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Piriformis-Syndrom

Veröffentlicht von: Dr. rer. nat. Geraldine Nagel (24. April 2017)

© iStock

Beim Piriformis-Syndrom engt der im Gesäß befindliche Piriformis-Muskel den nahe gelegenen Ischiasnerv ein. Das kann zu starken Schmerzen im Gesäß führen, die unter Umständen bis ins Bein ausstrahlen. Auch Taubheitsgefühle oder kribbelnde Missempfindungen sind möglich.

Die Schmerzen und Missempfindungen (wie Kribbeln, Taubheitsgefühle) treten beim Piriformis-Syndrom meist beim Sitzen auf, können sich aber beispielsweise auch beim Joggen, Radfahren oder Treppensteigen bemerkbar machen. Im Grunde kann jede Bewegung oder Körperhaltung, bei der ein fester Druck direkt über dem Piriformis-Muskel entsteht und so den Ischiasnerv erneut belastet, die Beschwerden auslösen.

Was ist das Piriformis-Syndrom?
Das Piriformis-Syndrom ist eine neuromuskuläre Erkrankung und kommt relativ selten vor.

Was sind die Ursachen?

Das Piriformis-Syndrom tritt auf, wenn der Piriformis-Muskel den Ischiasnerv einquetscht, meist als Folge sportlicher Betätigung. Aber auch ein Sturz auf das Gesäß kann unter Umständen durch Vernarbungen innerhalb des Gewebes zu einem Piriformis-Syndrom führen. In solchen Fällen kann es dann einige Wochen bis Monate dauern, bis sich das Piriformis-Syndrom durch Beschwerden bemerkbar macht. Bei manchen Betroffenen tritt das Piriformis-Syndrom auch durch eine langfristig veränderte Muskelspannung auf, etwa im Rahmen einer Funktionsstörung des Iliosakralgelenks, bei der das Kreuzbein fehlgestellt ist.

Piriformis-Muskel und Ischiasnerv

Die eigentliche Ursache des Piriformis-Syndroms ist letztlich eine Quetschung im Gesäßbereich, genauer dort, wo der Piriformis-Muskel aus dem Beckenknochen austritt und den Ischiasnerv bedeckt. Die Beschwerden durch die Quetschung können dann jedoch nicht nur im Gesäß, sondern entlang des gesamten Versorgungsgebiets des Ischiasnervs auftreten.

Der Piriformis-Muskel liegt nahe dem oberen Ende des Hüftgelenks als flaches Muskelband in jeder Gesäßbacke. Der Muskel ist vor allem für die Bewegungen der unteren Körperhälfte wichtig. Denn er stabilisiert das Hüftgelenk und ermöglicht es, den Oberschenkel anzuheben und zu drehen. Erst dadurch kann der Mensch im Grunde laufen, das Gewicht von einem Fuß auf den anderen verlagern oder das Gleichgewicht behalten. Der Piriformis-Muskel kommt im Prinzip bei allen Sportarten zum Einsatz, bei denen es erforderlich ist, den Oberschenkel anzuheben und zu drehen. Kurzgesagt brauchen wir den Muskel bei fast allen Bewegungen der Hüfte oder der Beine. 

Pirifomis-Syndrom: Man sieht eine anatomische Illustration des rechten Beins von hinten. © Wikimedia Commons

Anatomische Darstellung des rechten Oberschenkels, Ansicht von hinten. Der Piriformis-Muskel verläuft im Gesäß quer über dem Ischiasnerv.

Der Ischiasnerv ist ein vergleichsweise dicker und langer Nerv und verläuft am Piriformis-Muskel entlang oder durch ihn hindurch. Er beginnt im Bereich der Lendenwirbelsäule und des Kreuzbeins (Wirbel L4 bis S3) und verläuft von dort erst über die Streckseite des Hüftgelenks, dann über die Rückseite des Oberschenkels zur Kniekehle und schließlich – nun teilweise verzweigt – über die Waden bis zur Innenseite der Füße. Häufige Anspannungen oder Verkrampfungen im Piriformis-Muskel können dann dazu führen, dass der Ischiasnerv eingequetscht wird.

typische Symptome

Das Piriformis-Syndrom zeigt sich anfänglich durch Symptome wie Schmerzen und Kribbel- oder Taubheitsgefühle im Gesäß. Die Schmerzen und anderen Beschwerden können teilweise sehr stark sein und bis ins Bein ausstrahlen (meist beim Sitzen). Unter Umständen treten auch Missempfindungen im Bereich der Fußsohle auf (wie Kribbeln, Piksen oder eine Art Juckreiz).

Diagnose

Um herauszufinden, ob ein Piriformis-Syndrom vorliegt, wird der Arzt den Betroffenen zunächst zu dessen Beschwerden befragen und ihn dann körperlich untersuchen. Bei manchen Patienten lässt sich bereits ertasten, dass der Piriformis-Muskel stark angespannt und / oder schmerzempfindlich ist.

Für das Piriformis-Syndrom gibt es jedoch keinen Test, der die Erkrankung eindeutig nachweist. Es handelt sich vielmehr um eine Ausschlussdiagnose. Das heißt, der Arzt muss sichergehen, dass beim Betroffenen keine andere Erkrankung vorliegt, die ähnliche Beschwerden hervorrufen könnten, wie zum Beispiel

  • eine Reizung des Ischiasnervs durch einen Bandscheibenvorfall der unteren Lendenwirbelsäule oder andere Nervenwurzelreizsyndrome
  • Hüftgelenkserkrankungen
  • eine Funktionsstörung des Iliosakralgelenks
  • ein Gelenkverschleiß im Bereich der Lendenwirbelsäule oder des Kreuzbeins
  • Tumoren im kleinen Becken

Zu diesem Zweck veranlasst der Arzt in der Regel Untersuchungen mit bildgebenden Verfahren, wie:

Erst wenn andere Erkrankungen ausgeschlossen sind, kann der Arzt ein Piriformis-Syndrom in Erwägung ziehen.

Therapie – was kann man tun?

Der erste Schritt bei der Behandlung des Piriformis-Syndroms besteht in der Regel darin, für eine Weile alles zu meiden, was Schmerzen oder Missempfindungen auslöst oder verstärkt (z.B. Joggen, Radfahren). Falls Symptome wie Schmerzen beim Sitzen, bei bestimmten Aktivitäten oder bei bestimmten Bewegungen auftreten, versuchen Sie möglichst, eine andere Haltung einzunehmen. Legen Sie bei sportlichen Aktivitäten, die Beschwerden bereiten, vorübergehend eine Pause ein. Auch Entspannung, Kälte- oder Wärmepackungen können die Beschwerden lindern.

Um gerade am Anfang den Schmerz und andere mit dem Piriformis-Syndrom einhergehende Beschwerden zu lindern, kann die Einnahme von Medikamenten sinnvoll sein, wie etwa Schmerzmittel, die auch entzündungshemmend wirken (z.B. Ibuprofen, Diclofenac) oder Mittel, die die Muskeln entspannen (sog. Muskelrelaxanzien). Je nach Ausmaß der Beschwerden, rät der Arzt möglicherweise auch zu einer Injektion von Schmerzmitteln oder entzündungshemmenden Glukokortikoiden in die betroffene Gesäßseite.

Physiotherapeutische Maßnahmen können dabei helfen, den Druck auf den Ischiasnerv zu verringern, indem der Physiotherapeut zum Beispiel die umgebende Muskulatur dehnt. Im Rahmen der Physiotherapie erlernt der Betroffene zudem in der Regel auch korrekte Körperhaltungen sowie Übungen und Dehnungsmöglichkeiten, die speziell auf den Piriformis-Muskel zugeschnitten sind und die sich zu Hause eigenständig durchführen lassen.

Übung: So können Sie den Piriformis-Muskel im Sitzen selber dehnen:

  • Setzen Sie sich auf einen Stuhl.
  • Legen Sie den Unterschenkel des rechten Beines auf dem linken Oberschenkel ab.
  • Umfassen Sie nun das linke Knie und ziehen Sie ihren Oberkörper sanft nach vorne.
  • Sie sollten nun eine Dehnung (ziehendes Gefühl) in der rechten Gesäßbacke spüren.
  • Sie können den Zug durch mehr oder weniger starkes Vorbeugen individuell steuern.
  • Der Zug lässt sich auch verstärken, indem Sie mit den Sitzbeinhöckern etwas nach vorne rollen.
  • Halten Sie die Dehnung etwa 30 Sekunden und lassen Sie dann locker.
  • Wiederholen Sie die Übung auch mit dem anderen Bein.

Bei manchen Betroffenen kann eine Behandlung mit Ultraschall die Beschwerden bessern.

In schweren Fällen kann ein operativer Eingriff infrage kommen, bei dem der Arzt den Piriformis-Muskel durchtrennt.

Verlauf & Vorbeugen

Verlauf

Welchen Verlauf das Piriformis-Syndrom nimmt, hängt auch von den Ursachen ab. Insgesamt kann es jedoch durchaus länger dauern, bis sich die Beschwerden bessern, sodass etwas Geduld gefragt ist.

Vorbeugen

Das Piriformis-Syndrom entsteht in der Regel als Folge von Sportarten oder Bewegungen bei denen der Piriformis-Muskel wiederholt belastet wird – also zum Beispiel durch Joggen, durch häufige Ausfallschritte oder durch manche Übungen beim Bauch-Beine-Po-Training.

Wer dem Piriformis-Syndrom vorbeugen will, muss jedoch keinesfalls mit dem Sport aufhören, sondern sollte einfach ein paar Dinge beim Sport beachten. Folgende Tipps können beim Vorbeugen helfen:

  • Wärmen Sie sich vor dem Sport ausreichend auf.
  • Steigern Sie Ihre Leistung eher langsam.
  • Vermeiden Sie beim Joggen Steigungen oder unebene Böden.
  • Achten Sie beim Joggen auf eine gute Körperhaltung.
  • Achten Sie bei Sportübungen auf eine korrekte Haltung und Ausführung.
  • Falls Schmerzen auftreten, machen Sie eine Pause, bis der Schmerz wieder nachlässt.

Weitere Informationen

ICD-10-Diagnoseschlüssel:

Hier finden Sie den passenden ICD-10-Code zu "Piriformis-Syndrom":

Onmeda-Lesetipps:

Beinschmerzen
Ischias
Bandscheibenvorfall

Quellen:

Piriformis Syndrome Information Page. Online-Informationen des National Institute of Neurological Disorders and Stroke: www.ninds.nih.gov (Abrufdatum: 24.4.2017)

Hüter-Becker, A., et al.: Physiotherapie in der Orthopädie. Thieme, Stuttgart 2015

Wirth, C. J., et al.: Praxis der Orthopädie und Unfallchirurgie. Thieme, Stuttgart 2014

Niethard, F. U., et al.: Duale Reihe Orthopädie und Unfallchirurgie. Thieme, Stuttgart 2014

Miller, T. A., et al.: The Diagnosis and Management of Piriformis Syndrome: Myths and Facts. Canadian Journal of Neurological Sciences, Vol. 39, Iss. 5, pp. 577-83 (2012)

Stand: 24. April 2017

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