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Stand: 1. Oktober 2011Autor: Onmeda-RedaktionMedizinische Qualitätssicherung: Dr. med. Weiland, Dr. med. Waitz
Neben der Bekämpfung des bei Parkinson (Morbus Parkinson, Parkinson-Krankheit) herrschenden Dopaminmangels stehen zur Therapie noch andere begleitende und alternative Möglichkeiten zur Verfügung. Eine Möglichkeit bieten die Gegenspieler des Acetylcholins, sogenannte Anticholinergika. Diese Medikamente verringern das Übergewicht an Acetylcholin, das im Zuge von Morbus Parkinson durch den Mangel an Dopamin entstanden ist. Acetylcholin ist wie Dopamin ein Botenstoff des Nervensystems (Neurotransmitter). Parkinson-Symptome wie Zittern (Tremor) oder Verlangsamung der Bewegungen (Hypokinese und Akinese) kann man durch diese Medikamente mildern. Biperiden ist nur ein Beispiel für ein solches Anticholinergikum.
Die Anticholinergika sind die ältesten gegen Morbus Parkinson eingesetzten Medikamente. Da die Anticholinergika-Therapie mit einigen Nebenwirkungen verbunden ist, kommen diese Mittel zurückhaltend zum Einsatz. Vornehmlich verwendet man sie, wenn das Ruhezittern (Ruhetremor) bei der Parkinson-Krankheit vorherrscht und die Standardtherapie nicht ausreichend wirkt.
Bevor es wirksame Medikamente gegen Parkinson gab, spielte bei der Therapie die Chirurgie eine große Rolle. Es erfolgten chirurgische Eingriffe wie die Pallidotomie oder Thalamotomie – teils mit schwerwiegenden Nebenwirkungen:
Beide Eingriffe zählen zu den sogenannten stereotaktischen Behandlungen, bei denen der Operateur über ein kleines Bohrloch im Schädelknochen tief gelegene Hirnregionen erreichbar macht. Heutzutage kommen sie bei Morbus Parkinson nur noch in besonderen Einzelfällen zur Therapie infrage.
Wenn heutzutage bei Parkinson (Morbus Parkinson, Parkinson-Krankheit) eine operative Therapie erfolgt, dann in der Regel in Form einer Hochfrequenz-Tiefenhirnstimulation: Mit dieser Methode steht seit einigen Jahren eine neue Möglichkeit zur Parkinson-Behandlung zur Verfügung: Bei der tiefen Hirnstimulation erzeugen ins Gehirn eingepflanzte Elektroden winzige Ströme, die vorübergehend gewisse Gehirnregionen anregen, ohne dabei das Gewebe zu schädigen. Das Verfahren zielt darauf ab, die Symptome der Parkinson-Krankheit abzuschwächen. Allerdings kommt die Operation ausschließlich zum Einsatz, wenn spezielle Kriterien erfüllt sind:
Die Hochfrequenz-Tiefenhirnstimulation verhindert nicht das Fortschreiten des eigentlichen Morbus Parkinson. Diese Therapie verringert ausschließlich die Parkinson-Symptome.
Seit einigen Jahren verfolgt man bei der Parkinson-Therapie einen Ansatz, bei dem die Betroffenen zuhause (ambulant) über einen gewissen Zeitraum unter Videobegleitung in Rücksprache mit dem behandelnden Neurologen ihre Behandlung anpassen können. Für diese ambulante videounterstützte Therapie oder videodokumentierte Behandlung installiert man eine Kamera und einen Drucker bei Ihnen (z.B. im Wohnzimmer). Nur Sie selbst können die Kamera starten. Etwa einen Monat lang machen Sie zu festgelegten Zeiten etwa zwei Minuten dauernde Aufnahmen und führen dabei Bewegungen und Aufgaben aus, die ein Programm abfragt. So dokumentieren Sie jeweils den aktuellen Stand ihrer Beweglichkeit.
Ziel dieser Videobegleitung bei Morbus Parkinson ist es, Ihre Versorgung zu verbessern und die Art und Dosis der Medikamente optimal auf Ihre Bedürfnisse abzustimmen. Die videounterstützte Parkinson-Therapie strebt an, dass Ihre neue Einstellung mit Medikamenten in einer Klinik seltener nötig ist. Die Methode eignet sich für Sie, wenn Ihre Bewegungsfähigkeit während des Tages stark schwankt (sog. motorische Fluktuationen) – in dem Fall ist es besonders wichtig, die Medikamente gegen die Parkinson-Krankheit individuell sorgfältig einzustellen: Bei der Behandlung sind dann Ihr Tagesablauf, Ihre Ernährungsgewohnheiten und Ihr soziales Umfeld zu berücksichtigen.
Gerade im Hinblick auf Parkinson (Morbus Parkinson, Parkinson-Krankheit) setzt man große Hoffnung darauf, dass die Forschung neue Therapie-Möglichkeiten hervorbringt. Eines der neuen Therapiekonzepte ist die Transplantation von Stammzellen ( Stammzelltherapie), mit der es in der Zukunft gelingen soll, erkrankte Nervenzellen ganz zu ersetzen. So ist es beispielsweise möglich, Pigmentzellen der Netzhaut im Auge, die die Dopaminvorstufe Levodopa bilden, sicher ins Gehirn einzupflanzen.
Weitere Therapiekonzepte der Zukunft sind beispielsweise computergesteuerte Pumpen, die eine genauere Dosierung der gegen Morbus Parkinson eingesetzten Medikamente ermöglichen: Über eine Bauchsonde sollen die Pumpen stetig Levodopa (L-Dopa) direkt in den Dünndarm abgeben. Damit ließen sich womöglich Therapieschwankungen umgehen, die bei der herkömmlichen Parkinson-Therapie mit Tabletten auftreten und Probleme verursachen. Ferner ist es denkbar, dass in Zukunft winzige Teilchen (Nanopartikel) bestimmte Reparaturgene in geschädigte Dopamin-Nervenzellen einschleusen und deren Funktion vollständig wiederherstellen. Erste Versuche an lebenden Mäusen waren bisher erfolgreich.
Bei Parkinson ist es empfehlenswert, die medikamentöse Therapie durch eine Physiotherapie zu ergänzen. Diese Behandlung besteht darin, gezielt Alltagsaktivitäten wie das aufrechte Gehen, das Aufstehen oder das Aufrichten im Bett zu üben. Den Übungen kommt große Bedeutung zu.
Des Weiteren spielen bei der Parkinson-Therapie die richtige Ernährung und Bewegung eine große Rolle: Wenn Sie Morbus Parkinson haben, ist es wichtiig, dass Sie ausreichend trinken und fettarm essen. Neben einer gesunden Ernährungsweise ist es außerdem ratsam, sich regelmäßig zu bewegen und Sport zu treiben. Empfehlenswert sind zum Beispiel Wandern, Schwimmen und Gymnastik.
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