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Non-Hodgkin-Lymphom (NHL): Definition

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (01. Juli 2015)

Das Non-Hodgkin-Lymphom (NHL) gehört – wie der Morbus Hodgkin (Hodgkin-Lymphom) – zur Gruppe der bösartigen (malignen) Lymphome. Ein malignes Lymphom ist ein bösartiger Tumor, der seinen Ursprung im sogenannten lymphatischen Gewebe hat.

Es gilt: Jedes maligne Lymphom, das kein Hodgkin-Lymphom ist, ist ein sogenanntes Non-Hodgkin-Lymphom.

Das heißt: Alle bösartigen Lymphome, bei denen die typischen Hodgkin-Krebszellen nicht nachweisbar sind, sind Non-Hodgkin-Lymphome ("Non" = "Nicht"). Mithilfe einer feingeweblichen (histologischen) Untersuchung kann der Arzt herausfinden, ob es sich um ein Non-Hodgkin-Lymphom oder um ein Hodgkin-Lymphom handelt.

Zu den Non-Hodgkin-Lymphomen zählen viele sehr unterschiedliche bösartige Erkrankungen – so zum Beispiel das Burkitt-Lymphom oder die chronische lymphatische Leukämie (CLL). Die Bezeichnung "Non-Hodgkin-Lymphom" ist nur Oberbegriff für diese Krankheiten.

Was ist das lymphatische System?

Jedes Non-Hodgkin-Lymphom stammt von bestimmten Zellen des lymphatischen Gewebes ab – den sogenannten Lymphozyten.

Das lymphatische System besteht aus den Lymphbahnen und den lymphatischen Organen (wie Lymphknoten, Milz, Thymusdrüse, lymphatisches Gewebe im Magen-Darm-Trakt und Rachen). Es ist somit über den gesamten Körper verteilt, sodass ein Lymphom auch an ganz unterschiedlichen Regionen entstehen kann.

Das Gewebswasser des Lymphsystems – die sogenannte Lymphe – wird von zahlreichen Filterstationen gereinigt: den Lymphknoten. In den Lymphknoten reifen zudem Zellen, die bei Infekten aktiv werden. Auch aus Zellen in den Lymphknoten kann sich ein Non-Hodgkin-Lymphom entwickeln.

Die Lymphozyten, aus denen Non-Hodgkin-Lymphome entstehen, gehören zu den weißen Blutkörperchen und sind an der Immunabwehr beteiligt.

Man unterscheidet zwei Arten von Lymphozyten:

  • B-Lymphozyten und
  • T-Lymphozyten.

Beide entstehen im blutbildenden Knochenmark aus gemeinsamen Vorläuferzellen, erfüllen bei der Immunabwehr jedoch unterschiedliche Aufgaben.

Einteilungen

Je nachdem, ob Lymphome aus entarteten B-Lymphozyten oder T-Lymphozyten entstehen, unterteilt man sie in

  • B-Zell-Lymphome und
  • T-Zell-Lymphome.

Etwa 9 von 10 Non-Hodgkin-Lymphomen gehen von B-Lymphozyten aus, nur eines von 10 Non-Hodgkin-Lymphomen hat seinen Ursprung in T-Lymphozyten.

Ein Non-Hodgkin-Lymphom kann sowohl von den Lymphknoten als auch von jedem anderen lymphatischen Gewebe des Körpers ausgehen. Dementsprechend teilt man die Non-Hodgkin-Lymphome in

  • vom Lymphknoten ausgehende (bzw. nodale) und in
  • nicht von Lymphknoten ausgehende (bzw. extranodale)

Lymphome ein.

Die meisten Non-Hodgkin-Lymphome entstehen aus Lymphknoten. Dabei sind überwiegend die Lymphknoten am Hals, in der Schlüsselbeingrube, in der Achselhöhle, in der Bauchhöhle sowie in der Leistenregion, aber auch im Nasen-Rachen-Raum betroffen. Ein NHL breitet sich zunächst in der direkten Umgebung des Ursprungsorts aus. Die Tumorzellen können über die Lymphbahnen und die Blutbahn in andere Körperbereiche streuen.

Je nachdem, wie bösartig ein Non-Hodgkin-Lymphom ist (Malignitätsgrad), welche feingeweblichen Eigenschaften es aufweist und wie schnell es sich ausbreitet, unterscheiden Ärzte zwischen

  • niedrigmalignen und
  • hochmalignen Tumoren.

Die Einteilung erfolgt beim Non-Hodgkin-Lymphom vorwiegend nach der Kiel-Klassifikation, aber auch nach der REAL-Klassifikation (Revidierte Europäisch-Amerikanische Lymphom-Klassifikation).

Tumor-ArtB-Zell-TypT-Zell-Typ
Niedrigmalignes Non-Hodgkin-Lymphom (NHL) • chronische lymphatische Leukämie (CLL)
• Haarzellleukämie
• Immunozytom
Plasmozytom (multiples Myelom)
• T-Zonen-Mycosis fungoides
• Lymphogranulomatosis X
• T-Zonen-Lymphom
Hochmalignes Non-Hodgkin-Lymphom (NHL) • großzelliges Zell-Lymphom
Burkitt-Lymphom
• Lymphoblastom

Stadien

Beim Non-Hodgkin-Lymphom (NHL) unterscheiden Ärzte verschiedene Krankheitsstadien. Die Einteilung in diese Stadien erfolgt wie beim Hodgkin-Lymphom entsprechend der sogenannten Ann-Arbor-Klassifikation. Eine Ausnahme bildet die chronische lymphatische Leukämie, für die eine abweichende Einteilung üblich ist.

Das Stadium des Non-Hodgkin-Lymphoms gibt an, wie sehr sich der Krebs bereits ausgebreitet hat – je fortgeschrittener die Erkrankung, desto höher auch das Stadium. Man unterscheidet beim Non-Hodgkin-Lymphom vier unterschiedliche Stadien – bezeichnet mit römischen Ziffern (I-IV).

  • Stadium I: Eine einzelne Lymphknotenregion ist befallen.
  • Stadium II: Mindestens zwei Lymphknotenregionen auf der gleichen Zwerchfellseite sind befallen.
  • Stadium III: Lymphknotenregionen auf beiden Zwerchfellseiten sind befallen.
  • Stadium IV: verstreuter oder örtlich begrenzter Befall von mindestens einem nicht-lymphatischen Gewebe (Lunge, Leber, Knochenmark) mit oder ohne Beteiligung von Lymphknoten

Zudem erhält jedes Stadium den Zusatz "A" oder "B". "B" bedeutet, dass der Erkrankte Allgemeinsymptome wie Fieber, Gewichtsverlust oder Nachtschweiß zeigt. "A" hingegen bedeutet, dass diese Symptome fehlen.

Ist ein Non-Hodgkin-Lymphom in ein anderes Gewebe hineingewachsen – etwa in Muskelgewebe – vergibt der Arzt außerdem den Zusatz "E": "E" steht dabei für extranodal und bedeutet, dass sich die Erkrankung außerhalb der Lymphknoten ausbreitet (lat. extra = außerhalb, nodus = Knoten).

Häufigkeit

Im Gegensatz zu anderen Tumorerkrankungen ist das Non-Hodgkin-Lymphom (NHL) sehr selten. Jedes Jahr entwickeln in Deutschland etwa 16.000 Menschen ein Non-Hodgkin-Lymphom. Im Vergleich mit anderen Krebsarten ist diese Zahl gering: Allein an Darmkrebs erkranken deutschlandweit jährlich über 63.000 Menschen.

Ein Non-Hodgkin-Lymphom kann prinzipiell in jedem Alter auftreten, ist jedoch vor dem 3. Lebensjahr selten. Fast jedes im Kindesalter entstandene NHL ist sehr bösartig (hochmaligne). Männer entwickeln die Krebserkrankung des lymphatischen Gewebes durchschnittlich im Alter von 69 Jahren, Frauen im Alter von 71 Jahren. Außerdem sind Männer etwa eineinhalb mal so häufig betroffen wie Frauen.  

Die Beine mehrerer Menschen, die in einer Innenstadt unterwegs sind. © Jupiterimages/iStockphoto

Das Non-Hodgkin-Lymphom ist eine seltene Krebserkrankung: pro Jahr erkranken in Deutschland rund 16.000 Menschen.



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