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Multiple Sklerose (MS): Therapie

Veröffentlicht von: Onmeda-Redaktion (13. Januar 2016)

Wenn Sie eine multiple Sklerose (MS) haben, ist es wichtig, dass die Therapie so früh wie möglich beginnt. Das Ziel der Behandlung besteht darin, die zugrunde liegenden entzündlichen Prozesse zu verringern. Eine vollständige Heilung der multiplen Sklerose ist jedoch nicht möglich.

Bei der Multiple-Sklerose-Therapie unterscheidet man die drei folgenden Behandlungen:

  • Schubtherapie: Behandlung eines akuten Schubs
  • Basistherapie: Dauerbehandlung, die das Fortschreiten der multiplen Sklerose hemmen soll
  • symptomatische Therapie: Behandlung der durch multiple Sklerose bedingten Symptome

Schubtherapie

Multiple Sklerose verläuft meist in Schüben. Die während eines MS-Schubs eingesetzte Therapie zielt darauf ab, die mit dem Schub verbundenen Symptome zu bekämpfen. Die bei dieser Schubtherapie eingesetzten Medikamente dienen im Wesentlichen dazu, die Prozesse des Immunsystems günstig zu beeinflussen.

Bei einem akuten MS-Schub kann Ihnen, je nach Schwere, eine Therapie mit hoch dosierten Entzündungshemmern (Glukokortikoide) helfen. Ein akuter Multiple-Sklerose-Schub macht sich bemerkbar, wenn bisher unbekannte Beschwerden auftreten, frühere Symptome wiederkehren oder diese sich mindestens 48 Stunden lang verstärken. Bei einer Hochdosis-Schubtherapie bekommen Sie Kortison (z.B. Methylprednisolon) drei bis fünf Tage in die Venen gespritzt und nehmen es unter Umständen anschließend etwa zehn Tage lang in zunehmend geringerer Dosis als Tabletten ein. Die Beschwerden und auch die ihnen zugrunde liegenden Entzündungsherde gehen rascher wieder zurück. Durch die zeitliche Begrenzung der Behandlung fallen die sonst unangenehmen Nebenwirkungen von Kortison deutlich milder aus: Herzklopfen, Heißhunger, Unruhe oder Schlafstörungen sind bei der Kortison-Stoßtherapie zunehmend seltener.

Es gelingt allerdings nicht in jedem Fall gleichermaßen, einen akuten MS-Schub mit einer solchen Kortison-Therapie zu bekämpfen. Ist Kortison zur Schubtherapie unwirksam, besteht die Möglichkeit, den Multiple-Sklerose-Schub in spezialisierten Zentren mit einer Plasmapherese zu behandeln, bei der man das Blutplasma aus Ihrem Blut herausfiltert und gegen eine Ersatzlösung austauscht.

Basistherapie

Gegen multiple Sklerose (MS) kommt auch eine dauerhafte Therapie zum Einsatz, um das Fortschreiten der Erkrankung zu hemmen. Diese Basistherapie soll ...

  • weitere Schübe verhindern oder abschwächen,
  • das Fortschreiten der Behinderung durch die multiple Sklerose verlangsamen,
  • Ihre Lebensqualität erhalten.

Gegen multiple Sklerose sind als Basistherapie Substanzen geeignet, die das Immunsystem beeinflussen, wie:

Sie verringern nachweislich die Häufigkeit und Dauer einzelner Multiple-Sklerose-Schübe. Im Idealfall kann die Therapie zur Schubfreiheit führen. Auch der menschliche Körper selbst bildet Interferone, die unter anderem die Bildung von Botenstoffen der Entzündung regulieren.

Als Tablette verabreichtes Interferon beta würden Sie verdauen, ehe es überhaupt wirken könnte. Deshalb besteht die Multiple-Sklerose-Basistherapie mit Interferon beta aus Injektionen: Der Arzt spritzt diesen Wirkstoff entweder alle zwei Tage beziehungsweise mehrmals pro Woche unter Ihre Haut (subkutan) oder einmal pro Woche in Ihre Muskulatur (intramuskulär). Glatirameracetat bekommen Sie täglich unter die Haut gespritzt. Wenn Sie sich zur MS-Therapie ungern so häufig Spritzen verabreichen lassen, können Sie sich nur einmal pro Woche ein Interferon-Präparat in die Muskulatur spritzen lassen (oder es sich nach einer Schulung selbst verabreichen). Unter die Haut gespritzt führt dieser Wirkstoff häufiger zu Hautrötungen und Schwellungen an der Einstichstelle beziehungsweise zu allergischen Reaktionen.

Wenn Sie multiple Sklerose haben, ist es ratsam, möglichst früh mit der Basistherapie zu beginnen: Dies kann die Prognose der multiplen Sklerose günstig beeinflussen. Allerdings können Interferone zahlreiche Nebenwirkungen haben. Meist handelt es sich hierbei um grippeähnliche Symptome wie Fieber, Müdigkeit und Kopfschmerzen oder Gliederschmerzen. Interferone wie auch Glatirameracetat sind nicht bei allen Menschen zur MS-Therapie geeignet (z.B. nicht während der Schwangerschaft).

Alternativ kommen in solchen Fällen zur MS-Therapie intravenöse Immunglobuline (IVIG) infrage. In manchen Fällen kann auch eine Basistherapie mit bestimmten Immunsuppressiva (z.B. Azathioprin, Mitoxantron) zum Einsatz kommen, wenn die multiple Sklerose schwer beziehungsweise stetig stärker werdend verläuft.

Wenn eine multiple Sklerose trotz Therapie mit Interferon beta hochaktiv ist und schubförmig verläuft oder wenn sie rasch fortschreitet und schubförmig nachlässt, bietet sich als alternative Basistherapie die Wirkstoffe Natalizumab, Fingolimod oder Alemtuzumab an.

Natalizumab ist ein gezielt wirkender Antikörper, der verhindert, dass bestimmte Zellen des Immunsystems an die Innenwand von Blutgefäßen im Bereich des Gehirns (Blut-Hirn-Schranke) andocken. Dadurch können diese Immunzellen nicht ins zentrale Nervensystem einwandern, wo sie schwere Entzündungsreaktionen hervorrufen würden. Im Allgemeinen ist Natalizumab gut verträglich. Mögliche Nebenwirkungen der Behandlung sind: Kopfschmerzen, Harnwegsinfektionen, Depressionen, leichte Atemwegsinfektionen, Gelenkschmerzen und Müdigkeit. Mit zunehmender Behandlungsdauer steigt allerdings das Risiko für die Entwicklung einer schwerwiegenden, virusbedingten Erkrankung des zentralen Nervensystems: der progressiven multifokalen Leukenzephalopathie (PML). Dieses Risiko ist zusätzlich erhöht, wenn vor der MS-Therapie mit Natalizumab ein Mittel zum Einsatz kam, das die Immunabwehr unterdrückt (sog. Immunsuppressivum).

Auch Fingolimod hindert krankheitsverursachende Immunzellen daran, ins zentrale Nervensystem einzuwandern, und verringert so die für multiple Sklerose typische Entzündung und Zerstörung von Nervengewebe. Das Besondere an der MS-Therapie mit Fingolimod ist, dass Sie den Wirkstoff als Kapsel über den Mund einnehmen können (orale Therapie). Zu den möglichen Nebenwirkungen der Fingolimod-Behandlung gehören:

  • grippeähnliche Symptome,
  • Darmbeschwerden,
  • verlangsamter Herzschlag (Bradykardie),
  • unregelmäßiger Herzrhythmus,
  • depressive Verstimmungen sowie
  • Sehprobleme aufgrund einer Schwellung im zentralen Sehbereich der Netzhaut am Augenhintergrund (Makulaödem).

Alemtuzumab ist ebenfalls ein Antikörper. Er zielt auf ein ganz bestimmten Antigen ab, das in großer Zahl auf der Oberfläche der krankheitsverursachenden Immunzellen liegt. Die Folge: Die Immunzellen lösen sich auf und verlieren so ihre zerstörerische Wirkung. Die MS-Therapie mit Alemtuzumab besteht aus Infusionen – das heißt, Sie bekommen den Wirkstoff über eine Hohlnadel in die Vene verabreicht. Im ersten Behandlungsjahr erhalten Sie an fünf aufeinanderfolgenden Tagen jeweils eine Infusion (mit 12 mg Wirkstoff), ein Jahr später folgt die zweite Behandlung mit drei Infusionen an drei aufeinanderfolgenden Tagen in gleicher Dosierung (ggf. kann man im dritten Jahr noch eine dreitägige Behandlung anhängen). Die Wirkung dieser Therapie hält oft länger an: Sowohl die Anzahl der Multiple-Sklerose-Schübe als auch die Zunahme der Behinderungen verringern sich nachhaltig. Als Nebenwirkungen können Sie unter anderem ...

  • in den Monaten nach den Infusionen etwas anfälliger für Infekte sein,
  • Anzeichen für andere Autoimmunreaktionen entwickeln (z.B. für eine autoimmune Störung der Schilddrüsenfunktion oder Immunthrombozytopenie, d.h. beschleunigter Abbau von Blutplättchen durch Autoimmunantikörper) oder
  • eine Nierenentzündung (Glomerulonephritis) bekommen.

Begleitmaßnahmen

Gegen multiple Sklerose (MS) ist auch eine symptomatische Therapie wichtig: Das bedeutet, geeignete Begleitmaßnahmen gegen die als störend empfundenen Beschwerden zu ergreifen.

Durch eine symptomatische MS-Therapie können Sie Ihre Lebensqualität verbessern und Funktionseinschränkungen, die aufgrund Ihrer Beschwerden entstanden sind, verringern. Einer Gehbehinderung oder Koordinationsstörung können Sie zum Beispiel durch krankengymnastische Übungen (Physiotherapie) entgegenwirken. Auch Störungen der Blasenfunktion und Sexualität sowie Zittern, Schwindel oder Schmerzen, die durch multiple Sklerose bedingt sind, kann man durch entsprechende Begleitmaßnahmen behandeln: teils durch Medikamente, teils mit ergänzenden oder alternativen Therapien (z.B. Beckenbodentraining, Massagen oder Entspannungsmaßnahmen).

Typisch für multiple Sklerose ist, dass sich die Symptome durch Hitze verstärken: zum Beispiel bei Fieber, körperlicher Anstrengung (z.B. Sport) oder hohen Umgebungstemperaturen im Sommer. Daher kommen in solchen Situationen zur symptomatischen MS-Therapie auch Begleitmaßnahmen infrage, um den Körper abzukühlen. Hierzu sind inzwischen verschiedene Kleidungsstücke mit Kühlelementen (z.B. Kühlweste) verfügbar, mit denen Sie wärmebedingte Beschwerden und somit Ihre Lebensqualität verbessern können.



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