Plasmozytom, multiples Myelom: Therapie

Veröffentlicht von: Wiebke Raue (25. Januar 2016)

Nicht jedes Plasmozytom / multiple Myelom bedarf sofort einer Therapie – vielmehr kann es in einigen Fällen zunächst ausreichend sein, das Krankheitsbild zu beobachten und abzuwarten.

Eine Therapie ist immer dann notwendig, wenn ein sogenanntes "symptomatisches multiples Myelom" beziehungsweise Plasmozytom vorliegt – das heißt, wenn die Erkrankung bereits zu Schäden geführt hat. Anzeichen hierfür sind

  • Blutarmut,
  • die Zerstörung von Knochen,
  • eine Nierenfunktionsstörung und
  • erhöhte Calciumwerte im Blut.

Auch bei anderen Zeichen einer Organschädigung ist eine Therapie unumgänglich, so zum Beispiel bei krankhaften Eiweißablagerungen im Gewebe (Amyloidose) oder häufigen bakteriellen Infekten. Nicht immer bemerkt der Patient diese Schäden selbst – dennoch ist unabhängig vom subjektiven Gesundheitszustand eine Behandlung nötig.

Wie die Therapie genau aussieht, richtet sich in erster Linie danach, wie weit sich die Tumorerkrankung ausgebreitet hat und welche Knochenregionen befallen sind.

Ein multiples Myelom / Plasmozytom kann sich bei angemessener Therapie so weit zurückbilden, dass es im Blut nicht mehr nachweisbar ist (sog. Remission). Nach einigen Monaten bis Jahren allerdings tritt ein multiples Myelom meist erneut auf.

Eine Heilung ist beim Plasmozytom nur bei einer allogenen Stammzelltransplantation möglich, welche körperlich sehr belastend ist. Dabei werden gesunde Blutzellen eines Fremdspenders übertragen.

Watch and wait

Bei einem langsam fortschreitenden multiplem Myelom oder Plasmozytom kann der Arzt auf eine Therapie zunächst verzichten, wenn der Patient keine Beschwerden hat und wenn noch keine Schäden aufgetreten sind.

Diese Vorgehensweise nennt sich watch and wait, was so viel bedeutet wie "beobachten und abwarten". Bedingung für diese Strategie ist eine regelmäßige und häufige Kontrolle. Sobald Beschwerden auftreten, leitet der Arzt umgehend eine Therapie ein.

Das Bild zeigt ein Gespräch zwischen einem älteren Patienten und einem Arzt. © Jupiterimages/Hemera

Ein Plasmozytom beziehungsweise multiples Myelom muss nicht immer sofort behandelt werden. Ob eine Therapie nötig ist, hängt davon ab, ob die Erkrankung bereits zu Schäden führt.

Chemotherapie

Hochdosis-Chemotherapie mit Stammzelltransplantation

Die hochdosierte Chemotherapie mit anschließender Stammzelltransplantation zählt heute zur Standardbehandlung des Plasmozytoms / multiplen Myeloms bei Patienten bis zu einem Alter von circa 70 bis 75 Jahren – sofern es der Gesundheitszustand zulässt.

Bei dieser Therapie erhält der Patient zunächst hoch dosierte Chemotherapeutika. Die Hochdosis-Chemotherapie zerstört alle Krebszellen, aber auch die blutbildenden Zellen (sog. Stammzellen) im Knochenmark – und somit die körpereigene Immunabwehr.

Daher bekommt der Patient eigene Blutstammzellen übertragen, die ihm vor der Therapie entnommen wurden (sog. autologe Stammzelltransplantation). Aus diesen kann sich das blutbildende System langsam neu aufbauen.

Die hochdosierte Chemotherapie mit Stammzelltransplantation kann die Erkrankung in vielen Fällen für mehrere Jahre zum Stillstand bringen. Im Falle eines Rückfalls kann eine erneute Therapie nötig sein.

Eine Hochdosis-Chemotherapie mit Stammzelltransplantation stellt eine hohe körperliche Belastung dar und birgt gewisse Risiken. Arzt und Patient müssen daher sorgsam abwägen, ob diese Therapie infrage kommt.

Allogene Stammzelltransplantation

Eine Chemotherapie mit anschließender Übertragung körpereigener Stammzellen kann den Krebs bremsen – jedoch nicht heilen. Die einzige Möglichkeit, eine Heilung zu erzielen, ist eine Chemotherapie mit anschließender allogener Stammzelltransplantation. Dabei werden die Stammzellen eines gesunden Fremdspenders auf die erkrankte Person übertragen.

Da diese Therapieform mit schweren, teilweise lebensbedrohlichen Risiken verbunden ist – etwa, weil sich das Immunsystem des Spenders gegen gesunde Organe des Patienten richtet – kommt die allogene Stammzelltransplantation nur infrage, wenn eine autologe Stammzelltransplantation keinen Erfolg gebraucht hat.

"Neue Substanzen"

In Kombination mit einer Chemotherapie oder Stammzelltransplantation haben sich vor allem drei Wirkstoffe bewährt: Thalidomid, Bortezomib und Lenalidomid. Sie werden als "neue Substanzen" bezeichnet, wobei mittlerweile schon entsprechende weiterentwickelte Nachfolger zur Verfügung stehen.

Thalidomid und Lenalidomid sind sogenannte immunmodulierende Mittel, das heißt, sie können das körpereigene Immunsystem beeinflussen.

Aufgrund der schweren Nebenwirkungen ist Thalidomid nur unter bestimmten Bedingungen erlaubt: Lange Zeit war der Wirkstoff umstritten, da er in den 1960er Jahren unter dem Medikamentennamen Contergan aufgrund seiner fruchtschädigenden Wirkung negative Schlagzeilen machte. Während der Schwangerschaft ist eine ergänzende Behandlung mit Thalidomid daher nicht zulässig; Frauen im gebärfähigen Alter müssen auf entsprechende Verhütung achten. Auch für Lenalidomid gelten besondere Sicherheitsmaßnahmen.

Bortezomib zählt zu den sogenannten Proteasom-Inhibitoren. Proteasome spielen in einer Tumorzelle beim Abbau bestimmter Eiweiße eine Rolle. Bortezomib sorgt dafür, dass die Tumorzelle besser auf Zytostatika anspricht, ist jedoch häufig mit Nebenwirkungen wie Polyneuropathie verbunden.

Zu neuen Medikamenten, die besser wirken und weniger Nebenwirkungen haben als Thalidomid, Lenalidomid und Bortezomib, zählt beispielsweise der Immunmodulator Pomalodomid. Er wirkt ähnlich wie Thalidomid und Lenalodimid. Pomalodomid ist in Deutschland in Kombination mit Dexamethason zugelassen und für Patienten geeignet, bei denen andere Therapien – einschließlich Lenalodimid und Bortezomib – keinen Erfolg gebracht haben.

Carfilzomid ist ein Nachfolger von Bortezomib und wurde Ende 2015 von der Europäischen Kommission in Deutschland zur Anwendung in Kombination mit Dexamethason und Lenalodimid zugelassen.

Zur Therapie kommen unter Umständen auch Antikörper infrage. Die Antikörpertherapie beruht darauf, dass Antikörper in der Lage sind, bestimmte Strukturen (Antigene) auf der Oberfläche von Tumorzellen zu erkennen. So können Antikörper, die eine zellschädigende Wirkung haben, bösartige Zellen zerstören. Voraussetzung für eine erfolgreiche Antikörpertherapie ist, dass die Tumorzellen die entsprechenden Oberflächen-Antigene aufweisen. Der Antikörper Elotuzimab wird derzeit in Studien getestet.

Strahlentherapie

Das multiple Myelom / Plasmozytom spricht auf eine Therapie durch Bestrahlung an, ist also strahlensensibel. Die Strahlentherapie ist jedoch nur örtlich wirksam – das heißt, sie wirkt nur in dem Bereich, der im Bestrahlungsfeld liegt. Da meist mehrere Myelom-Herde vorliegen, ist eine alleinige Strahlentherapie wenig sinnvoll. Die Strahlenbehandlung erfolgt meist zusammen mit einer Chemotherapie, um einzelne Tumorherde zu behandeln.

Biphosphonate

Bisphosphonate können zusätzlich zum Einsatz kommen, um den Knochenstoffwechsel zu stabilisieren. Diese Medikamente finden bei Erkrankungen des Knochen- und Calciumstoffwechsels sowie zur Behandlung bestimmter tumorbedingter Komplikationen (z.B. Zerstörung der Knochenstruktur, Schmerzen) Anwendung. Bisphosphonate machen die Knochen unempfindlicher gegen den Abbau; der Arzt kann sie als Tabletten oder als Infusionen über die Vene verabreichen.

Operation

Manchmal kann auch eine Operation nötig sein – zum Beispiel dann, wenn spontane Knochenbrüche drohen oder bereits Knochenbrüche aufgetreten sind. Operationen sollen vor allem dazu beitragen, Komplikationen wie Lähmungen durch Nervenverletzungen zu vermeiden und die Beweglichkeit wiederherzustellen oder zu sichern.


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