Nagelpilz (Onychomykose)

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (01. September 2017)

© iStock

Nagelpilz (Onychomykose) ist lästig, aber mit etwas Geduld gut zu behandeln. Je früher die Behandlung beginnt, umso besser die Chancen auf eine vollständige Heilung. Typische Anzeichen für Nagelpilz sind dicke, verfärbte und unschön aussehende Finger- oder Zehennägel. Als Therapie stehen spezielle Nagellacke und Antipilzmittel zur Verfügung.

Nagelpilz ist die häufigste Erkrankung der Nägel und kann jeden Menschen treffen. Mediziner nennen ihn auch Nagelmykose oder Enychomykose (Onycho = den Nagel betreffend, Mykose = Pilzinfektion).

Wer zu enge Schuhe trägt, an Durchblutungsstörungen oder Diabetes mellitus leidet oder gerne barfuß im Schwimmbad oder in der Sauna unterwegs ist, bei dem ist das Risiko besonders hoch: In einem feucht-warmen Milieu fühlen sich Hautpilze besonders wohl. Oft entwickelt sich eine Onychomykose aus einem unbehandelten Fußpilz.

Was ist Nagelpilz?

Nagelpilz ist eine Infektion der Zehen- oder Fingernägel durch Pilze. Durch die Infektion wird die Nagelplatte langsam zerstört.

Wird der befallene Nagel nicht richtig behandelt, besteht die Gefahr, dass der Pilz ihn komplett zerstört und zudem die benachbarten Nägel befällt.

In den meisten Fällen sind bestimmte Fadenpilze für den Nagelpilz verantwortlich: sogenannte Dermatophyten, welche auch zu Fußpilz führen können. Seltener entsteht eine Onychomykose durch Hefepilze, Schimmelpilze oder auch durch eine Kombination mehrerer Pilzformen.

Nagelpilz bildet sich in der Regel nicht wieder von allein zurück, sondern muss behandelt werden! Und Achtung: Nagelpilz ist ansteckend!

Jede Erkrankung der Zehennägel benötigt eine eigene Form der Behandlung – vom Fußpilz bis zu eingewachsenen Zehennägeln. © iStock

Jede Erkrankung der Zehennägel benötigt eine eigene Form der Behandlung – vom Fußpilz bis zu eingewachsenen Zehennägeln.

Die Fuß- und Fingernägel können von verschiedenen Krankheiten betroffen sein, unter anderem:

Symptome: Nagelpilz erkennen

Typisch für Nagelpilz (Onychomykose) sind Verfärbungen der Nagel, häufig auch Verdickungen. Die Zehennägel sind deutlich häufiger betroffen als die Fingernägel – und dann vor allem der große und der kleine Zeh.

Die ersten Symptome der Infektion zeigen sich in der Regel am freien Rand eines Nagels. Die Pilze gelangen in die Hornschicht und weichen den Nagel nach und nach auf, sodass sich dieser langsam löst.

Verfärbte und verdickte Nägel sind typische Symptome von Nagelpilz. © Jupiterimages/iStockphoto

Verfärbte und verdickte Nägel sind typische Symptome bei Nagelpilz.

Man unterscheidet mehrere Formen von Nagelpilz mit unterschiedlichen Symptomen:

  • Distolaterale subunguale Onychomykose: Dies ist die häufigste Form von Nagelpilz. Die Erreger dringen über die Verbindung zwischen Nagel und Zehen- bzw. Fingerkuppe (sog. Hyponychium) in die Unterseite der Nagelplatte ein. Der Nagel wird brüchig und der Pilz kann nach und nach die gesamte Nagelplatte befallen. Der Nagel verfärbt sich gelblich.
  • Weiße superfizielle Onychomykose (Leukonychia trichophytica): Der Pilz (meist Trichophyton mentagrophytes) breitet sich nur auf den obersten Schichten der Nagelplatte aus, was zu einer weißlichen Verfärbung des Nagels führt.
  • Proximale subunguale Onychomykose: Der Pilz dringt in den Nagelrücken ein und befällt die Nagelwurzel (Nagelmatrix), den Ort des eigentlichen Nagelwachstums. Der Nagel wird dadurch geschädigt. Diese Form des Nagelpilzes tritt relativ selten auf.

Darüber hinaus gibt es weitere Formen wie etwa eine Hefepilz-Onychomykose oder die Schimmelpilz-Onychomykose. Ist der gesamte Nagel inklusive Nagelwurzel befallen, spricht man auch von einer totalen Onychodystrophie. Hierbei ist die Nagelplatte vollständig zerstört.

Wie Nagelpilz diagnostiziert wird

Ein erfahrener Hautarzt wird Nagelpilz leicht erkennen, wenn er ihn sieht. Um sicherzugehen, ob und von welcher Art von Pilz der Nagel befallen ist, kann der Arzt den Fall im Labor unter dem Mikroskop untersuchen lassen. Hierzu schneidet er einen Teil des Nagels ab und entnimmt eventuell zusätzlich eine Probe der Haut.

Sind unter dem Mikroskop Elemente eines Pilzes zu erkennen, kann anschließend eine Pilzkultur aus dem Nagelmaterial gezüchtet werden. Mit dieser Kultur lässt sich sicher feststellen, um welchen Pilz es sich handelt. Somit kann der Arzt eine genaue Diagnose stellen und die Therapie entsprechend anpassen.

Nagelpilz kann auch die Fingernägel befallen. © iStock

Nagelpilz kann auch die Fingernägel befallen.

Nagelpilz: Das sind die Ursachen

Nagelpilz (Onychomykose) entsteht in der Regel durch eine Infektion mit bestimmten Fadenpilzen, den sogenannten Dermatophyten. In den meisten Fällen ist die Dermatophyten-Art Trichophyton rubrum für die Erkrankung verantwortlich. Weitere mögliche, aber seltener vorkommende Erreger sind beispielsweise Trichophyton mentagrophytes und Epidermophyton floccosum. Dermatophyten können auch Fußpilz (Tinea pedis) verursachen – und in der Folge auf die Nägel übergreifen.

Seltener sind Hefepilze oder Schimmelpilze die Ursache für einen Nagelpilz. Daneben gibt es auch Mischformen, bei denen unterschiedliche Pilze beteiligt sind.

Manche Menschen bekommen eher Nagelpilz als andere. Faktoren, die Nagelpilz begünstigen, sind:

Im Schwimmbad: In feuchter Umgebung fühlen sich Pilze, die Nagelpilz auslösen, besonders wohl. © Jupiterimages/Creatas Images

Im Schwimmbad: In feuchter Umgebung fühlen sich Pilze, die Nagelpilz auslösen, besonders wohl.

In einem feucht-warmen Milieu können sich die Pilze besonders gut ausbreiten. Wer viel schwitzt und enge Schuhe trägt, kann sich daher leichter einen Nagelpilz zuziehen. Typische Ort, an denen man sich anstecken kann, sind zum Beispiel:

  • Schwimmbad
  • Sauna
  • Fitnessstudio
  • Umkleidekabine und Dusche in Sporthallen

Nagelpilz behandeln: Desinfektion, Nagellack & Nagelpilzmittel

Wie die Therapie im Einzelfall aussieht, hängt davon ab, um welche Art von Pilz es sich handelt und wie stark sich dieser bereits ausgebreitet hat.

Antimykotischer Nagellack bei leichten Fällen

In leichten Fällen reicht es aus, wenn Sie die betroffenen Nägel mithilfe von speziellen Nagellacken und Cremes behandeln, die Pilze abtöten. Dabei sollten Sie auf gründliche Hygiene achten. Spezieller Nagellack enthält zum Beispiel die Wirkstoffe Ciclopirox, Amorolfin und Bifonazol.

Diese Mittel werden direkt auf die betroffenen Bereiche aufgetragen (sog. lokale oder topische Therapie). Diese örtliche Behandlung bietet sich an, wenn:

  • die Nagelwurzel (Nagelmatrix) nicht betroffen ist,
  • nur einzelne Nägel befallen sind und
  • der Nagel nicht vollständig befallen ist.

Die Mittel sind rezeptfrei in der Apotheke erhältlich.

Antipilzmittel bei befallener Nagelwurzel

Ist bereits die Nagelwurzel angegriffen oder sind viele Nägel infiziert, kommen Antipilzmittel (sog. Antimykotika) zum Einsatz, um alle Pilzsporen zu beseitigen – zum Beispiel in Tablettenform oder als Injektion. Diese Form der Therapie dauert in der Regel mehrere Monate lang und muss konsequent eingehalten werden. Ziel der Behandlung ist, die Nagelplatte vollständig vom Pilz zu befreien.

Als Mittel, die zuverlässig Pilze abtöten, haben sich Wirkstoffe wie Terbinafin, Fluconazol (wenn Hefepilze beteiligt sind) oder Itraconazol (auch bei Befall durch Hefe- oder Schimmelpilze und bei Mischinfektionen) bewährt.

Zum einen gibt es Nagelpilzmittel, die gezielt einen bestimmten Erreger bekämpfen. Auf der anderen Seite stehen Produkte zur Verfügung, die gegen mehrere Erreger wirksam sind (sog. Breitbandmykotika).

Zusätzlich kann der Nagel mithilfe einer speziellen Salbe (z.B. mit Harnstoff oder Kaliumjodid) aufgeweicht und aufgelöst werden (sog. Keratolyse). Anschließend kann man den Nagel mit pilzabtötenden (antimykotischen) Lacken weiterbehandeln.

Auf die chirurgische Entfernung von Nägeln verzichtet man heute in der Regel, da sie nicht nur schmerzhaft ist, sondern auch zu Verletzungen führen kann, was das Risiko für eine Infektion erhöht.

Geduld ist gefragt!

Bis der erkrankte Nagel wieder gesund nachgewachsen ist, dauert es mehrere Monate. Bleiben auch nur wenige Pilzsporen zurück, besteht die Gefahr, dass sich ein behandelter Nagelpilz erneut ausbreitet. Um dies zu verhindern, können Sie einiges tun:

  • Desinfizieren Sie Ihre Schuhe und Strümpfe regelmäßig. Schuhe können in einem geschlossenen Plastikmüllsack mit Formaldehydlösung über ein bis zwei Tage hinweg desinfiziert werden und müssen anschließend mehrere Tage lang draußen ausgelüftet werden.
  • Waschen Sie Ihre Strümpfe, Bettwäsche und Handtücher bei 60 bis 90 Grad Celsius.
  • Verzichten Sie auf zu enge Schuhe.
  • Meiden Sie feuchte Umgebungen wie im Schwimmbad oder in der Sauna.
  • Trocknen Sie Hände und Füße gründlich ab.
  • Desinfizieren Sie Nagelfeile oder Nagelschere nach Gebrauch mit Desinfektionsmitteln oder 70-prozentigem Alkohol (in der Apotheke erhältlich). Betroffene sollten darauf achten, Nagelschere und -feile nicht mit anderen zu teilen.
  • Wenn andere Personen in Ihrem Haushalt ebenfalls infiziert sind, sollten auch diese sich behandeln lassen, da sonst die Gefahr besteht, dass Sie sich erneut anstecken.

Verlauf: Nagelpilz muss behandelt werden!

Ohne Therapie bildet sich Nagelpilz nicht wieder von allein zurück, sondern schreitet langsam voran. Daher muss Nagelpilz auf jeden Fall behandelt werden!

Wichtig ist, die Therapie konsequent und lang genug durchzuführen: Wenn auch nur einige wenige Pilzreste zurückbleiben, besteht die Gefahr, dass sich der Nagelpilz erneut ausbreitet. Eine Nagelpilz-Behandlung dauert mehrere Monate.

Komplikationen

Wenn die Nagelplatte durch den Pilzbefall verformt wurde, kann der betroffene Nagel einwachsen. In der Folge kann sich der Hautbereich um den Nagel entzünden (sog. Paronychie). Zudem können die Erreger auch die Haut befallen.

Vorbeugen: Wie Sie Nagelpilz verhindern

Nagelpilz (Onychomykose) lässt sich vorbeugen, wenn Sie folgende Dinge beachten:

  • Verzichten Sie auf zu enge Schuhe und achten Sie darauf, dass Schuhe und Strümpfe bequem und atmungsaktiv sind.
  • Da sich Pilze in feuchter Umgebung besonders leicht ausbreiten, sollten Sie darauf achten, Hände und Füße immer gründlich abzutrocknen, insbesondere in den Zwischenräumen zwischen den Zehen.
  • Kleine Verletzungen an den Nägeln können einen Nagelpilz begünstigen. Seien Sie also bei der Maniküre oder Pediküre sehr vorsichtig.
  • Wer im Schwimmbad oder in der Sauna Badeschuhe trägt, senkt sein Risiko für Nagelpilz.
  • Damit Sie sich nicht bei jemand anderem anstecken, sollten Sie keine gemeinsamen Handtücher benutzen.

Weitere Informationen

ICD-10-Diagnoseschlüssel:

Hier finden Sie den passenden ICD-10-Code zu "Nagelpilz (Onychomykose)":

Onmeda-Lesetipps

Forum "Haut & Körperpflege": Diskutieren Sie Ihre Fragen im Forum. Das Forum wird von unserem Experten Prof. Wolf-Ingo Worret betreut 

Arzneimittelinformationen: Nagelpilzerkrankungen an Händen und Füßen

Ratgeber Fußpilz

Ratgeber Nagelverfärbungen

Quellen:

Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Abrufdatum: 1.9.2017)

Stellungnahme der GD Gesellschaft für Dermopharmazie e. V.: Interdisziplinäres Management der Onychomykose. www.gd-online.de (Stand: 21.3.2013)

Plewig, G., et al. (Hrsg.): Braun-Falco’s Dermatologie, Venerologie und Allergologie. Springer, Heidelberg 2012

Moll, I.: Dermatologie. Thieme, Stuttgart 2010

Sterry, W., Paus, R.: Checkliste Dermatologie. Thieme, Stuttgart 2010

Rassner, G.: Dermatologie. Lehrbuch und Atlas. Urban & Fischer bei Elsevier, München 2009

Feindt, S.: Handbuch der podologischen Behandlungsmethoden. Neuer Merkur Verlag, München 2007

Faber, S. et al.: Richtig selbst behandeln. Trias-Verlag, Stuttgart 2006

Herrmann, K. et al.: Dermatologie und medizinische Kosmetik. Springer Verlag, Berlin Heidelberg 2006

Leitlinien der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft und der Deutschsprachigen Mykologischen Gesellschaft: Onychomykose. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 013/003 (Stand: April 2006)

Altmeyer, P., Dirschka, T., Hartwig, R.: Klinikleitfaden Dermatologie. Urban & Fischer, München 2003

Aktualisiert am: 1. September 2017

Wie steht es um Ihre Gesundheit?



Apotheken-Notdienst