmen und auf Krebszellen untersuchen. Eine Gewebeprobeentnahme ist auch dann sinnvoll, wenn der PSA-Wert im Verlauf der Kontrolluntersuchungen auffällig ansteigt. Dazu entnimmt er mit einer dünnen Hohlnadel über den Darm etwas Gewebe aus der Prostata, das anschließend auf Krebszellen untersucht wird. Die Biopsie erfolgt in der Regel unter örtlicher Betäubung.

Experten beurteilen den PSA-Test allerdings nach wie vor kritisch. Insbesondere wenn man vom sogenannten PSA-Screening spricht – also einer Reihenuntersuchung, bei der zum Beispiel allen Männern ab einem bestimmten Alter Blut abgenommen wird, um ihren PSA-Wert zu ermitteln. Mit dieser Untersuchung würde man verborgene Prostatatumoren entdecken – allerdings auch solche, die sehr langsam oder gar nicht wachsen und die Betroffenen wahrscheinlich nie gesundheitlich belasten würden. Diese Patienten hätten von einem PSA-Screening also keinen Nutzen, sondern würden eher verängstigt und durch die folgenden weiteren Untersuchungen und möglicherweise Behandlungsmethoden eher in ihrer Lebensqualität eingeschränkt.

Ein weiteres Untersuchungsverfahren beim Verdacht auf ein Prostatakarzinom ist der transrektale Ultraschall. Dabei führt der Arzt den Schallkopf in den Darm ein und untersucht über die Darmwand die Prostata. Da dieses Verfahren nicht genauer ist als die Tastuntersuchung, wird es nur ergänzend eingesetzt.

Vorgehen bei gesicherter Diagnose

Nach erfolgter Prostatakrebs-Diagnose bestimmt der Arzt, wie weit sich der Tumor bereits in der Prostata ausdehnt hat. Verfahren, mit denen der Arzt bestimmen kann, ob das Prostatakarzinom Tochtergeschwulste gebildet hat, sind zum Beispiel:

Mit den Ergebnissen dieser Untersuchungen kann der Arzt die Therapie besser planen. Einen Hinweis darauf, ob bereits Metastasen vorliegen – also, ob der Tumor also bereits gestreut hat – gibt der PSA-Wert. Liegt er unter 10 ng/ml ist dies nur sehr selten der Fall und es sind keine weiteren Untersuchungsverfahren notwendig.

Stadium/Tumorklassifikation (Staging)

Nach der Diagnose ist es zunächst wichtig festzustellen, um was für eine Art Tumor es sich handelt und wie weit er sich bereits ausgebreitet hat. Danach richtet sich auch die Therapie. Zur Bezeichnung der Tumorstadien wird die internationale TNM-Klassifikation verwendet. Drei Merkmale des Prostatakarzinoms sind darin zur Stadieneinteilung (sog. Staging) wichtig:

  • T beschreibt die Größe des Primärtumors (zuerst entstandene Krebsgeschwulst) und seine örtliche Ausdehnung.
  • N gibt die Zahl und den Ort der befallenen Lymphknoten an.
  • M zeigt vorhandene Fernmetastasen (Tochtergeschwulste) und ihre Lage im Körper und ihre Lage an.

TNM-Klassifikation

T - Primärtumor
Tx: keine Beurteilung des Primärtumors möglich
T0: kein Anhaltspunkt für Primärtumor
T1: der Primärtumor ist nicht zu erkennen
T1a: im operativ entfernten Drüsengewebe der Prostata finden sich Krebsanteile von bis zu 5%
T1b: im operativ entfernten Drüsengewebe der Prostata finden sich Krebsanteile von mehr als 5%
T1c: Tast- und Ultraschallbefund sind unauffällig; Prostatakrebs mithilfe einer Biopsie nachweisbar
T2: Tumor ist auf die Prostata begrenzt
T3: Tumor hat sich über die Prostatakapsel hinaus ausgebreitet
T4: Tumor befällt auch benachbartes Gewebe (Blasenhals, Blasenschließmuskel, Beckenwand, Rektum, Beckenbodenmuskulatur)
N – Benachbarte (regionäre) Lymphknoten
Nx: keine Beurteilung der umgebenden Lymphknoten möglich
N0: kein Anhaltspunkt für befallene Lymphknoten in der Umgebung des Tumors
N1: Lymphknoten in der Umgebung sind vom Tumor befallen
M – Fernmetastasen
Mx: keine Beurteilung von Fernmetastasen möglich
M0: kein Anhaltspunkt für Fernmetastasen
M1: Fernmetastasen vorhanden

Gleason-Score

Eine weitere Grad-Einteilung nach der Prostatakrebs-Diagnose ist der sogenannte Gleason-Score. Er wurde von dem amerikanischen Arzt Donald Gleason entwickelt und ist für therapeutische Entscheidungen und die Prognose bei einem Prostatakarzinom wichtig. Der Gleason-Score beschreibt, wie stark sich die Krebszellen von normalen, gesunden Körperzellen unterscheiden. Dies gibt einen Hinweis darauf, wie schnell und aggressiv der Prostatakrebs wächst. Die in der Gewebeprobe entnommenen Zellen werden ihrem Aussehen nach in fünf verschiedene Gruppen (1-5) eingeteilt:

  • Grad 1: gut ausdifferenzierte und somit einer gesunden Zelle / gesundem Gewebe noch weitgehend ähnliche Zellen.
  • Grad 2-4: Übergangsformen zwischen Grad 1 und Grad 5
  • Grad 5: sehr wenig differenzierte und somit einer gesunden Zelle nicht mehr ähnliche Krebszellen.

Für den Verlauf der Erkrankung ist wichtig, welchen Wert die meisten Proben erzielen – einzeln erhöhte Werte spielen eine geringere Rolle. Deshalb werden im Gleason-Score die beiden Punktwerte der am häufigsten vorkommenden Zellen zusammengezählt. Dieser Score beträgt dann mindestens 2 und maximal 10. Dabei ist 10 der ungünstigste Wert, da er auf sehr bösartige Zellen hinweist.

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