Variante der Creutzfeldt-Jakob-­Krankheit (vCJK) : Ursachen

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (17. Dezember 2014)

Bei der neuen Variante der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (vCJK) sind Prionen die Ursachen. Prionen sind körpereigene Eiweiße, die hauptsächlich in Zellen des Nervensystems (insbesondere Gehirn und Rückenmark) und des Abwehrsystems (Lymphknoten und Milz) zu finden sind. Krankmachende Prionen (PrPSc) sind fehlgeformt und können dadurch Schäden im Gehirn hervorrufen. Wie diese fehlgeformten Prionen entstehen, ist unklar. Auch wie genau Prionen das Gehirn schädigen, ist noch nicht bekannt. Außerdem lösen sie im Organismus keine Abwehrreaktion aus, was die Diagnostik erschwert.

Übertragung

Die krankmachenden Prionen gelangen wahrscheinlich in den menschlichen Körper, wenn Betroffene Nahrungsmittel aus BSE-infizierten Rindern verzehren, die sogenanntes Risikomaterial wie Nervenfasern enthalten. Die Prionen gelangen wahrscheinlich durch den Darm über die Nervenbahnen bis ins Gehirn, wo sie letztlich zum Absterben von Nervenzellen führen.

Eine direkte Ansteckung von Mensch zu Mensch ist sehr unwahrscheinlich. Dagegen ist eine Übertragung durch Bluttransfusionen möglich – entsprechende Fälle sind aus Großbritannien bekannt. Aufgrund der in Deutschland geltenden Bestimmungen bezüglich Blutkonserven ist es hierzulande aber unwahrscheinlich, sich auf diesem Weg mit der neuen Variante der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit anzustecken.

Wie lange die Inkubationszeit (Zeit zwischen Infektion und Ausbruch der ersten Symptome) bei der vCJK dauert, ist derzeit noch unbekannt. Man nimmt einen Zeitraum von Jahren bis Jahrzehnten an. Daher ist ein vermehrtes Auftreten der neuen Variante der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit in den nächsten Jahren und Jahrzehnten möglich. Eine Ende der 1990er Jahre befürchtete Epidemie mit mehreren 100.000 Betroffenen ist jedoch ausgeblieben.

Rinderprodukte

Als besonders infektiös gelten das Nervengewebe und das lymphatische Gewebe, zum Beispiel die Rachenmandeln, sowie Innereien von BSE-infizierten Rindern. Bisher geht man davon aus, dass sich im Muskelfleisch keine oder nicht nachweisbare Mengen von Prionen befinden.

  • Alle bisherigen Erkenntnisse deuten darauf hin, dass Milch und Milchprodukte wie Käse sowie gelatinefreier Joghurt vCJK nicht übertragen.
  • Gelatine wird vor allem aus Knochen gewonnen. Sie ist zum Beispiel häufig in Joghurt, vielen Fertigsüßspeisen, Gummibärchen und einigen Medikamenten enthalten. Experten gehen davon aus, dass der Verzehr dieser Produkte dadurch ein Infektionsrisiko darstellen kann. In Deutschland wird Gelatine jedoch hauptsächlich aus Schweineknochen gewonnen.
  • Einige Impfstoffe, etwa gegen Kinderlähmung oder Röteln, werden auf Zellkulturen gezüchtet, deren Nährflüssigkeit Kälberbestandteile enthält. Seit einigen Jahren verwendet die Pharmaindustrie jedoch nur noch Nährflüssigkeiten aus BSE-freien Ländern.
  • Bestimmte Kosmetika, vor allem Antifaltencremes und Lippenstifte, können Rinderbestandteile enthalten. Die Übertragung der vCJK durch die Haut ist allerdings extrem unwahrscheinlich.
  • Brühwürfel und Fleischextrakte enthalten ebenfalls eine Reihe von Rinderprodukten. Deutsche Betriebe stellen solche Konzentrate daher nur noch aus BSE-freien Beständen aus Südamerika her.

Andere Fleischarten

Obwohl Schweine bisher auch mit Tiermehl gefüttert wurden, besteht nach derzeitigem Wissensstand keine Gefahr für die Übertragung von BSE.

Da auch bei Schafen eine Prionenkrankheit (Scrapie) vorkommt, warnen manche Fachleute vor dem Verzehr von Lamm- und Schaffleisch. Scrapie ist allerdings schon seit 200 Jahren bekannt, ohne dass bisher Übertragungen vom Schaf auf den Menschen nachgewiesen wurden.

Züchter dürfen ihre Fische, vor allem Lachse sowie Forellen oder Karpfen, auch weiterhin mit Tiermehl füttern. Für eine Übertragung über die Nahrung auf Fische gibt es derzeit keine Hinweise.

Ob Wurstwaren vCJK übertragen ist schwer zu sagen: Allein in Deutschland gibt es sehr viele verschiedene Wurstsorten. Teilweise befinden sich – wenn auch nur in geringen Mengen – legal auch Rinderprodukte in Würstchen, die laut Aufdruck aus einer anderen Fleischsorte bestehen. Die Verwendung des besonders risikoreichen "Separatorenfleischs", das Knochenreste enthält, ist seit dem 1. Oktober 2000 in Deutschland verboten.

Geflügel wurde bis zum Jahr 2002 mit Tiermehl gefüttert. Nach derzeitigem Wissensstand besteht dennoch keine Gefahr bezüglich einer Infektion mit BSE.


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