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Pocken

Pocken: Geschichte

Stand: 20. Februar 2011Autor: Onmeda-RedaktionMedizinische Qualitätssicherung: Dr. med. Weiland, Dr. med. Waitz

Die Pocken haben eine viele tausend Jahre zurückreichende Geschichte. So sind am Körper des Pharaos Ramses V, dessen Mumie im ägyptischen Museum in Kairo liegt, eindeutige Zeichen von Pockennarben zu erkennen. Die ersten Pockenepidemien waren bereits 1.000 vor Christus in China, auf dem indischen Subkontinent sowie auf der arabischen Halbinsel bekannt. Eine erste genaue Beschreibung der Pocken stammt von einem chinesischen Arzt aus dem Jahr 340. Die erste historisch belegte Pockenepidemie in Europa herrschte im sechsten Jahrhundert. Die Pocken wirkten sich im Mittelalter in Europa weiterhin verheerend aus: Weitere Epidemien traten im 13. Jahrhundert in England sowie im 15. Jahrhundert in Deutschland auf. Mit den spanischen Eroberern kamen die Pocken nach Amerika. Dort spielten sie wahrscheinlich eine wesentliche Rolle beim Untergang der alten Indianerkulturen der Inkas und Azteken, mit vielen Millionen Toten.

Bei den Indianerkriegen in Amerika dienten die Erreger der Pocken sogar als biologische Waffe. Im Jahr 1763 schlossen die mit den Franzosen verbündeten Indianer die Engländer im Fort Detroit am Ohio ein. Daraufhin schenkte der Befehlshaber des Forts, ein Oberst Henry Bouquet, zwei zu Verhandlungen im Fort weilenden Häuptlingen als Zeichen seiner Anerkennung einige pockeninfizierte Decken. Einige Zeit später gab es unter den völlig ungeschützten indianischen Bewohnern und Kriegern der Umgebung eine schwere Pockenepidemie mit zahlreichen Toten. Die Europäer dagegen waren durch zahlreiche frühere Pockenepidemien stark durchseucht und daher relativ wenig gefährdet.

Zu den bekannten von Pocken betroffenen Europäern gehört die österreichische Kaiserin Maria Theresia, die 1768 im Alter von 50 Jahren erkrankte und überlebte. Auch Johann Wolfgang von Goethe (1749 bis 1832) erkrankte an den Pocken. In seinem Werk Dichtung und Wahrheit beschrieb er seinen eigenen Krankheitsverlauf.

Pockenimpfung: Geschichte

Auch die Schutzimpfung gegen Pocken reicht weit in die Vergangenheit zurück. Bereits im zehnten Jahrhundert und früher gab es in China Erkenntnisse über eine mögliche Pockenimpfung: Ihre Geschichte begann dort mit der Erfahrung, dass bei gesunden Menschen, in deren Haut oder Nasenschleimhaut Sekret man aus den Hautveränderungen von Pockenkranken einbrachte, Pocken einen weniger starken Verlauf zeigten. Diese Form der als Variolisation bezeichneten Schutzimpfung hielt 1674 auch in Europa Einzug. Allerdings verlief die Pockenerkrankung auch bei den so geimpften Menschen häufig tödlich, sodass man dieses Verfahren wieder aufgab.

Die Grundlage für die heute erreichte weltweite Ausrottung der Pocken bildet eine Entdeckung des Engländers Edward Jenner: Im Jahr 1796 gelang es ihm, eine wirksame Schutzimpfung gegen die Pocken zu entwickeln. Er beobachtete die Pockenerkrankung bei Rindern (Kuhpocken) und verwendete die aus den Kuhpockenblasen gewonnene Flüssigkeit zur Impfung.

Die erste weltweit öffentliche Impfstation, vor allem gegen die Pocken, eröffneten im Jahr 1802 in Berlin der preußische König Friedrich-Wilhelm III. (1777 bis 1840) und seine Frau Luise (1777 bis 1813) unter dem Namen Königlich-Preußisches Schutzblattern-Impfinstitut. Der König ließ zu diesem Anlass seinen jüngsten Sohn Wilhelm gegen die Pocken impfen. Die Pockenimpfung schrieb weiter Geschichte: Am 8. April des Jahres 1874 trat das Reichsimpfgesetz in Kraft, das die Impfung gegen Pocken im damaligen Deutschen Reich zur Pflichtimpfung erklärte. Zwei Jahre später trat anstelle dieses Gesetztes das Gesetz über die Pockenschutzimpfung vom 18. Mai 1976 in Kraft. Im Jahr 1977 fanden in der Bundesrepublik Deutschland die letzten größeren Massenimpfungen statt. Seit dem 1. Juli 1983 ist die Pflichtimpfung gegen die Pocken gesetzlich abgeschafft.

Weiterlesen: Pocken: Ursachen

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