Startseite > Krankheiten > Prosopagnosie (Gesichtsblindheit) > Definition
Stand: 24. Juni 2011Autor: Onmeda-RedaktionMedizinische Qualitätssicherung: Dr. med. Weiland, Dr. med. Waitz
Prosopagnosie (Gesichtsblindheit) bezeichnet per Definition die Unfähigkeit, bekannte Gesichter zu erkennen (griech: prosopon = Gesicht, agnosia = Nichterkennen). Die Prosopagnosie gehört zu den sogenannten visuellen Agnosien: Eine visuelle Agnosie ist eine Störung der Fähigkeit, Dinge (wie Gesichter oder Objekte) zu erkennen, obwohl die Funktion der Augen, der Reizweiterleitung zum Gehirn und der Wahrnehmung grundlegender Merkmale (Farben, Formen) nicht gestört ist.
Wer gesichtsblind ist, bei dem liegen weder Vergesslichkeit noch Konzentrationsstörungen vor. Die Prosopagnosie ist auch keine psychische Störung. Menschen mit Gesichtsblindheit erkennen deutlich Gesichter als Kombination aus Einzelteilen wie Augen, Nase und Mund. Jedoch können sie die Information Gesicht keiner entsprechenden Erinnerung an einen bekannten Menschen zuordnen. Prosopagnosie tritt häufig in Kombination mit Hochbegabung auf und zeigt individuell unterschiedliche Ausprägungen. Ist die Gesichtserkennung besonders stark gestört, können die Betroffenen auch ein Gesicht als solches nicht wahrnehmen und Personen mit Gegenständen verwechseln.
Wenn wir ein bekanntes Gesicht betrachten, so laufen innerhalb von Sekundenbruchteilen komplizierte Vorgänge im Gehirn ab. Nerven leiten über das Auge aufgenommenen Informationen an die Sehrinde weiter, von wo ihre Verteilung an verschiedene Hirnbereiche erfolgt. Ein Hirnbereich registriert das Gesicht als solches, ein anderer Bereich ist für die Erinnerung an bekannte Gesichter zuständig, wieder ein anderer Bereich versorgt uns mit dem Vertrautheitsgefühl und ein weiterer Bereich ordnet dem Gesicht einen Namen zu. Vermutlich erkennen die zuständigen Nervenzellen nicht das individuelle Gesicht an sich, sondern die Abweichung von einem Mittelwert, den unser Gehirn aus alltäglich betrachteten Gesichtern bildet. Bei der Prosopagnosie ist der Mechanismus zur Berechnung von Mittelwert und Abweichung gestört.
Am ehesten ist die Prosopagnosie mit ähnlichen Phänomenen wie denen der Farbenblindheit zu vergleichen: Farbenblinde können Farben sehen, sie jedoch nicht zuordnen. Ebenso gibt es Menschen, die zwar Töne hören, sie jedoch nicht voneinander unterscheiden können.
Es gibt drei Formen der Prosopagnosie:
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