Muskelzerrung: Behandlung

Veröffentlicht von: Till von Bracht (04. April 2017)

Bei Verdacht auf eine Muskelzerrung – etwa wenn Sie beim Sport auf einmal ein Ziehen und ein Gefühl der Verkrampfung im Oberschenkel oder in der Wade spüren – sollten Sie jegliche sportliche Aktivität sofort abrechen. Andernfalls riskieren Sie schlimmere Muskelverletzungen wie etwa einen Muskelfaserriss

Im Idealfall beginnt die Therapie einer Muskelzerrung mit einer zügigen Erst-Behandlung nach dem sogenannten PECH-Schema:

  • Pause,
  • Eis,
  • Compression,
  • Hochlagern.

Pause: Auch wenn Sie beim Sport nur einen leichten Muskelschmerz oder ein Ziehen verspüren, sollten Sie umgehend pausieren. Um keine schlimmeren Verletzungen zu riskieren, müssen Sie den betroffenen Muskel ruhig stellen.

Eis: Kälte verringert die Schmerzen, die infolge der Muskelzerrung auftreten. Dazu eignen sich Kühlpackungen oder ein Beutel mit zerstoßenen Eiswürfeln. Bitte beachten Sie: Das Eis sollte nicht direkt auf der Haut liegen – dies könnte zu lokalen Erfrierungen führen.

Compression (Kompression): Falls möglich, empfiehlt es sich, im Zuge der Behandlung einen Druckverband anzulegen. Ein solcher Druckverband stabilisiert und schont den betroffenen Muskel. Achten Sie darauf, den Druckverband nicht zu eng anzubringen – sonst kann er Gefäße und Nerven schädigen. Besonders empfehlenswert ist eine Kombination aus Kühlung und Druckverband. Hierfür eignen sich beispielsweise spezielle Kühlmanschetten. Auch hier gilt die Regel: Nicht zu kalt und nicht zu eng!

Hochlagern: Wenn Sie das verletzte Bein oder Arm hochlagern, fließt weniger Blut in den betroffenen Muskel. Dies wirkt dem Spannungsgefühl und Schmerzen entgegen.

Ist eine Muskelzerrung sehr schmerzhaft, so können Sie bei der Behandlung zusätzlich schmerzlindernde Medikamente einnehmen, wie etwa Ibuprofen. Zusätzlich kann der Arzt einen Verband mit einer Salbe angelegen, die zum Beispiel die Wirkstoffe Diclofenac oder Etofenamat enthalten. Diese Substanzen sollen bei einer Muskelzerrung ebenfalls abschwellend und schmerzlindernd wirken. 

Grundsätzlich gilt: Bei einer Muskelzerrung konzentriert sich die Therapie vor allem darauf, die Symptome zu behandeln. Denn bei einer Zerrung wird der Muskel nicht strukturell geschädigt – das Muskelgewebe bleibt intakt. Vielmehr handelt es sich bei einer Muskelzerrung um eine gestörte Steuerung der Muskelspannung.

Muskelzerrung: 4 bis 14 Tage Sportpause

Je nach Umfang und Ausmaß der Muskelzerrung sollten Sie dem betroffenen Muskel eine Ruhepause von etwa vier bis sechs Tagen gönnen – manchmal ist aber auch eine Sportpause von bis zu zwei Wochen notwendig.

Da sich die Mehrzahl aller Zerrungen in der Beinmuskulatur ereignen – ausgesprochen häufig ist eine Muskelzerrung in Oberschenkel, Wade sowie im Bereich der Adduktoren – kann es sinnvoll sein, den betroffenen Beinmuskel für die Dauer der Zerrung teilweise zu entlasten. Bei einer starken, schmerzhaften Muskelzerrung können Sie daher beim Gehen für einige Tage auf Unterarmgehstützen zurückgreifen.

Bei der Behandlung einer Muskelzerrung kann zusätzlich eine physikalische Therapie in Form einer Krankengymnastik sinnvoll sein. Sie trägt zur Entspannung des Muskels bei und fördert damit die Regenerationsfähigkeit. Außerdem sorgt sie dafür, die Kraft des betroffenen Muskels zu erhalten.

Eine häufig in Zusammenhang mit einer Muskelzerrung angewandte Behandlung ist die Muscle-Release-Technik, bei der der Muskel im Wechsel angespannt und entspannt wird. Darüber hinaus eignen sich Disziplinen wie Aquajogging oder das Training mit dem Fahrradergometer, um schrittweise an die ursprüngliche Leistungsfähigkeit des Muskels nach einer Zerrung heranzuführen.

Egal ob es sich um die Muscle-Release-Technik oder eine andere Übungsform handelt, gilt: Alle Übungen sind nur dann sinnvoll, wenn sie keine Schmerzen verursachen. Das professionell begleitete Aufbautraining nach einer Zerrung kann dabei aus unterschiedlichen Elementen bestehen, wie zum Beispiel

  • belastungsfreien Übungen,
  • dynamischen Übungen,
  • Dehnungsübungen
  • oder Belastungstests durch den Sportarzt.