Plasmozytom, multiples Myelom: Definition

Veröffentlicht von: Wiebke Raue (25. Januar 2016)

Ein multiples Myelom / Plasmozytom ist eine vom Knochenmark ausgehende Krebserkrankung des Knochenmarks und der Knochen.

Erstmals beschrieben wurde die Erkrankung bereits im Jahr 1873: Der Knochenmarkkrebs erhielt damals die Bezeichnung multiples Myelom, weil bei ihm typischerweise viele (multiple) Tumoren vorhanden sind, die vom Knochenmark ausgehen (sog. Myelome).

Ein multiples Myelom zeichnet sich durch mehrere Tumorherde im Knochenmark aus. Ist nur ein einzelner Tumor vorhanden, nennt man diesen Plasmozytom.

Der Arzt Otto Kahler veröffentlichte schließlich 1889 eine Beschreibung der Erkrankung. Daher bezeichnen manche Ärzte ein multiples Myelom auch als Morbus Kahler (lat. morbus = Krankheit).

Entartung von Lymphozyten

Ein multiples Myelom / Plasmozytom gehört zur Gruppe der Non-Hodgkin-Lymphome (NHL). Ein Non-Hodgkin-Lymphom ist ein bösartiger Tumor, der seinen Ursprung in Zellen des sogenannten lymphatischen Gewebes hat: den Lymphozyten. Lymphozyten gehören zu den weißen Blutkörperchen und sind für die Immunabwehr verantwortlich.

Was ist das lymphatische System?

Das lymphatische System ist über den gesamten Körper verteilt. Es besteht aus den Lymphbahnen und den lymphatischen Organen (wie Lymphknoten, Milz, Thymusdrüse, lymphatisches Gewebe im Magen-Darm-Trakt und Rachen).

Es gibt zwei verschiedene Arten von Lymphozyten, die bei der Immunabwehr unterschiedliche Aufgaben erfüllen: B-Lymphozyten und T-Lymphozyten. Entsprechend ihrer Abstammung unterteilt man Lymphome in B-Zell-Lymphome und T-Zell-Lymphome. Das multiple Myelom / Plasmozytom geht von den B-Lymphozyten aus und ist somit ein B-Zell-Lymphom. B-Lymphozyten leiten sich von Stammzellen ab, einer Vorstufe der Blutzellen, und entwickeln sich zu Plasmazellen. Diese bilden Antikörper, die wichtig für die körpereigene Abwehr sind.

Beim multiplem Myelom / Plasmozytom entartet eine einzige Plasmazelle im Knochenmark und beginnt, sich unkontrolliert zu vermehren.

Die unkontrolliert wachsenden Zellen werden auch Myelomzellen genannt. Sie produzieren sogenannte monoklonale Antikörper. Monoklonal bedeutet, dass eine Gruppe identischer Zellen, die alle von einer einzigen Plasmazelle abstammen (ein sog. Zellklon), identische Antikörper bildet – welche für die körpereigene Abwehr funktionslos sind. Die wuchernden Zellklone stören unter anderem die Bildung gesunder Blutzellen. Es entstehen nach und nach viele einzelne Tumoren im Knochenmark (= multiple Myelome). Liegt nur ein Tumorherd vor, spricht man von einem Plasmozytom.

Häufigkeit

Ein multiples Myelom / Plasmozytom zählt zu den häufigsten Krebserkrankungen von Knochen und Knochenmark – kommt aber im Vergleich zu anderen Krebsarten eher selten vor. Etwa 6 von 100.000 Personen erkranken jedes Jahr daran. Die Wahrscheinlichkeit für ein multiples Myelom / Plasmozytom steigt mit zunehmendem Alter; die meisten Patienten in Mitteleuropa sind bei der Diagnose zwischen 60 und 70 Jahre alt. Männer sind häufiger betroffen als Frauen.

Man sieht einen älteren Mann beim Arzt. © Jupiterimages/iStockphoto

Ein multiples Myelom bzw. Plasmozytom kommt bei Männern häufiger vor als bei Frauen.


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