Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis)

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (12. September 2017)

© Jupiterimages/iStockphoto

Fieber, Abgeschlagenheit, heftige Flankenschmerzen – bei einer Nierenbeckenentzündung fühlen sich die Betroffenen plötzlich richtig krank. Die Erkrankung ist meist akut, kann unbehandelt aber chronisch werden.

Was ist eine Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis)?

Die Nierenbeckenentzündung – auch Pyelonephritis genannt (griech.: nephros = Niere, pyelos = Becken) – ist eine Nierenerkrankung. Das Nierenbecken ist im Bereich des Harnleiters akut oder chronisch entzündet. In der Regel ist nur eine Niere betroffen.

Häufigkeit

Die Nierenbeckenentzündung ist eine der häufigsten Erkrankungen der Niere. Frauen erkranken etwa doppelt so oft wie Männer. Der Grund hierfür: Frauen haben eine kürzere Harnröhre. So können Bakterien einfacher in die Blase und von dort aufsteigend über die Harnleiter ins Nierenbecken gelangen.

Allerdings können Männer mit zunehmendem Alter öfter Nierenbeckenentzündungen bekommen. Der Grund ist meist eine vergrößerte Prostata, die den Harnabfluss behindert. Nach dem Wasserlassen verbleibt dann eine gewisse Menge Urin in der Blase. Dieser sogenannte Restharn bietet Keimen gute Wachstumsmöglichkeiten und kann Ursprung einer Pyelonephritis sein.

Hier finden Sie weitere Informationen zur Niere und möglichen Erkrankungen:

Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis): Symptome

Akute und chronische Nierenbeckenentzündung unterscheiden sich in ihren Symptomen. Aus einer unbehandelten akuten Pyelonephritis kann sich eine chronische Nierenbeckenentzündung entwickeln.

Akute Nierenbeckenentzündung

Ein typisches Anzeichen für eine akute Nierenbeckenentzündung ist ein plötzliches, schweres Krankheitsgefühl. Hinzu kommen folgende Symptome:

Doch nicht bei jeder akuten Nierenbeckenentzündung treten die Symptome plötzlich auf und entsprechen dem typischen Beschwerdebild: In manchen Fällen beginnt die Erkrankung schleppend und ruft untypische Symptome hervor. So kann eine akute Pyelonephritis beispielsweise einhergehen mit:

Daneben kann die akute Form der Nierenbeckenentzündung Magen-Darm-Beschwerden wie leichte Übelkeit und Erbrechen, Bauchschmerzen oder Anzeichen für einen unvollständigen Darmverschluss (sog. Subileus) verursachen.

Die Nierenfunktion ist durch eine akute Nierenbeckenentzündung nicht eingeschränkt.

Chronische Nierenbeckenentzündung

Die chronische Nierenbeckenentzündung kann lange Zeit ohne Symptome verlaufen. Fieber und andere Anzeichen, die bei der akuten Form typisch sind, fehlen zu Beginn ganz.

Nach einiger Zeit beeinträchtigt die chronische Nierenbeckenentzündung jedoch die Nierenfunktion, was im Extremfall zur Niereninsuffizienz führen kann.

Mögliche Beschwerden treten schubweise auf und können auch bei vielen anderen Krankheiten vorkommen:

Da die Niere sich unter anderem auch an der Blutbildung beteiligt, kann die chronische Pyelonephritis Symptome einer Blutarmut (Anämie) mit sich bringen. Typisch sind außerdem ein trüb-rötlich gefärbter Urin und (in ca. drei bis fünf von zehn Fällen) sowie Bluthochdruck infolge der verminderten Flüssigkeitsausscheidung. Außerdem kann die Niere bei einer chronischen Entzündung des Nierenbeckens Stoffwechselendprodukte nicht mehr so gut abgeben.

Xanthogranulomatöse Pyelonephritis

Eine chronische Nierenbeckenentzündung kann in Einzelfällen als Sonderform auftreten, die durch besonders schwere Symptome gekennzeichnet ist: als sogenannte xanthogranulomatöse Pyelonephritis. Typischerweise ist das entzündete Nierengewebe gelb gefärbt und kann knötchenförmige Gebilde (Granulome) aufweisen. Es kann zu Blutungen und Gewebezerfall sowie zu Veränderungen kommen, die in bildgebenden Untersuchungen wie ein Nierentumor aussehen.

Die xanthogranulomatöse Pyelonephritis verursacht allgemeine Symptome, die eher für eine akute als für eine chronische Nierenbeckenentzündung typisch sind. Dazu gehören:

  • Flankenschmerzen
  • Fieber
  • Schüttelfrost
  • Müdigkeit
  • Abgeschlagenheit

Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis): Behandlung

Da häufig Bakterien Ursache der Nierenbeckenentzündung sind, wird gewöhnlilch mit Antibiotika behandelt. Diese müssen für sieben bis zehn Tage eingenommen werden:

  • Eine leichte bis mittelschwere akute Nierenbeckenentzündung wird gewöhnlich mit Breitbandantibiotika wie Gyrasehemmer in Tablettenform behandelt.
  • Bei einer schweren akuten Nierenbeckenentzündung (mit Übelkeit, Erbrechen und Kreislaufproblemen) werden die Antibiotika zunächst über eine Infusion verabreicht.

Wichtig ist es, den Erreger der Pyelonephritis zu identifizieren, um das passende Medikament wählen zu können. Daher legt der Arzt noch vor der Behandlung aus einer Urinprobe eine Urinkultur an. Steht der Erreger fest, wird die Behandlung, wenn nötig, entsprechend angepasst.

Die chronische Nierenbeckenentzündung muss bei jedem infektiösen Schub mit Antibiotika in Tablettenform behandelt werden. Bleibt sie weiterhin bestehen, muss auch diese Form mithilfe von Infusionen im Krankenhaus (stationär) therapiert werden.

Bei der xanthogranulomatösen Pyelonephritis kommen ebenfalls zunächst Antibiotika zum Einsatz, um die Entzündung einzudämmen. Anschließend ist bei dieser seltenen Form der Pyelonephritis eine Operation nötig. Dabei wird die betroffene Niere (je nach Befall) teilweise oder ganz entfernt (sog. Nephrektomie).

Was kann man selber tun?

  • Halten Sie während der Therapie mit Antibiotika Bettruhe ein.
  • Trinken Sie viel: So werden die Erreger besser ausgeschwemmt.
  • Gegen die allgemeinen Beschwerden helfen Ihnen fiebersenkende und entzündungshemmende Medikamente – fragen Sie Ihren Arzt nach geeigneten Wirkstoffen.

Ein paar Wochen nach der Behandlung ist es sinnvoll, eine weitere Urinkultur zu Kontrollzwecken anzulegen. Liegt zusätzlich eine Harnabflussstörung vor, sollte deren Ursache beseitigt werden, um weiteren Nierenbeckenentzündungen vorzubeugen.

Nierenbeckenentzündung bei Kindern

Bei Kindern mit chronischer Nierenbeckenentzündung wird besonders der Harnrückfluss behandelt. Anschließend erhalten die Kinder über einen längeren Zeitraum Antibiotika.

Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis): Ursachen

Häufig führen Harnabflussstörungen zu einer Nierenbeckenentzündung. Bei manchen Menschen fließt der Urin beispielsweise wegen eines Harnsteins schlechter ab. Das begünstigt aufsteigende Infektionen. Die Erreger gelangen über die Harnröhre in die Blase und wandern von dort über den Harnleiter in die Nierenbecken und weiter in die Nierenkelche. Da die Nierenbecken den in der Niere gebildeten Urin sammeln, entsteht hier leicht eine Infektion.

In seltenen Fällen gelangen die Erreger über die Blutbahn ins Nierenbecken.

  • Eine akute Nierenbeckenentzündung kann besonders dann entstehen, wenn die Immunabwehr des Körpers geschwächt ist. Mögliche Ursachen hierfür sind bestimmte Medikamente (wie Immunsuppressiva, die das Immunsystem unterdrücken) sowie gut- oder bösartige Tumoren.
  • Begünstigend für die chronische Nierenbeckenentzündung ist ein Nierenschaden durch Schmerzmittelmissbrauch. Auch Menschen mit Diabetes mellitus haben ein erhöhtes Risiko für eine chronische Pyelonephritis.

Nierenbeckenentzündungen sind gewöhnlich nicht ansteckend.

Erreger

Es gibt verschiedene Erreger, die für eine Nierenbeckenentzündung infrage kommen. Meist sind Bakterien verantwortlich, am häufigsten das (Darm-)Bakterium Escherichia coli. Weitere Bakterien, die eine Pyelonephritis verursachen können, sind:

Neben Bakterien können in seltenen Fällen auch Pilze für die Nierenbeckenentzündung verantwortlich sein. Das kann zum Beispiel passieren, wenn man sich im Krankenhause (z.B. über einen Katheter) infiziert.

Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis): Diagnose

Bei Verdacht auf eine Nierenbeckenentzündung erfolgt die Diagnose folgendermaßen:

  • Der Arzt erfragt die Krankheitsgeschichte (sog. Anamnese). Auch Informationen über Infektionen in der Kindheit oder während einer Schwangerschaft sind von Bedeutung. Denn ein akuter Schub ist häufig die Folge einer chronischen Infektion.
  • Urinuntersuchung: Der Urin wird auf Bakterien, Eiter sowie weiße und rote Blutkörperchen untersucht. Sind neben dem Bindegewebe weitere Anteile der Niere, die sog. Glomerula, betroffen, befindet sich Eiweiß im Urin. Durch Anlegen einer Urinkultur ist es möglich, die Erreger genau zu identifizieren und ein wirksames Medikament zu bestimmen.
  • Blutuntersuchung: Es kann sinnvoll sein, das Blut auf Bakterien hin zu untersuchen. Da die chronische Nierenbeckenentzündung häufig die Nierenfunktion beeinträchtigt, finden sich im Blut mitunter erhöhte Harnstoff- und Kreatininwerte.

Bildgebende Verfahren können die Diagnose unterstützen:

  • Ultraschalluntersuchung: Die Sonographie von Nieren und Harnblase zeigt, ob der Urin von den Nieren in die Blase abfließen kann oder ob eine oder beide Nieren gestaut sind. Außerdem wird sichtbar, ob nach dem Wasserlassen Harn in der Blase verbleibt (sog. Restharn), denn: Für eine Nierenbeckenentzündung sind häufig Abflussstörungen verantwortlich.
  • Röntgenuntersuchung: Im Röntgenbild sind bei einer Infektion über den Blutweg häufig mehrere kleinere runde Verdichtungen erkennbar.

Um die Ursache für eine chronische Nierenbeckenentzündung bei Kindern festzustellen, kann eine Röntgenuntersuchung mit Kontrastmittel zum Einsatz kommen. Bei dieser sogenannten Miktionszystourographie bringt der Arzt das Kontrastmittel vorsichtig mithilfe eines Blasenkatheters in die Harnblase des Kindes ein. Dadurch ist es möglich,

  • die Lage der Blase und ihr Füllungsvermögen zu bestimmen,
  • zu erkennen, ob das Kind die Blase vollständig entleeren kann und
  • ob die Harnröhre an irgendeiner Stelle verengt ist.

Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis): Verlauf

Eine Nierenbeckenentzündung kann sowohl akut als auch chronisch verlaufen.

Die akute Nierenbeckenentzündung verläuft oft unkompliziert und heilt unter gezielter und konsequenter Antibiotika-Therapie meist folgenlos aus. Selbst wenn die Entzündung wiederholt auftritt, geht sie selten in eine chronische Pyelonephritis über.

Die chronische Nierenbeckenentzündung heilt in der Regel nicht vollständig aus. Sie erfordert regelmäßige fachärztliche Kontrollen und eine konsequente antibiotische Therapie der entzündlichen Schübe. Trotz des hartnäckigen Verlaufs führt die chronische Pyelonephritis nur selten zu fortschreitendem Nierenversagen.

Komplikationen

Eine Nierenbeckenentzündung kann unterschiedliche Komplikationen mit sich bringen:

  • Aus einer zunächst einfachen kann eine eitrige Nierenbeckenentzündung und im Extremfall ein Nierenabszess entstehen.
  • Dabei können die Erreger ins Blut gelangen und eine sogenannte Urosepsis verursachen, also eine von den Harnwegen ausgehende Blutvergiftung (bzw. Sepsis).
  • Darüber hinaus kommt es bei Nierenbeckenentzündungen unter Umständen zu Blut im Urin (sog. Hämaturie).

Eine akute Nierenbeckenentzündung kann vor allem dann mit Komplikationen verbunden sein, wenn die Infektion im Verlauf eines Krankenhausaufenthalts stattfand. Die Behandlung ist dann schwieriger, weil häufig viele verschiedene Erreger beteiligt sind.

Unter bestimmten Umständen erhöht sich außerdem das Risiko, dass sich aus der akuten eine chronische Pyelonephritis entwickelt, zum Beispiel bei:

Eine Nierenbeckenentzündung verläuft in der Schwangerschaft zwar oft unauffällig (jeder zweite Fall bleibt unerkannt), dennoch kann die Pyelonephritis Störungen der Schwangerschaft bis hin zu Fehlgeburt und Frühgeburt auslösen.

Wenn eine chronische Nierenbeckenentzündung die Nierenfunktion beeinträchtigt, kann das zu Bluthochdruck und einer Störung des Elektrolythaushalts führen. Ein fortschreitendes Nierenversagen infolge einer Pyelonephritis ist eher selten (1 von 1.000 Fällen).

Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis): Vorbeugen

Um einer Nierenbeckenentzündung vorzubeugen, ist vor allem eins wichtig: reichlich und regelmäßig trinken!

Wenn Sie schon eine akute Nierenbeckenentzündung haben, besteht das Risiko, dass sie in eine chronische Verlaufsform übergeht. Um das zu verhindern, muss eine akute Pyelonephritis immer vollständig ausheilen.

Wenn Sie mehr als drei bis vier Harnwegsinfekte pro Jahr haben, wird der Arzt gemeinsam mit Ihnen beraten, ob eventuell eine Langzeitprophylaxe mit Antibiotika empfehlenswert ist: Hierbei nehmen Sie (zunächst ein halbes Jahr lang) täglich Antibiotika ein – in einer geringeren Dosierung als bei der Behandlung einer bestehenden Entzündung. Anschließend setzen Sie die Antibiotika ab und prüfen unter ärztlicher Aufsicht, ob Sie immer noch anfällig für Nierenbeckenentzündungen sind.

Bei manchen Frauen besteht ein Zusammenhang zwischen Geschlechtsverkehr und dem erneuten Auftreten der Pyelonephritis. Wenn dies bei Ihnen der Fall ist, wenn Sie also öfters etwa acht bis zehn Stunden nach dem Sex erneut Anzeichen einer Nierenbeckenentzündung bemerken, können Sie nach Rücksprache mit dem Arzt anstelle der Langzeitprophylaxe direkt vor oder nach dem Geschlechtsverkehr ein niedrig dosiertes Antibiotikum einnehmen.

Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis): Weitere Informationen

ICD-10-Diagnoseschlüssel:

Hier finden Sie den passenden ICD-10-Code zu "Nierenbecken­entzündung (Pyelonephritis)":

    Selbsthilfegruppen / Beratungsstellen:

    Deutsche Gesellschaft für Nephrologie e.V.
    Geschäftsstelle
    Seumestraße 8
    10245 Berlin
    Tel.: +49 (0) 30 52 13 72 69
    Fax: +49 (0) 30 52 13 72 70
    Web: www.dgfn.eu
    Mail: gs@dgfn.eu

    Quellen:

    Herold, G.: Herold Innere Medizin. Selbstverlag, Köln 2017

    Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Stand: 12.6.2017)

    Online-Information der Gesellschaft für Nephrologie: www.nierengesellschaft.de (Abrufdatum: 11.5.2016)

    Wagenlehner, F.M.E., Hoyme, U., Kaase, M., et al.: Clinical practice guideline: uncomplicated urinary tract infections. Deutsches Ärzteblatt International 2011; 108(24): 415-23

    Hautmann, R. (Hrsg.): Urologie. Springer, Berlin 2010

    Keller, C.K., Geberth, S.K.: Praxis der Nephrologie. Springer, Berlin 2010

    Aktualisiert am: 12. September 2017

    Wie steht es um Ihre Gesundheit?



    Apotheken-Notdienst